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1001 Gramm

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Originaltitel: 1001 Gramm

Laufzeit: 91 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Besetzung: Ane Dahl Torp, Stein Winge, Laurent Stocker, Hildegun Riise

Regie: Bent Hamer

Ab dem 18. Dezember in den Lichtspielhäusern.

 

Allein schon der Nachname lässt es vermuten: Marie Ernst (Ane Dahl Torp) ist eher eine kühle Persönlichkeit. Aber als aufstrebende Mitarbeiterin des norwegischen Eichamts ist das vielleicht auch ganz hilfreich. Doch neben den üblichen und nicht sehr glanzvollen Aufgaben einer Messtechnikerin erwartet sie in Kürze auch ein echtes Abenteuer: Das Kilo-Seminar des Internationalen Büros für Maß und Gewicht in Paris. Da wird es nicht nur jede Menge anregende Diskussionen über die Zukunft der Kilodefinition geben, vor allem wird jede eingeladene Nation ihren Kilogramm-Prototypen mitbringen. Und Marie wird das norwegische Referenzkilo im Gepäck haben. Welch eine Ehre und Last gleichermaßen! Nebenbei belastet sie aber auch noch der unsichere Gesundheitszustand ihres Vaters Ernst (Stein Winge). Ja, werter Leser – der Mann heißt somit mit vollem Namen Ernst Ernst. Es nimmt einen da wohl kaum Wunder, dass er bis vor Kurzem ein wirklich hohes Tier im Eichamt war. Wie dem auch sei, vielleicht gelingt es ja dem schmucken Ex-Physikprofessor und aktuellen Gärtner, den alle nur „Pi“ nennen (Laurent Stocker), unsere Heldin auf andere Gedanken zu bringen.

Szenenbild 1

Dies vorab: Der Verfasser dieser Kritik ist bekennender Neurotiker und deshalb unter anderem ein kleiner Fan des Deutschen Instituts für Normung. Insofern hatte ein Film über das norwegische Pendant des DIN natürlich eine gewisse Menge an Vorab-Euphorie bei ihm gut. Doch sei unbesorgt, werter Leser, auch jenseits der merkwürdigen Gedankenwelt des Autors dieser Zeilen sollte „1001 Gramm“  einiges zu bieten haben.

Beginnen wir zum Beispiel mit den Darstellern, und da natürlich zuerst mit Ane Dahl Torp, die ihre Marie herrlich kühl, aber auch mit genau der richtigen Menge an unterschwelliger Sinnlichkeit gibt, sodass man ihr gerne durch die großen und kleinen Unwägbarkeiten ihres Lebens folgt. Doch auch im Rest der Besetzung findet man Unmengen an Talent und Spielfreude sowie wunderbar liebevoll gezeichnete Charaktere genau zwischen realistisch und fast schon zu skurril, um wahr zu sein.

Platz zwei auf der Lass-dich-begeistern-Liste von „1001 Gramm“ belegt die herrlich durchkomponierte Optik, denn auch wenn das Farbschema eine klare Verliebtheit in Richtung blauer Einsprengsel aufweist und die Farbdramaturgie recht simpel daherkommt („Norwegen = kühle Farben mit viel Blau; Frankreich = warme Farben, oranges Licht“), so ist das alles doch derart meisterlich arrangiert, dass die Simplizität des Ganzen eher elegant denn stupide daherkommt.

Szenenbild 2

Und auch thematisch weiß der Film zu überzeugen. Er ist nicht nur toll ausbalanciert zwischen Drama und Komik, er hat auch keine Scheu, neben dem Herz auch den Kopf anzusprechen. Mehrfach wird über Umsetzung und Auswirkungen der Kilodefinition sinniert und über den Sinn von Messdefinitionen allgemein philosophiert. Und wer sich dafür nur mäßig interessiert, für den gibt es ja immer noch die toll gespielte Liebesgeschichte zwischen Marie und Pi.

Quasi nebenbei erhält man dann noch einige erhellende Einblicke in die Welt der Eichämter, bekommt einen durchaus nachdenklich stimmenden Messtechniker-Witz zu hören und erfährt kleine Albernheiten wie das recht kindische Verhalten von Messtechnikern beim Liebesspiel sowie die vielleicht schönste Geistergeschichte in Anwesenheit einer Waage, die die Historie des Films bis jetzt zu bieten hat.

Szenenbild 3
Fazit:
„1001 Gramm“ ist ein wenig wie seine Heldin: ziemlich kühl, ein wenig spröde, dabei aber auch verdammt sexy. Der Autor dieser Kritik jedenfalls hat sich von der Mär von der tapferen Messtechnikerin begeistern lassen und vergibt 8,00 von 10,00 Punkten.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Die Erfindung der Wahrheit“, „Harmony“ und „Nur ein Tag“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →