Godzilla Hauptplakat

Godzilla

Plakat

Originaltitel: Godzilla

Laufzeit: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Besetzung: Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, Elizabeth Olsen, Juliette Binoche, Sally Hawkins, David Strathairn, Bryan Cranston

Regie: Gareth Edwards

Seit dem 15. Mai in den Lichtspielhäusern.

 

Wir beginnen im Jahr 1999. Was mit auffällig regelmäßigen seismischen und elektromagnetischen Aktivitäten begann, mausert sich für Joseph Brody (Bryan Cranston), seines Zeichens leitender Ingenieur eines japanischen Atomkraftwerks, zu einer Tragödie ungeheuren Ausmaßes, denn plötzlich läuft in seinem Kraftwerk alles Erdenkliche schief. Und zwar richtig schief, mit seiner Frau Sandra (Juliette Binoche) als bedauernswertem Kollateralschaden. Joe kann seine Trauer nur überwinden, indem er sich manisch in die Aufklärung der rätselhaften Vorfälle stürzt.

Wir springen in die Gegenwart und wechseln den Protagonisten. Ford Brody (Aaron Taylor-Johnson), Josephs nun erwachsener Sohn, Marinesoldat und ein Experte im Umgang mit Kernwaffen, wollte eigentlich nur seinen Landurlaub mit Eheweib Elle (Elizabeth Olsen) und Sohnemann Sam (Carson Bolde) genießen, da muss er seinen Vater wieder einmal aus japanischer Sicherheitsverwahrung befreien. Der hatte nämlich einen seiner Recherchedurchbrüche und versuchte, in das mittlerweile als Quarantänezone abgeriegelte Gelände seines ehemaligen Arbeitsplatzes einzudringen. Damit Papa endlich Ruhe gibt, begleitet Ford ihn auf eine weitere, allerletzte Exkursion. Doch was die beiden da antreffen werden, ist jenseits ihrer Vorstellungskraft. Und es hört nicht auf den Namen Godzilla. Der kommt nämlich erst einige Zeit später dran.

Szenenbild 1

Der König der Monster scheint auf seine alten Tage etwas schüchtern geworden zu sein. In der gesamten ersten Hälfte von „Godzilla“ jedenfalls fehlt vom titelgebenden Monster jegliche Spur, sofern wir den sehr schön klassisch gehaltenen und atmosphärischen Vorspann einmal außer Acht lassen. Stattdessen bekommen wir es mit einer Eigenerfindung der amerikanischen Autoren zu tun: Ein massiver unbekannter terrestrischer Organismus, der von radioaktivem Material lebt und sich praktischerweise mit M.U.T.O. abkürzen lässt, auch wenn er nach Entfalten seiner Flügel nicht mehr ganz so terrestrisch ist (aber M.U.F.O. klingt halt blöd). Oh, und allein ist er auch nicht, denn ein zweites, diesmal ganz und gar erdgebundenes Wesen dieser Art findet sich auch rasch ein. Ein Weibchen auch noch, mit Aberhunderten nach Befruchtung lechzenden Eiern. Welch ein Glück für die Menschheit also, dass der Godzilla, den sich Gareth Edwards für seinen Film hat zimmern lassen, die zarten, leckeren M.U.T.O.s ganz oben auf seiner Speisekarte zu haben scheint, denn er taucht als Dritter im Bunde nun auch noch auf und macht Jagd auf die Biester. Etwas unpraktisch ist nur, dass die drei in San Francisco aufeinander treffen werden. Der Heimstatt von Familie Brody. Und dann ist da noch dieser grandios-dämliche Plan, den das amerikanische Militär ausgeheckt hat, um die M.U.T.O.-Kernfamilie mittels scharf gestellter Wasserstoffsprengköpfe wegzulocken.

Du siehst es vermutlich schon, geneigter Leser: Mit logischer Konsistenz kann der zweite amerikanische Ableger des Godzilla-Franchises nicht wirklich punkten (wobei, wenn wir mal ehrlich sind, mindestens 27 der 28 japanischen Vorbilder in dieser Hinsicht ebenfalls versagten). Das beginnt schon bei der Erklärung, warum Godzilla und Co. so scharf auf strahlende Ware sind und verspricht noch einige weitere eher unfreiwillig amüsante Kapriolen über die gesamte Filmlaufzeit – wie z.B. das auffällige Desinteresse der riesigen Monster an auf sie gerichteten Lichtquellen. Ernsthaft: Man kann sie aus beliebig vielen Quellen dauerhaft anfunzeln, sie lassen sich in fast schon autistischem Ausmaß nicht von ihrem Vorhaben ablenken.

Szenenbild 2

Glücklicherweise kann der Film aber in anderen Bereichen richtig punkten. Während Regisseur Edwards mit seinem Spielfilmdebüt „Monsters“ bewies, wie schmuck man einen Monsterfilm mit schmalen Geldbeutel produzieren kann, darf er nun in die Vollen greifen und inszeniert sein erklärtes Traumprojekt so stilsicher wie bildgewaltig, mit tollen Effekten, einer 3D-Optik, die nicht stört und einer gekonnten Kameraführung, die zwar nicht immer, aber mit Verlass traumhaft-atmosphärische Bilder liefert. Untermalt wird das Ganze mit einem toll dazu passenden orchestralen Score sowie vereinzelten, überraschend adäquaten Musikstücken wie z.B. den Elvis-Klassiker „Devil in Disguise“, bei dem in perfektem Timing der Stimmungswechsel innerhalb des Liedes zur Untermalung eines sehr passenden Nebenschauplatzes ausgenutzt wurde. Und allein schon die Idee, die ersten beiden Auftritte Godzillas von György Ligetis „Requiem“ begleiten zu lassen, ist schlicht geil und verdient eine Erwähnung als beste Anwendung dieses Stücks seit Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“.

Hinzu kommt, dass die Geschichte, so konstruiert sie auch sein mag, wenigstens kurzweilig und fokussiert erzählt ist und mit überraschend wenig nervendem Pathos auskommt. Außerdem spielt Edwards gewieft mit den Erwartungen seines Publikums und wechselt mehrfach fast schon hämisch die Szenerie, wenn sich einer jener godzillafilmtypischen Monsterkämpfe anbahnt. Man darf sie dann stattdessen z.B. auf einem Fernseher im Hintergrund sehen, womit einem auch klar wird, dass das keine finanzielle Entscheidung war, denn das Filmmaterial existiert ja. Ein ziemlich frecher, aber gelungener Zug.

Szenenbild 3

Auch auf Seiten der Darsteller kann das Projekt punkten, wenn auch nur eingeschränkt. So kann Bryan Cranston in seiner emotional etwas angefressenen Rolle mehrfach toll aufdrehen, überrascht letztlich aber mit auffallend geringer Leinwandzeit. Ähnliches gilt für Elizabeth Olsen, die hauptsächlich zwischen liebender Ehefrau und besorgter Ehefrau sowie zwischen liebender Mutter und besorgter Mutter changiert und dann ab und an noch kurz die Professionalität einer Krankenschwester ausstrahlen oder ungläubig staunend starren darf. Das alles macht sie toll, aber irgendwie wäre da auch Raum für mehr gewesen. Und von den vielen ebenfalls toll besetzten, aber eigentlich aufgabenfreien Nebenrollen haben wir da noch gar nicht gesprochen. Stattdessen haben wir Aaron Taylor-Johnson in einer etwas planlos-blassen Hauptrolle, die leider nur selten mit Präsenz punkten kann. Andererseits könnte das auch Absicht sein, denn so wird er natürlich zu einem tollen Durchschnittsbürger und damit zur guten Identifikationsfigur. Außerdem stiehlt er so dem klaren, da titelgebenden Helden des Films zu keiner Zeit die Schau.

Bei dieser Form der Charakterzeichnung bedient sich Edwards letztlich beim Genre des Katastrophenfilms und lässt seinen Figuren nichts Anderes übrig als irgendwie auf die wirkenden höheren Mächte zu reagieren. Klar, das hätte man eleganter ausführen können, aber die richtige Wirkung erzielt er damit nichtsdestotrotz. Würde Godzilla am Ende nur nicht so freundlich und nahezu kumpelhaft-menschlich rüberkommen. Das nimmt der wandelnden Katastrophe auf den letzten Metern dann leider doch wieder den vorher so schön aufgebauten Schrecken.

Szenenbild 4
Fazit:
Mit seinem bereits zweiten Monsterfilm liefert Gareth Edwards einen hochgradig unterhaltsamen wie stimmungsvollen Streifen ab, der sich vor den japanischen Vorbildern keinesfalls verstecken muss. Nur bei Handlung und Figuren hätte man gerne nochmal etwas länger tüfteln können. Die sorgen nämlich beide für Abzüge in der B-Note. 7/10 monstermäßig bespaßte Punkte bleiben dennoch übrig.

P.S.: Und es sieht so aus, als würde Gareth Edwards auch weiterhin Monsterfilme drehen. “Godzilla 2″ ist jedenfalls schon genehmigt – natürlich mit ihm auf dem Regiestuhl. Außerdem scheint er für ein noch nicht näher benanntes “Star Wars”-Spinoff engagiert worden zu sein. Vielleicht beantwortet er dort ja endlich die Frage, wie sich eigentlich Sarlaccs fortpflanzen.

VN:F [1.9.22_1171]
Deine Filmbewertung:
Rating: 10.0/10 (1 vote cast)

Godzilla, 10.0 out of 10 based on 1 rating

Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

Hinterlasse einen Kommentar