Deutschland von oben

Filmplakat (Foto: Universum Film)

Originaltitel: Deutschland von oben

Laufzeit: 110 Minuten

FSK: freigegeben ab 0 Jahren

Hauptdarsteller: keine

Regie: Petra Höfer, Freddie Röckenhaus

Seit dem 7. Juni in den Kinos.

 

Auf der Kino-Leinwand tut sich ein gewaltiger Bergkamm auf. Ein mit Eis und Schnee ummanteltes Gipfelkreuz thront auf der weißen Bergspitze. Majestätische Musik begleitet den Flug über die Gebirgskuppe, die in bläuliches Licht getaucht ist. Erste zaghafte Sonnenstrahlen bahnen sich ihren Weg durch die dichte Wolkendecke, doch die Kraft des Winters ist unübersehbar. Mit diesen herrschaftlichen Bildern beginnt die Dokumentation „Deutschland von oben“. Aus der Vogelperspektive stellt sie ein Porträt über Deutschland zusammen.

Szenenbild 1 (Foto: Universum Film)

Die Dokumentation „Deutschland von oben“ orientiert sich an den Jahreszeiten und präsentiert ihre Bilder in zwölf chronologischen Teilen: vom Jahresanfang im Januar, über den Wonnemonat Mai bis hin zum winterlichen Dezember. Zu sehen sind Bilder von verschiedenen Städten, Industriegebieten und Sehenswürdigkeiten, aber auch Tierarten und aufregenden Sportaktivitäten – und natürlich Aufnahmen der Natur.

Fraglich bleibt, nach welchen Kriterien die Schauplätze ausgesucht wurden und so werden sich Lokalpatrioten schnell auf den Schlips getreten fühlen. Der Film wartet mit einem riesigen und vielfältigen Bildmaterial auf und will mit Luftaufnahmen, Satellitenbilder, Computeranimationen und Slow-Motion-Sequenzen für Abwechslung sorgen. Auch Musikstücke, wie ehrwürdige Orchesteruntermalung oder schroffe Gitarrenklänge, frischen die stark beanspruchte Aufmerksamkeitsspanne immer wieder auf.

Die Einteilung in Monatsabschnitte ist eine schöne Idee, aber vier hätten es auch getan. Denn nach zwölf, sehr langwierigen und überladenen Teilen, rutscht selbst das interessierteste Publikum irgendwann ab dem Oktober-Abschnitt immer unruhiger und nervöser im Kino-Sessel hin und her. Schnell ertappt man sich dabei, wie man inständig und völlig unüblich auf den Dezember hofft – und der Film endlich vorbei ist. Auch wenn sich die Filmemacher um eine abwechslungsreiche Abfolge bemühen, ist die Dokumentation mit derart detailreichen und bildgewaltigen Sequenzen geschmückt, die die eigene Wahrnehmung irgendwann komplett verstopfen – einfach zu viel des Guten.

Szenenbild 2 (Foto: Universum Film)

Kommentiert wird das Ganze von Fox-Mulder-Synchonisationsstimme Benjamin Völz. Er gibt zahlreiche Informationen zu Wirtschaft, Umwelt, Flora und Fauna. Da werden unter anderem Schiffe auf ihrem Weg durch vereiste Flüsse begleitet, Industriegebiete wie das Ruhrgebiet überflogen und Flugruten von Zugvögeln aufgezeigt. Leider strotz der Begleittext nur so vor altbackenen Floskeln. Besonders wenn es um Tierdarstellungen geht, tauchen Formulierungen auf, die auch in billigen Tier-Dokus zu finden sind. Für einen leichteren Zugang zur Geschichte werden die Tiere stark vermenschlicht.

Die gestochen scharfe Bildqualität der Dokumentation ist absolut beeindruckend. Hier zeigt sich auch die Motivation, die Fernseh-Doku auf die Kino-Leinwand zu bringen. Auch wenn die Audioqualität an einigen Stellen Makel aufweist, kann sie mit den prachtvollen Aufnahmen vollends mithalten und verleiht ihnen den nötigen Nachdruck. Allerdings sind die klassischen Untermalungen stellenweise etwas zu dick aufgetragen und die Rock- und Techno-Sequenzen wirken sehr bemüht. Nichtsdestotrotz lohnt sich ein Kinobesuch für solch ein visuelles und auditives Spektakel definitiv. Für das ultimative Erlebnis hätte sich fraglos eine 3D-Version angeboten.

Szenenbild 3 (Foto: Universum Film)

Fazit:

Die Dokumentation „Deutschland von oben“ gibt mit mächtig viel Pathos und stellenweise romantischem Kitsch einen umfassenden Überblick über ganz Deutschland. Wer genug Geduld und Sitzfleisch besitzt, kann sich von den sehenswerten Bildern beeindrucken lassen und ganz nebenbei noch sein Allgemeinwissen erweitern – solide und gut gemeinte 5/10 Punkten.

 

 

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Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →