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I Kill Giants

Plakat

Originaltitel: I Kill Giants

Laufzeit: 106 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Besetzung: Madison Wolfe, Sydney Wade, Rory Jackson, Imogen Poots, Zoe Saldana

Regie: Anders Walter

Im Verleih von Koch Films.

Ab dem 26. Juli auf DVD und Blu-ray.

Stellen wir es doch gleich zu Anfang klar: Barbara Thorson (Madison Wolfe) trägt Hasenohren, weil der Hase ihr Kraft-Tier ist. Und Kraft braucht die Fünfzehnjährige, denn sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Heimatstadt im Alleingang vor schrecklichen Riesen zu beschützen. Die Riesen kann scheinbar nur sie selbst sehen, und sie verhalten sich nach Regeln, die nur sie kennt. Aber Erwachsene fanden ja schon immer fadenscheinige Erklärungen für alles, was sie spontan nicht verstehen. Und ob die zu bekämpfenden Riesen nun real sind oder nicht, Barbara ist eine faszinierende, fantasievolle Person, also beschließt Sophia (Sydney Wade), das neue Mädchen an der Schule, ab sofort deren beste (weil einzige) Freundin zu werden. Und sie wird feststellen, dass es für Barbara tatsächlich das eine oder andere Monster zu besiegen gibt.

Szenenbild 1

Ein Werk wie „I Kill Giants“ steht und fällt natürlich mit seiner Hauptfigur. Immerhin sind wir Zuschauer fast über die gesamte Laufzeit des Films nah dran an ihr und sehen die Welt quasi nur durch ihre Augen. Welch Glück also, dass Barbara tatsächlich eine tolle Hauptfigur ist, ein vor Ideen nur so sprühendes Wesen, dem man gern in ihre Welt folgt. Auch wenn gleich zu Beginn klar wird, dass die Jagd nach Riesen mehr ist als nur eine Übung in kindlicher Fantasie. Denn obwohl ihr Spiel alle Zutaten für einen wirklich spaßigen, kindlichen Zeitvertreib besitzt, nimmt Barbara es dann doch verdächtig ernst, und sie spielt ihre Rolle darin auch mit einem deutlich mehr als nur kindlichen Hang zur Dramatik. Irgendwas ist da also tatsächlich im Argen, und spätestens mit Auftritt der von Zoe Saldana gespielten Schulpsychologin dürfte klar werden, dass wir es hier eher mit einer Coming-of-Age-Parabel im Stil von „Beasts of the Southern Wild“ oder „Sieben Minuten nach Mitternacht“ zu tun haben als mit einer westlichen Version von „Attack on Titan“.

Szenenbild 2

Was nicht heißt, dass es nicht tatsächlich dem einen oder anderen Riesen an den Kragen gehen wird. Denn ob eingebildet oder nicht, Barbaras Welt ist faszinierend, und sie wird uns Zuschauern großartig stimmungsvoll präsentiert, sei es in Form von originellen Basteleien (allein schon die eingangs erwähnten Hasenohren sind ein wirklich großartiges Accessoire!), atmosphärischen Kameraeinstellungen, oder mindestens akzeptabler CGI. Vor allem aber überzeugen die jungen Hauptdarsteller, allen voran natürlich Madison Wolfe, die ihre Barbara mit einer beeindruckenden Menge an Talent und Energie verkörpert. Aber auch Sydney Wade als Barbaras neue Freundin und Rory Jackson als Gegenspielerin Taylor können löblich überzeugen. Dass der erwachsene Cast an dieser Stelle nicht ganz mithalten kann (während Imogen Poots als überforderte ältere Schwester von Barbara noch eine ganz gute Figur macht, gibt Zoe Saldana leider nur das farblose Abziehbild einer Schulpsychologin), das verzeiht man da schnell.

Szenenbild 3

Trotz der stimmungsvollen Umsetzung und der guten Darsteller hinterlässt „I Kill Giants“ am Ende allerdings einen irgendwie faden Nachgeschmack. Hauptsächlich, weil die Parabel, die sich im Film verbirgt, ein wenig zu simpel (um nicht zu sagen: platt) geraten ist. Und weil es der Geschichte ein wenig an Lebendigkeit und Tiefe fehlt: Über weite Strecken ist die Handlung sehr geradlinig und funktional, ohne Schnörkel oder Details, die nicht zur Handlung beitragen. Ein paar beiläufige Beobachtungen hätten hier helfen können, die ansonsten sehr gelungene Welt glaubwürdiger mit Leben zu füllen.

Apropos „füllen“: Die uns vorliegende Blu-ray war nicht gerade prall gefüllt an Extras, konnte aber immerhin mit zwei jeweils etwa fünfminütigen Featuretten zu Dreharbeiten und Crew aufwarten, die zumindest einen grundsätzlichen Eindruck von der Produktion erlaubten. Und es kamen sogar kurz Autor und Zeichner der gleichnamigen Comicvorlage zu Wort. Löblich!

Fazit:
Hinter „I Kill Giants“ verbirgt sich eine zwar wundervoll atmosphärische Welt, die ansprechend präsentiert und von talentierten Jungdarstellern bevölkert wird, doch leider wird der Gesamteindruck trotzdem ein wenig von der allzu simplen Parabel gedrückt, die sich darin versteckt. Immerhin, für gut unterhaltene 7/10 Punkte genügt das noch locker.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“, „Isle of Dogs“, und „The Death of Stalin“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „A Silent Voice“. Freut sich tierisch auf „Mortal Engines“.Zeige alle Artikel von Martin →