Deutsches Poster zu "Ein riskanter Plan"

Ein riskanter Plan

Deutsches Poster zu "Ein riskanter Plan"

Der ungemein einfallslose und austauschbare deutsche Titel gibt dem Zuschauer leider kaum Hinweise auf die Handlung. Da haben unsere englischsprachigen Nachbarn einen kleinen Vorteil: Die wissen nämlich schon, dass bei “Man on a Ledge” (der mitdenkende Leser hat es bestimmt schon erraten: Dies ist der Originaltitel.) wohl irgend ein Typ auf irgend einem Sims stehen wird. Der Typ heißt Nick Cassidy (und wird gespielt von Sam Worthington) und der Sims befindet sich an einem schmucken Hotel und ist unangenehm weit von der nächsten Straße entfernt. Doch unser Mr. Cassidy hat glücklicherweise gar nicht vor, einer suizidalen Tätigkeit zu frönen und sich mit Hilfe der Schwerkraft in etwas zu verwandeln, dass eher Ähnlichkeit mit Himbeermarmelade haben dürfte. Nein, unser Nick hat einen Plan. Dies wiederum hat sich der deutsche Zuschauer natürlich schon denken können.

Und so entwickelt sich im Lauf des Films eine Geschichte voller Wendungen. Gut die Wendungen sind meist relativ gut vorherzusehen, und meist erzählt einem der Film auch nichts Neues, sondern eher die alte Geschichte von guten Cops, miesen Geschäftsmännern, jeder Menge Verrat und dem großen Reibach – doch wird es wenigstens nie langweilig. Denn das muss man Regisseur Asger Leth lassen: Er kann sein Filmchen unterhaltsam inszenieren: Da sind diese herrlichen Szenen mit Sam Worthington, in denen er ein Ablenkungsmanöver nach dem anderen fahren darf, immer schön mit Blick auf die Straße, was einem schnell Verständnis für Höhenängstliche einflößt. Da sind diese hübschen Gespräche mit der etwas angekratzen Polizeipsychologin Lydia Mercer (Elizabeth Banks) in denen beide Darsteller ein bisschen was von ihrem Talent zeigen können (was gerade bei Worthington in meinen Augen langsam mal Zeit wurde). Und da ist vor allem ein sympatisches und mit herrlicher Chemie bestücktes Einbrecherpärchen (herrlich: Jamie Bell und Genesis Rodriguez), das sich im schönsten Heist-Movie-Stil eine Pointe nach der nächsten liefert. Und da sind natürlich die unvermeidlichen Rückblenden, in denen wir erfahren dürfen, warum unser Mann auf den Sims gelangte. Und die mal nicht komplett nervig sind. Denn die eigentliche Kunst hinter “Ein riskanter Plan” ist der Umstand, dass sich nichts unnütz in die Länge zieht und man eigentlich die gesamte Zeit über gut unterhalten wird. Die Handlung mag nicht sehr kreativ sein, doch sie macht einfach Spaß, denn sie ist stringent, spannend und so kurzweilig wie rasant erzählt. Und das alles mündet in einen so schön schnell inszenierten Showdown, dass man vor Spaß nur allzu gern darüber hinwegsehen kann, wie aberwitzig das Ende eigentlich ist.

Fazit: Wer nichts gegen Cop-Thriller hat und außerdem Freude an leichter Heist-Movie-Kost à la “Oceans Eleven” oder “Leverage” (um mal eine TV-Serie zu nennen) verspürt, dem sei “Ein riskanter Plan” wärmstens ans Herz gelegt, denn hierbei handelt es sich um ein großartiges Stück Unterhaltungsfilm. Ein schmackhafter Happen für zwischendurch. Der sich gut und gerne eine Bewertung von 7/10 Punkten verdient hat.

 

 

Originaltitel: Man on a Ledge

Laufzeit: 103 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Seit 26. Januar in den Lichtspielhäusern.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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