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A Silent Voice

Plakat

Originaltitel: Eiga Koe no Katachi

Laufzeit: 130 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Besetzung: Nicolás Artajo, Jill Schulz, Maximiliane Häcke, Benjamin Stolz, Ilona Brokowski, Birte Baumgardt, Corinna Dorenkamp, Patrick Baehr, Milena Karas

Regie: Naoko Yamada

Im Verleih von KAZÉ.

Seit dem 16. März auf allen Heimkino-Formaten.

Shoya Ishida ist ein normaler Grundschüler in einer japanischen Kleinstadt. Manchmal ein wenig laut und nicht immer gut erzogen, aber alles in allem doch ziemlich liebenswürdig. Doch dann bekommt er eine neue Mitschülerin. Und diese, Shoko Nishimiya mit Namen, ist gehörlos, was nicht nur organisatorischen Mehraufwand für die gesamte Klasse bedeutet (immerhin steht nun bald auch Gebärdensprache auf dem Lehrplan), sondern auch ein paar neue charakterliche Facetten von Shoya herauskitzelt. Ziemlich fiese Facetten, um genau zu sein. Jahre später, nun in der Oberschule, wird Shoya wissen, wie brutal und gemein er damals war, doch was kann er dann schon noch tun? Wie soll er mit der Schuld von einst umgehen? Und, vielleicht am wichtigsten, wie kann er seine Taten Shoko gegenüber wiedergutmachen? Denn die ist plötzlich, nach Jahren an einer anderen Schule, wieder in seinem Leben.

Szenenbild 1

Es sind große und schwere Themen, die sich „A Silent Voice“ da vorgenommen hat, doch ist dieser Animes nichtsdestotrotz von einer wundervollen Leichtigkeit bestimmt, die einen wirklich überrascht. Das kann nur funktionieren, weil die Handlung meisterlich durchdacht und alle emotionalen Inhalte stets in perfekter Balance sind. Selbst eine hochdramatische Szene nach einem Selbstmordversuch erfährt eine Wandlung ins Slapstickhaft-Komische, ohne dass damit die ernsthafte Thematik an Bedeutsamkeit verlieren würde. Das ist schlichtweg genial, aber unglaublich schwer zu beschreiben. Hier profitiert der Film natürlich von der hochgelobten Manga-Vorlage aus der Feder von Yoshitoki Ōima, die hier um eine eigene, in oftmals leicht märchenhaft-entrückte Farben getauchte Bildsprache und einen passend zurückhaltenden Soundtrack bereichert wurde.

Ebenfalls der Buchvorlage entnommen sind die wundervoll glaubwürdigen Hauptfiguren, allen voran Shoya, der zumindest ab dem zweiten Viertel (also als Oberschüler) ein wirklich großartiger Charakter ist. Ein junger Mann auf der Suche nach Reue, bestrebt, endlich das Richtige zu tun. Das ist wirklich großes Kino! Auch die anderen Figuren sind zwar nur allzu menschlich, aber nie unsympathisch. Mit großer Sensibilität erzählt uns „A Silent Voice“ hier von den Problemen des Heranwachsens, ohne es auf so simple, oft genug gesehene Themenkomplexe wie die erste Liebe oder die Abnabelung vom Elternhaus reduzieren zu müssen. Stattdessen bekommen wir, ganz unprätentiös, wirkliche Probleme wie Inklusion und Suizidalität unter Jugendlichen (gerade in Japan ein Riesenproblem) dargestellt. Was dem Anime dann auch eine angenehm ernstzunehmende, gesellschaftlich relevante Note verleiht.

Szenenbild 2

Der einzige Nachteil, den „A Silent Voice“ ab und an aufweist, ist einer, den der Film mit vielen anderen Literaturverfilmungen teilt. Denn obgleich die siebenbändige Mangavorlage sehr gut auf das Notwendigste reduziert wurde, wirkt die Handlung manchmal etwas zu sprunghaft, und da es immer nur wenige Hinweise darauf gibt, wie viel Zeit zwischen zwei Sprüngen vergangen ist, kann dies den Zuschauer hin und wieder ein wenig orientierungslos zurücklassen. Allerdings ist dies nur ein kleiner Makel in einer ansonsten großartig gelungenen Erzählung.

Die uns zur Rezension vorliegende Blu-Ray (die sich in der Ausstattung nicht von der DVD unterscheidet)  punktet mit einem schönen Menü, ein paar interessanten, aber nicht sehr detaillierten Interviews von Cast und Crew, einer leider sehr kurz geratenen Featurette zu den Orten in der realen Welt, die als Inspiration für die Szenerie von Manga und Anime herhielten (leider ohne auf die wundervolle „Site of Reversible Destiny“ im Yoro Park einzugehen, welche, obgleich nur etwa zwei Minuten im Film, den Autor dieser Zeilen doch genug beeindruckte, um sich nachhaltig auf seine Urlaubsplanung auszuwirken). Außerdem bekommen wir hübsche Musikvideos zu den beiden wichtigsten Musikstücken des Films und zwei Trailer zu thematisch passenden weiteren Filmen aus dem Verlagsprogamm von KAZÉ. Neben der normalen Fassung erschienen Blu-Ray als auch DVD außerdem (für fünf Euro mehr) jeweils in einer „Deluxe Edition“ im schmucken Schuber, die zusätzlich drei Artworks im Postkartenformat und ein (logischerweise gefaltetes) Filmposter beinhalten.

Szenenbild 3
Fazit:
Meisterlich und mit großer Sensibilität erzählt uns „A Silent Voice“ vom Heranwachsen, von Freundschaft und Unterstützung, aber auch von Unverständnis und Depression. Wie es dabei gelingt, ernste, bedeutsame Probleme und leichtfüßige Komik miteinander zu einem stimmigen Ganzen zu verweben, das kann man nicht schildern, das muss man erleben. Wir vergeben begeisterte 9/10 Punkte!
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Isle of Dogs“, „The Death of Stalin“, und „A Silent Voice“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „La Grande Bellezza“. Glaubt so langsam, dass „Chritopher Robin“ ein toller Film werden könnte.Zeige alle Artikel von Martin →