Dallas Buyers Club

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Originaltitel: Dallas Buyers Club

Laufzeit: 117 Minuten

FSK: 12 Jahre

Hauptbesetzung: Matthew McConaughey, Jared Leto, Jennifer Garner

Regie: Jean-Marc Vallée

Ab dem 6. Februar 2014 in den deutschen Kinos.

 

Dallas Mitte der 80er-Jahre: Ron Woodroof (Matthew McConaughey) ist das Klischee eines waschechten Texaners – großspuriger Spieler, Bullen reitender Cowboy, eingefleischter Schwulenhasser. Er säuft, kokst und vögelt sich durch die Welt, bis er eines Tages im Krankenhaus landet. Eine Routineuntersuchung ergibt dann die Diagnose: HIV-positiv, AIDS – zu dieser Zeit als „Schwulenkrankheit“ verschrien. Die Prognose: Ihm bleiben nur noch 30 Tage. Nachdem die ersten Verdrängungsversuche scheitern, stellt er sich seinem Befund und sucht nach alternativen Therapien und Medikamenten. Denn auf dem offiziellen Markt gibt es nicht viel – und bei dem, was es gibt, haben Pharmaindustrie und Regierung mit Millionengewinnen ihre Finger im Spiel. Auf seiner Suche begegnet er dem transsexuellen Rayon (Jared Leto) und die beiden beschließen, nach einigen Startschwierigkeiten, einen Verein zu gründen, bei dem auch nicht zugelassene Medikamente zu haben sind: den „Dallas Buyers Club“.

Szenenbild 1 (Foto: Ascot Elite Filmverleih)

Dieser Film sorgte schon im Vorfeld für Aufsehen, als Bilder vom abgemagerten Jared Leto durch die Medien gingen. Für seine Rolle als HIV-positiven Transsexuellen hat er massiv an Körpergewicht verloren. Für die nötige Authentizität kam ihm jedoch auch seine leicht androgyne Physiognomie zugute. Aber auch darstellerisch transportiert Leto stets diese schwer auszumachende Zerbrechlichkeit eines Menschen, der sowohl mit seiner Geschlechtsidentität als auch mit einer Diagnose zu kämpfen hat, die zur damaligen Zeit einem Todesurteil gleichkam – und das nicht nur körperlich, sondern auch sozial. An wenigen Stellen wirkt Leto etwas bemüht, vor allem bei den ersten Szenen, was allerdings angesichts seiner Todesangst-Szene völlig in Vergessenheit gerät.

Nicht zu vergessen: Auch Matthew McConaughey hat ganz schön Fleisch gelassen. Nur mit Mühe ist der einstige „Sexiest Man Alive“ wiederzukennen. Eingefallene Wangen, heraustretende Augen und staksige Beine mit wackeligem Gang haben absolut nichts mehr mit dem smarten Frauenheld gemein, dazu ein glasiger Blick und ein nuschelig-leiernder Texas-Akzent. Was McConaughey da leistet, ist erschreckend wie meisterhaft. Er spielt Woodroof nicht nur, er ist zu ihm geworden. Eine schauspielerische Hingabe, für die beide eine Oscar-Nominierung erhalten und ihn – verdammt nochmal – auch verdient haben.

Ach ja: Und Jennifer Garner spielt übrigens auch mit.

Szenenbild 2 (Foto: Ascot Elite Filmverleih)

Der eher weniger bekannte Regisseur Jean-Marc Vallée hat sich für einen authentischen Look entschieden. Die Kameraarbeit ist unaufdringlich inmitten des Geschehens, bleibt dabei aber natürlich. Kleinere Schwächen gibt es beim Aufbau der Story. Vallée hat alle Aspekte des Drehbuchs unter einen Hut bringen können, manchmal zulasten der Verständlichkeit. So wird nicht ganz klar, um was genau es sich bei diesem „Dallas Buyers Club“ handelt und inwieweit sich Woodroof und Rayon mit ihrem Medikamentenhandel im Bereich der Illegalität bewegen. Sicher wollte Vallée sein Publikum mit gesetzlichen Belangen nicht langweilen, für die Geschichte sind diese aber unverzichtbar, zumal sich Zollkontrollen und Gerichtsverhandlungen durch den gesamten Film ziehen. Einigen Episoden, wie die Anfänge des Clubs oder die Schmuggelaktionen, hätte eine stärkere Raffung und mehr Dynamik gut getan. So hätten einige Längen vermieden und der Story mehr Schwung verpasst werden können. Aber all das ist Meckern auf hohem Niveau.

Szenenbild 3 (Foto: Ascot Elite Filmverleih)

Zum Schluss soll eine Empfehlung genannt sein: Echten Kinofeinschmeckern sei die Originalfassung (bei Bedarf mit Untertiteln) eindringlich ans Herz gelegt. McConaugheys texanischer Nuschelakzent und Letos dünnes Stimmchen sind einfach unschlagbar und runden die Figuren erst richtig ab, was leider durch die deutsche Synchronisation völlig verloren geht.

Fazit:
Ein bewegendes und immer noch aktuelles Thema mit komplexen Figuren zugespitzt zu einer rundumschlägigen Gesellschaftskritik: „Dallas Buyers Club“ hat sein jahrelang reifendes und auf einer wahren Begebenheit beruhendes Drehbuch mit zwei Idealbesetzungen garniert. Die Makel im Storyaufbau sind der einzige Grund, warum dieser Film keine vollen zehn Punkte bekommt. Wer oscarverdächtige SchauspielKUNST und McConaughey in der Rolle seines Lebens sehen will, für den ist dieser Film ein absolutes Muss: 9/10 Punkten mit tosenden Standing Ovations.

 

 

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Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →

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