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Das Haus Der Krokodile Plakat

Das Haus der Krokodile

Plakat

Laufzeit: ca. 89 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Hauptdarsteller: Kristo Ferkic, Gudrun Ritter, Christoph Maria Herbst, Waldemar Kobus

Regie: Cyrill Boss, Philipp Stennert

Ab dem 22. März in den Lichtspielhäusern.

 

 

Seit kurzem wohnt Familie Laroche in einer alten, etwas unheimlichen Villa – ein vorgezogenes Erbstück des nun im Heim leben müssenden Onkels. Dieser war früher viel in Afrika unterwegs, und so ist die gesamte Wohnung angefüllt mit entsprechenden Andenken: Zebrastreifen an der Wand, düstere Masken, rätselhafte Artefakte, martialische Waffen und ein ganzer Zoo an ausgestopften Tieren. Für Viktor (Kristo Ferkic), den jüngsten Spross der Familie, wirkt diese abenteuerliche Umgebung natürlich vielversprechend – und tatsächlich: Kaum müssen Herr und Frau Laroche (Thomas Ohrner und Katja Weizenböck) aufgrund einer Geschäftsreise ihre Kinder alleine lassen, stürzt Viktor auch schon in das verhießene Abenteuer voller Mysterien und Gefahren. Ihn erwarten ein gruseliger Einbrecher, ein 40 Jahre altes Rätsel sowie einige aufregende (und ganz und gar nicht ungefährliche) Kletterpartien.

Szenenbild 1

Angehörige vorangegangener Generationen könnten mit diesem Film noch ein paar Jugenderinnerungen verknüpfen, denn dies ist nicht die erste Adaption des gleichnamigen Kinderromans von Helmut Ballot aus dem Jahr 1971. Schon 1976 produzierte die ARD eine Miniserie mit Thomas Ohrner in der Hauptrolle – der im aktuellen Film nun kurz als Victors Vater auftreten darf. Besagte Miniserie bestand aus sechs Folgen à 30 Minuten und ist trotz der nicht uninteressanten Geschichte für den nostalgisch unverklärten Blick durchaus gewöhnungsbedürftig: Etwas unbeholfen in der Ausleuchtung, sehr hölzern im Schauspiel und etwas langatmig in der Präsentation. Eigentlich gute Gründe, das Ganze mit moderner Lichttechnik und routinierterem Team noch einmal aufzulegen, sodass auch die aktuelle Generation einen Hauch des alten Abenteuers verpüren kann.

Szenenbild 2

Und Himmel, was für ein Abenteuer sich einem da präsentiert! Zur Hälfte Krimi mit klassischem Whodunit-Aufbau, zur Hälfte Abenteuerfilm mit einer herrlich verspielten Schnitzeljagd, dazu dann noch ein ganz kleiner Hauch Mystery und ein paar schön gruselige Momente (keine echten Schocker wohlgemerkt, nur dieses angenehme Gefühl von echter Spannung) – ein Leckerbissen! Und dann die Garnitur: Die Wohnung der Laroches und das zugehörige Haus sind schlichtweg bildschön, von der Zebratapete im Trophäenzimmer bis zum Spiralmosaik am Fuße der Wendeltreppe gibt es immer wieder etwas neues, das den Blick ablenken und das Auge umschmeicheln möchte. Und endlich einmal wurden diese Bilder auch adäquat professionell eingefangen (sprich: das Ganze sieht mal nicht aus wie für’s Fernsehen produziert, sondern schreit wirklich nach einer Leinwand), mit einer schön ruhigen Kameraführung und einer stets passenden musikalischen Untermalung.

Doch das wäre alles nur halb so schön, wären da nicht auch noch die großartigen Darsteller. Gerade Kristo Ferkic liefert eine tolle und absolut glaubwürdige Leistung ab und die Idee, seine beiden echten Schwestern in die entsprechenden Rollen zu casten, wird mit einer stimmigen Chemie zwischen den dreien entlohnt. Gerade bei Cora (Joanna Ferkic), der jüngeren der beiden Schwestern, zeigt sich in der Interation mit Victor eine Menge echter Emotion. Nur für sich wirken die beiden Damen leider noch etwas blass. Stets ein Freudenfest hingegen ist das Spiel von Gudrun Ritter (die die strenge ehemalige Haushälterin Frau Debisch darstellt) und Waldemar Kobus (der den dubiosen Herrn Strichninsky mimt), wobei sich Herr Kobus im letzten Viertel herrlich in die Herzen der Zuschauer spielen darf, während Frau Ritter eine großartige Schlusszene bekommt und zeigt, wie man mit minimalsten Mitteln die ganz große Emotionalität darstellt. Einziger Wermutstropfen ist Christoph Maria Herbst, der seine Rolle etwas zu albern angelegt hat und in dieser Besetzung ein bisschen wie ein Fremdkörper wirkt.

Szenenbild 3

Außerdem beweist der Film den Mut, pädagogische Zeigefinger einmal wegzulassen. Kinder, die sich diesen Film ansehen, werden im besten Sinne nur auf dumme Gedanken gebracht. Denn Victor ist ein Abenteurer par excellence: Er klettert durch engste Luftschächte, hangelt sich an den wackeligsten und glitschigsten Regenrinnen entlang und ist auch von einem Fall vom Baumhaus nicht aufzuhalten. Dass das gefährlich ist, darauf weist der Film nicht hin. Warum auch? Es dürfte einem mehr als nur klar sein und es macht einfach wirklich unheimlich viel Spaß dem beizuwohnen und mitzufiebern (denn die Szenen sind auch wirklich nervenaufreibend spanndend). Und bei zu großer Sorge um eventuelle Nachwirkungen sollte man seine Kinder vielleicht einfach begleiten. Dann kann man die Pädagogik ja nachholen. Und hat außerdem einen schönen Grund, den man vorschieben kann, um sich selber mal wieder einen herrlich kindischen Spaß zu gönnen.

Szenenbild 4

“Das Haus der Krokodile” zeigt eindrucksvoll, dass auch Kinderfilme mit Niveau produziert werden dürfen. Wundervolle Bilder, großartige Schauspieler und eine spannende Geschichte machen den Film zu einem Muss für für alle kleinen und auch alle großen Kinofreunde. 8/10 hochgradig vergnügte Punkte vergebe ich dafür.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →