Amador–Filmplakat

Amador und Marcelas Rosen

Plakat

Originaltitel: Amador

Laufzeit: 110 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Hauptdarsteller: Magaly Solier, Celso Bugallo, Pietro Sibille, Fanny de Castro, Sonia Almarcha

Regie: Fernando León de Aranoa

Ab dem 7. Juni 2012 in den Kinos.

 

Marcela ist unglücklich. Ständige Geldsorgen und ein trostloses Dasein machen ihr das Leben schwer. Sie (Magaly Solier) und ihr Mann (Pietro Sibylle) halten sich mit dem Verkauf gestohlener Blumen über Wasser. Doch für ihre Sorgen und Gedanken zeigt er wenig Interesse. Also schreibt sie unter Tränen einen Abschiedsbrief und packt ihren Koffer. Raus aus dem Armenviertel und einfach weg, also ab zur Bushaltestelle. Dort angekommen, bricht sie plötzlich zusammen. Im Krankenhaus die Diagnose: Schwangerschaft. Also wieder zurück ins Armenviertel, zurück ins alte Leben. Marcelas Fluchtversuch bleibt überdies völlig unbemerkt – und Ihre Sorgen auch. Die Geldnöte nehmen zu. Ein zusätzlicher Job muss her. Sie soll den bettlägerigen Vater (Celso Bugallo) einer viel beschäftigten Frau (Sonia Almarcha) pflegen: Amador. Nach anfänglicher Ignoranz und Skepsis entwickelt sich zwischen Amador und Marcela eine für beide einzigartige Beziehung. Er ist der Einzige, der sich um sie sorgt und ihre Schwangerschaft bemerkt. Liebevoll spricht er mit Marcelas ungeborenem Kind und verspricht ihm seinen Platz im Leben.

 

Szenenbild 1 (Foto: Alamode Film)

 

Dieses Versprechen kündigt eine folgenschwere Wendung an, die den Film in ein ernstes und verzwicktes Licht rückt: Amador stirbt plötzlich. Marcela ist wie gelähmt, unfähig zu reagieren. Völlig überfordert rennt sie davon. Als sie am nächsten Tag wiederkommt, liegt der tote Amador nach wie vor in seinem Bett. Marcela ist mit der Situation sichtlich überfordert. Sie beginnt Blumen und Kerzen aufzustellen, sitzt wie gewohnt neben Amador und verrichtet ihre Arbeit. Doch Amadors Tochter ruft Marcela nicht an. So entspinnt sich ein unkontrolliertes Versteckspiel, das von Tag zu Tag schwieriger geheim zu halten ist und jeden Moment aufzufliegen droht. Eine Situation, die sowohl für Marcela als auch für das Kino-Publikum immer unerträglicher wird.

 

Szenenbild 2 (Foto: Alamode Film)

 

Der spanische Drehbuchautor und Regisseur Fernando Léon de Aranoa baut ab der Hälfte seines Dramas eine erdrückende Spannung auf, in deren Mittelpunkt die peruanische Schauspielerin Magaly Solier steht. Sie meistert das Spiel zwischen Marcelas schüchterner und kühler Fassade und dem angespannten Brodeln in ihrem Inneren. Auch wenn ihre Mimik oft wie versteinert wirkt, scheint es sie innerlich sichtlich zu zerreißen. Als dann noch Amadors rüstige Prostituierte (Fanny de Castro) hinter seinen Tod kommt, lockert der Regisseur diese Spannung mit einem trockenen und fast schwarzen Humor auf. Regisseur de Aranoa balanciert gekonnt zwischen Pietätlosigkeit und sozialkritischem Witz. Er zeigt so das Bittere im Leben einer Marcela. Sie ist Opfer und Täter zugleich. Marcela ist kein Mensch, der sich einfach feige aus einer Situation stiehlt, doch aufgrund ihrer Lebensumstände kann sie einfach nicht anders.

Der spanische Filmemacher de Aranoa kleidet seine Sozialkritik in sympathische Facetten, die er zu einem filmisch stimmigen Mosaik verwebt. Dabei lebt das Drama vor allem von einer ausgefeilten Metaphorik: Da werden als Rollstuhlfahrer getarnte Meerjungfrauen und bunte Kühlschrankmagneten zu Sinnbildern für Marcelas Leben und ihre Beziehung zu Amador. Vor allem das Puzzle-Motiv taucht an zahlreichen Stellen auf. Als Symbol für Marcelas ruheloses Fehl-am-Platze-Sein und Amadors Lebensphilosophie, in der jeder Mensch von Geburt an mit allen nötigen Teilen ausgestattet ist, die er nur noch richtig zusammensetzen muss. Die Eigenarbeit ist entscheidend.

 

Szenenbild 3 (Foto: Alamode Film)

 

Fazit:

Aranoas Drama „Amador und Marcelas Rosen“ ist frei von plattem Kitsch und entfaltet eine vielseitige und in sich stimmige Geschichte, in der Emotionalität mit Bedacht dosiert ist. Die unglaubliche Wendung am Filmende sorgt außerdem für Erstaunen und vielleicht auch für Entsetzen. Ein spanischer Allrounder, der mit seinem distanzierten Humor unaufdringlich unterhält. Er veredelt die zahlreichen Handlungsaspekte mit einer herausragenden Besetzung. Und er kritisiert, ohne zu urteilen oder anzuprangern. Mein Eindruck: Die letzte Einstellung grenzt sogar an Perfektion. Absolut empfehlenswerte 9/10 Punkten.

 

 

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Über den Author:

Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →

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