Im Weißen Rössl Hauptplakat

Im weißen Rössl – Wehe, du singst!

Plakat

Laufzeit: 97 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Besetzung: Diana Amft, Fritz Karl, Tobias Licht, Edita Malovcic, Armin Rohde, Gregor Bloéb

Regie: Christian Theede

Ab dem 07. November in den Lichtspielhäusern.

 

Selbstredend ist für die aufstrebende und moderne Karrierefrau Ottilie (Diana Amft) Berlin die einzig denkbare Heimat. Ihr Vater Wilhelm (Armin Rohde) sieht das ganz anders und verordnet sich und seiner Tochter (sowie den nicht ganz rechtens entwendeten kremierten Überresten seiner geliebten wie verstorbenen Gattin) einen kleinen Urlaub tief im gnadenlos pittoresken Salzkammergut. Vor der chronisch sonnenstrahlenden Kulisse des Urlaubsdomizils „Weißes Rössl“ entspinnt sich somit  für die überzeugte Stadtpflanze Ottilie ein Heimatfilm-Alptraum ungeahnten Ausmaßes. Spontane Gesangseinlagen inklusive. Und dann ist da noch dieser furchtbar adrette und schrecklich altmodische Staatsanwalt namens Otto Siedler, der sich mehr als nur offensichtlich für sie zu interessieren scheint. Dabei kann Ottilie doch nicht mal einen einzigen Ton gerade halten! Ob das wohl gut gehen wird?

Szenenbild 1

Optisch weiß die Singspiel-Neuverfilmung tatsächlich fast ohne Einschränkung zu gefallen. Seien es die herrlich kitschigen Heimatfilmanleihen, die großartig altmodisch choreographierten Tanzeinlagen oder die wundervoll bonbonbunte Gestaltung der Ausstattung (mit einer besonderen, unerklärlichen Vorliebe für Lila, die sich vor allem beim Neuanstrich des altbekannten, titelgebenden Gebäudes niederschlägt), das Auge des Zuschauers wird stets gut unterhalten.

Die Ohren haben es da schon schwerer. Denn dem vielversprechenden Untertitel zum Trotz wird natürlich auch in dieser Version nicht wenig gesungen. Und das leider fast immer im Stil dieser wirklich grausam pseudo-peppigen und sich furchtbar beim jungen Publikum anbiedernden Schlager-Scheiße. Was spätestens während der neuen Version von Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist dafür sorgen könnte, dass man sich einen Hörsturz herbeisehnt, um unbeeindruckt weiter die Optik genießen zu können.

Szenenbild 2

Solch ein Ausfall der Akustik hätte außerdem den Vorteil, dass man auch den gewohnt hölzernen wie holprigen Formulierungsversuchen von Seiten Diana Amfts nicht mehr so hilflos ausgeliefert wäre. Die spult hier ihre übliche Rolle der sympathischen, weil leicht tollpatschigen, aber trotzdem auf Teufel komm raus emanzipierten Frau ab, was folgerichtig auch kaum eines Blickes würdig ist. Immerhin, wenigstens die Nebenhandlung um den verliebten Oberkellner Leopold (gegen Ende zunehmend unterhaltsam gespielt von Fritz Karl) und um das natürlich gefährdete „Rössl“ kann da noch ein Mindestmaß an Charme und Spaß retten. Und es sei auch erwähnt, dass ein paar der Gesangseinlagen auch ausgesprochen gelungen sind.

Szenenbild 3
Fazit:
Wer diesen Neo-Schlager-Mist von Gesangseinlagen überleben sollte, könnte der Nachwelt eventuell überliefern, wie hübsch dieses „Rössl“-Remake doch aussah. Und Diana Amft hat man glücklicherweise auch wie immer schon wenige Minuten nach Ende des Abspanns vergessen, sodass zumindest hier keine schweren Folgeschäden zu erwarten sind. Trotzdem ist es natürlich schade, dass man dieser eigentlich netten kleinen Süßigkeit von einem Film zwei solch bittere Noten verpassen musste. 5/10 Punkte gibt es dafür noch, denn immerhin kann man sich notfalls ja die Ohren zuhalten.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →