AssassinationClassroom Cover

Assassination Classroom 1

Packshot

Originaltitel: Ansatsu kyôshitsu

Laufzeit: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Besetzung: Ryôsuke Yamada, Kippei Shiina, Kang Ji-young, Okuma Anmi, Wakana Aoi, Shôta Arai, Tanaka Nichinan Ayano, Ozawa Guami

Regie: Eiichirô Hasumi

Im Verleih von MFA.

Ab dem 26. August auf Silberscheibe und Blauling.

 

Eigentlich ist die Klasse 3-E (das entspricht in etwa unserer 9. Klassenstufe) der Tokioter Kunugigaoka-Eliteschule nur erwähnenswert, weil sie als Ansammlung der miesesten Schüler einen möglichst guten Schnitt der anderen Klassen garantiert und als kleiner Nebeneffekt noch ein perfektes Ziel für Häme und Abwärtsvergleiche abgibt. Wenig verwunderlich also, dass die Schüler dieser Klasse nicht wirklich lernmotiviert sind.

Doch dieses Schuljahr wird sich das ändern. Denn ein gelbes, tentakelbewehrtes und superschnelles (bis zu Mach 20 schafft der kühne Kerl!) Monster zerstört als Debütvorstellung mal eben den halben Mond, legt danach aber merkwürdigen Sportsgeist an den Tag: Er stellt sich freiwillig als Klassenlehrer ebenjener 3-E zur Verfügung und erlaubt allen Schülern der Klasse alle nur denkbaren Attentatsversuche. Sollte er am letzten Schultag noch leben, dann war’s das mit der Erde. Bis dahin aber wird er immer für seine Schüler da sein. Und sie – ganz wichtig! – nicht töten.

Das eigentliche Problem der Klasse 3-E ist allerdings, dass das von ihnen kurzerhand „Koro-sensei“ (damit auch nicht die Nichtjapaner unter uns kurz lachen dürfen: Das ist ein Wortspiel auf „korosenai“, dem japanischen Wort für „nicht zu töten“) getaufte Überwesen mit dem wundervoll markanten Kichern ein richtig, richtig, richtig guter Lehrer ist. Klar, manchmal ist er bedrohlich und fies, und seine Vergangenheit scheint auch reichlich düster zu sein, meistens aber ist er sehr humorig und wahnsinnig kompetent. Mal ganz zu schweigen davon, wie effizient sich eine Unterrichtsstunde gestalten lässt, wenn der Lehrer Mach 20 drauf hat. Und so einen Lehrer soll man nun einfach töten, nur um die blöde Erde zu retten, die sowieso noch nie an einen geglaubt hat? Erwachsenwerden kann halt auch in Japan richtig nerven!

Szenenbild 1

Eine knackige Prämisse, eine hübsch abgedrehte Variation auf das alte Coming-of-Age-Konzept, ein Klassenraum voller sympathischer Chaoten auf der einen und ein herrlich überheblicher Gegenspieler auf der anderen Seite, der perfekt zwischen Feingeist und Ekel changiert. Warum nochmal werden wir hierzulande mit „Fack ju Göhte“ abgespeist, während andere Länder so etwas hervorbringen können? Na ja, genug gemault.

„Assassination Classroom 1“ jedenfalls sprudelt geradezu über vor kreativen Ideen und kleinen Gleichnissen über den Umgang unter Gleichaltrigen und die Probleme des Erwachsenenwerdens. Zwar übertreibt man es gerade zu Beginn des Filmes manchmal fast ein wenig mit den zwar an sich meist gelungenen, aber doch stets etwas zu unabhängig voneinander präsentierten Ideen, sodass sich der Film mehrfach fast zu sehr wie eine Nummernrevue anfühlt. Aber man fängt sich dann glücklicherweise immer noch rechtzeitig, um die Handlung nicht zu abgehackt wirken zu lassen. Außerdem wachsen einem die Schüler schon bald genug ans Herz, um solche Kleinigkeiten vernachlässigen zu können. Auch die nur selten beeindruckenden, aber immerhin stets adäquaten Effekte stören dann kaum noch.

Szenenbild 2

Allerdings ist der Horizont trotzdem nicht frei von düsteren Wolken. Denn die „1“ im Titel kommt schließlich nicht daher, dass jemand „Assassination Classroom!“ tippen wollte, beim letzten Zeichen aber die aus Versehen angeschlagene Capslock-Taste übersah. Nein, wir sind hier mitten in einem Zweiteiler, und nach dem Abspann von Teil eins hat man eher das Gefühl, gerade mal die Exposition hinter sich gebracht zu haben. Viel zu tun also für Teil zwei, und nur wenig an Teil eins gibt einem Hinweise auf die Qualität des Endes der Geschichte. Dazu kommt noch, dass Filme wie „Gantz 2 – Die ultimative Antwort“ oder auch das Ende von „Neon Genesis Evangelion“ (in beiden Versionen!) zeigen, dass gerade bei japanischen Produktionen eine kreativ abgefahrene Grundidee noch kein befriedigendes Ende garantiert. Positiv formuliert hat man damit also allen Grund, gespannt auf „Assassination Classroom 2“ zu warten.

Szenenbild 3

Und während wir warten, maulen wir nochmal kurz ein wenig, diesmal zur Technik: Die Blu-Ray zu „Assassination Classroom 1“ mag mit tadelloser Bild- und Tonqualität überzeugen und neben der deutschen Synchronfassung findet sich darauf wie üblich auch die japanische Originalspur mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln. Ansonsten ist die Ausstattung aber reichlich mager: Teaser und Trailer zum Film, ein klitzekleiner Blick auf die Anime-Umsetzung des zugrundeliegenden Mangas und drei Trailerchen zum restlichen Sortiment von MFA. Mehr nicht. Wenigstens eine Featurette zum mittels Tricktechnick zum Leben erweckten neuen Lieblings-Tentakelmonster des Verfassers dieser Zeilen wäre da schon noch schön gewesen. Na, immerhin grinst einen die simpel, aber großartig gestaltete Disc jedesmal sehr schön aufmunternd an.

Deutlich ärgerlicher als ein paar fehlende Extras hingegen ist, dass nur sehr vereinzelt japanische Schrift übersetzt wurde. Denn es wäre schon sehr schön gewesen, mitzubekommen, welche Notizen die Schüler sich über Ihren Gegner gemacht haben oder welchen Schabernack Koro-sensei am Ende der Credits mit den Schriftzeichen anstellte.

Szenenbild 4
Fazit:
Wer den Satz „Koro-sensei ist wie Gantz, nur nicht so nervig kryptisch.“ versteht, der sollte bei „Assassination Classroom 1“ bedenkenlos zugreifen können. Natürlich erwartet auch alle anderen ein herrlich abgedrehter Spaß, aber halt ohne Garantie auf ein befriedigendes Ende. Wer sich also noch unsicher ist, dem sei hiermit versichert: Wir bleiben am gelben, grinsenden, tentakelbewehrten Ball! Zwischenstand: 7/10 Punkte.

 

PS: Oh, und falls sich das sonst noch wer im Kalender anstreichen möchte – „Assassination Classroom 2“ erscheint dann am 28. Oktober 2016. So lange warten muss man also gar nicht!

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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