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Mr. Holmes

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Originaltitel: Mr. Holmes

Laufzeit: 104 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Besetzung: Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker, Hiroyuki Sanada, Hattie Morahan

Regie: Bill Condon

Lief am 20.11. in der Sneak der Passage Kinos.

Im Verleih von Alamode.

Ab dem 24. Dezember in den Lichtspielhäusern.

 

Zwar mag er alt sein (ganze 93 Lenze zählt er!), gar die ersten Anzeichen einer fiesen Demenz zeigen und seit Jahrzehnten im Ruhestand im ländlichen Sussex darben, doch das hindert einen Sherlock Holmes (Ian McKellen) ja wohl nicht, noch ein paar Fälle zu lösen! So beschäftigen ihn gegenwärtig sowohl der Fall des rätselhaften Sterbens seiner heißgeliebten Bienen als auch, in weitaus geringerem Ausmaß allerdings, das Mysterium um den Vater seines japanischen Bekannten Tamaki Umezaki (Hiroyuki Sanada). Vor allem aber beschäftigt den berühmtesten beratenden Dektektiv aller Zeiten sein letzter offizieller Fall: Was an dem Rätsel um Ann Kelmont (Hattie Morahan) brachte ihn vor über dreißig Jahren nur dazu, seine Berufung aufzugeben und ins  selbstgewählte Exil zu flüchten? Erinnern kann er sich nicht mehr, denn wie gesagt, Demenz ist was fieses, selbst beim vielleicht genialsten Hirn seiner Zeit. Und so stellt sich der Meisterkriminalist nun seinem vielleicht größtem Gegner – dem eigenen Verfall. Und das auch noch ohne seinen treuen Watson, denn den hat er längst überlebt, aber glücklicherweise kann er auf die Unterstützung seiner etwas spröden Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney) und – weitaus wichtiger noch – auf die ungeteilte Aufmerksamkeit ihres gewitzten Sohnes Roger (Milo Parker) zählen.

Szenenbild 1

Stellen wir es lieber gleich zu Beginn fest: Der wichtigste und ehrlich gesagt fast auch einzige Grund, sich diesen Film unbedingt und wenn möglich im Kino anzusehen, ist seine grandiose Besetzung. Und zwar die gesamte, denn das vergisst man ganz gern, da Ian McKellen – wie es sich für die Hauptrolle in einer Holmes-Adaption auch gehört! – alle Mitspielenden deutlich überstrahlt. Besonders schlimm respektive großartig ist das in den Rückblenden zu Holmes‘ letztem Fall. Hier brilliert McKellen schlichtweg als gealterter, aber immer noch allen überlegener Sherlock: Diese ständige, wunderbare Süffisanz eines Menschen, den man einfach nicht überraschen kann, dieses stets wache, immer intelligente Blitzen in seinen Augen, die niemals endende Beobachtung aller Details  – das ist der Holmes, den man kennt und liebt! Umso eindringlicher spielt er dann auch die 90jährige Version dieses Charakters, dessen einstmals unerreichtes Hirn ihn nun zunehmend im Stich lässt – mit all der Tragik, die eine so hohe Falltiefe mit sich bringt, aber ohne ihn dabei als jemanden zu zeichnen, der aufgegeben hat. Nein, dieser Holmes ist immer noch ganz der Methodiker, der das fortschreitende Alter als einen zu lösenden Fall betrachtet, dem mit den Mitteln der Wissenschaft beizukommen sein muss – und sei es, indem man ins verstrahlte Hiroshima reist, um dort ein seltenes Kraut zu ernten, das vielleicht den Abbau des Gedächtnisses verlangsamen kann. Hier zeigt auch die Handlung, die auf dem Pastiche „A Slight Trick oft he Mind“ von Mitch Cullin basiert, ihre große Stärke.

Szenenbild 2

An anderer Stelle allerdings schwächelt die Geschichte deutlich. So atmet die Rückblicks-Handlung um Holmes‘ letzten Fall zwar wunderbar den Geist von Conan Doyles Vorlage, der Fehler, den der geniale Detektiv am Ende begeht, ist allerdings ein wenig zu billig, zu plakativ, um eine wirklich befriedigende Erklärung für das Aufgeben seiner Profession zu liefern. Hier merkt man deutlich, dass der Plot halt irgendeinen zentralen Grund brauchte, den der Autor nur bedingt liefern konnte. Die beiden Rätsel des alten Holmes sind dann wieder ganz gut (in Hinsicht auf den Fall des Bienensterbens) bis sehr schön (hinsichtlich des Vaterrätsels) gelöst, aber der Nachgeschmack von Krimi-Massenware haftet auch Ihnen an. Nein, jenseits einer kongenialen Charakterstudie über einen der bekanntesten Detektive, die die Fiktion jemals hervorbrachte, liefert „Mr. Holmes“ leider nur wenig Nennenswertes.

Hinzu kommt dann zu allem Überdruss auch noch eine unverdient altbackene Inszenierung. Zwar wirken gerade die Szenen im ländlichen Nachkriegs-England sehr stimmungsvoll und auch das Japan jener Zeit wurde toll nachgebaut – doch all dies kann nicht verschleiern, dass der ganze Film eher eine Fernsehoptik bedient als nach der großen Leinwand zu schreien. Schade!

Szenenbild 3

Fazit:
Auf den ersten Blick ist „Mr. Holmes“ nur ein relativ gut geschriebener und ganz akzeptabel inszenierter Holmes-Film, doch jenseits von kaum inspirierten Krimiplots und Fernsehcharme-Kameraführung offenbart sich dem Zuschauer ein unwiderstehlich gut gespielter Kommentar auf den Umgang mit den Tücken des Alters. Alles in allem ergibt das damit zwar nur eine 7/10-Punkte-Wertung, aber trotzdem, und eine Wiederholung riskierend: Ian McKellen spielt Holmes. Das muss man gesehen haben!

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – Jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Double“, „Mr. Holmes“ und „Die Wolken von Sils Maria“ - außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“. Blickt vorfreudigst auf den Starttermin von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“.Zeige alle Artikel von Martin →

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