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Harodim – Nichts als die Wahrheit?

Plakat

Internationaler Titel: Harodim – Look closer

Laufzeit: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Darsteller: Travis Fimmel, Michael Desante, Peter Fonda

Regie: Paul Finelli

Ab dem 08. November in den Lichtspielhäusern.

 

 

Lazarus Fell (Travis Fimmel), Ex-Navy-SEAL und immer noch ein ausgeschriebener Experte für alles, was verdeckt und inoffiziell von Statten zu gehen hat, hat einen großartigen Namen und ist voller Rachegelüste, denn sein Vater mit dem noch viel imposanteren Namen Solomon Fell (Peter Fonda – Ja, genau, DER Peter Fonda!) ist eines der unzähligen Opfer der Anschläge auf das World Trade Center an jenem mittlerweile nur noch als unheilvoll bekanntem Datum. Doch nun, nach Jahren der Vorbereitung, bekommt Lazarus endlich seine Vergeltung: Er hat es tatsächlich geschafft, einen hier explizit nicht namentlich erwähnten, aber nur sehr wenig verschleierten Terroristenführer (gespielt von Michael Desante) aufzuspüren und festzusetzten, und nach einer kleinen Unterredung, in der er endlich die Wahrheit aus ihm herausquetschen will, erhofft sich unser Held dann seine wohlverdiente Vergeltung. Plant er zumindest. Doch wie üblich, wenn wir es mit Verschwörungen zu tun haben, sind die Dinge nicht so einfach, wie unser Lazarus das gern hätte.

Szenenbild 1

Natürlich ist die Grundprämisse von „Harodim“ nur mit sehr, sehr viel Wohlwollen von Seiten des Zuschauers akzeptabel, aber wenn man sich erst einmal darauf eingelassen hat, dass einem kleinen Ex-SEAL gelingen soll, was eine ganze Nation an überbezahlten Geheimdiensten nicht schaffen konnte, dann erwartet einen ein wirklich nicht uninteressantes kleines Kammerspiel, das komplett von seinen guten bis großartigen drei Hauptdarstellern getragen wird. Vor allem Travis Fimmel und Michael Desante entwickeln dabei eine gemeinsame Chemie, die zumindest den Verfasser dieser Zeilen an mehreren Stellen in ihren Bann ziehen konnte. Das liegt natürlich an den adäquat entgegengesetzt angelegten Charakteren, und während Desante seinen Terrorist weltmännisch und intellektuell gibt, stellt Fimmel seinen Elitesoldaten so herrlich als Schulbully mit ultrakurzer Aufmerksamkeitsspanne dar, dass man aufgrund der sich daraus zwischen beiden ergebenden vielen kleinen hochunterhaltsamen Momente gern verzeiht, wie klischeeträchtig beide Rollen doch eigentlich sind. Und wenn dann später auch noch Peter Fonda aufkreuzt, macht dieses Drei-Mann-Stück so richtig Spaß.

Allerdings wohl nur mit der englischen Originaltonspur, denn die deutsche Synchronfassung krankt im Falle der beiden unbekannten Darsteller extrem an uninspirierten, ja fast abwesend klingenden Sprechern. Schade, dass man da keine bessere Alternative finden konnte.

Szenenbild 2

Und auch ansonsten merkt man dem Film etwas zu deutlich seine geringes Budget an. Natürlich spielt die gesamte Handlung nur in einem einzigen Raum, deshalb ja Kammerspiel, und dieser Raum ist auch ganz hübsch ausgestattet und manchmal sogar verhältnismäßig stimmungsvoll ausgeleuchtet, doch ansonsten schreit die gesamte Optik nach einer DVD-Auswertung und in keinem Fall nach irgend einer Form von großer Leinwand. Genau wie die immer wieder eingespielten Fetzen echten Archivmaterials zur Untermalung der jeweilig dargelegten Theorien zwar eine hübsche Idee und manchmal tatsächlich auch eine nette Illustration des Gesagten sind, aber viel zu schnell wieder als nur mäßig interessante Spielerei verkommen, die dann einfach nur noch platt und öde wirkt. Ein subtilerer Einsatz wäre da viel schöner gewesen, denn so ergibt dieses Stilmittel eigentlich nur noch schlimmstes Zeigetheater und ist der wie schon erwähnt ja durchaus vorhandenen schauspielerischen Leistung der Hauptdarsteller gegenüber einfach nicht fair.

Angenehm hingegen ist die beiläufige, unverbindliche Art, in der in „Harodim“ Theorien präsentiert werden. Eine schöne Abwechslung zu selbsternannten Dokumentationen à la „Zeitgeist“ oder „Loose Change“, die ihre Thesen eher predigen als darlegen. Trotzdem bieten natürlich auch die Inhalte von „Harodim“ keinen Neuwert an Information und sollten auch auf keinen Fall einfach so für bare Münze genommen werden. Stattdessen laden sie dazu ein, sich einmal eigene Gedanken über Themen wie das Wesen von Macht und die Subjektivität jeglicher Form von Berichterstattung zu machen. Und das machen sie nach Meinung des Autors dieser Kritik auch um Längen besser als die gerade erwähnten „Dokumentationen“.

Szenenbild 3

Fazit:
Ja, „Harodim“ ist für den Verschwörungstheorien nicht abgeneigten Zuschauer auf jeden Fall mal einen Blick wert, denn der Film bietet angenehme, nicht unintelligente Unterhaltung, ohne dabei gleich irgendwelche Antworten präsentieren zu wollen. Seine etwas arg günstige Optik und eine reichlich suboptimale deutsche Synchronfassung schmälern jedoch deutlich den Filmgenuss, sodass es dem interessierten Zuschauer vielleicht doch lieber ans Herz gelegt sei, noch ein wenig auf die DVD-Veröffentlichung zu warten. Dann ist zumindest das Problem mit der Synchro aus dem Weg. Die englische Sprachfassung jedenfalls hat sich 7/10 Punkte verdient.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →