Only God Forgives

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Originaltitel: Only God Forgives

Laufzeit: 86 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Hauptdarsteller: Ryan Gosling, Vithaya Pansringarm, Kristin Scott Thomas

Regie: Nicolas Winding Refn

Seit dem 2. August 2013 in den deutschen Kinos. Ab dem 18. November auch als DVD und Blue-Ray erhältlich.

 

Julian Thompsons (Ryan Gosling) betreibt einen zwielichtigen Box-Klub im Herzen Bangkoks. Als sein Bruder Billy (Tom Burke) eines Nachts eine minderjährige Prostituierte ermordet, erscheint Polizist Chang auf der Bildfläche und lässt den Vater der Prostituierten Billy umbringen. Um seine Leiche zu identifizieren, reist Julians und Billys kaltherzige Mutter Crystal nach Thailand. Sie beauftragt ihren Julian, Billys Tod zu rächen. Was folgt, ist ein brutaler Rachefeldzug, der vor nichts und niemandem haltmacht.

Szenenbild 1

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn inszeniert in „Only God Forgives“ ein beeindruckendes Farbenspiel, bei dem er geschickt mit den dominierenden Farben Rot und Blau spielt. Dunkle, in Blutrot getauchte Hinterzimmer kontrastieren mit eiskaltem Nachtblau fragwürdiger Karaoke-Bars. Dazwischen mischen sich schimmernde Goldtöne von schicken Luxushotelzimmern und fahles Krankenhausgrün von Mitternachtsimbissen, die das gleißende Tageslicht gegenüber der kriminellen Nachtwelt unangenehm irreal wirken lassen.

Zudem verdeutlicht Regisseur Winding Refn die schier göttliche Übermacht von Polizist Chang mit einem raffinierten Lichtspiel: Diesen zeigt er oft zusammen mit seinem Schatten. So scheint Chang doppelt anwesend und damit auch fast unbesiegbar zu sein. Dabei kracht „Only God Forgives“ mit einer Brutalität, die die eines Quentin Tarantinos bei Weitem übersteigt, von der Kinoleinwand in den Zuschauerraum. Aufgeschlitzte Bäuche mit herausplatzenden Gedärmen, zerschnittene Auglider und liebevoll inszenierte Hinrichtungszeremonien sind nur einige wenige der überaus expliziten Szenen, die einmal mehr an einer Freigabe von 16 Jahren zweifeln lassen.

Szenenbild 2

Die Handlung ist überwiegend fragmentarisch und alles andere als eingängig. Ein Wechsel aus nicht auszumachenden Traumsequenzen und Zeitsprüngen führt das Publikum in den verwinkelten Gängen der Nachtbar komplett in die Irre. Die Hauptschuld liegt aber vor allem beim grobschlächtigen Schnitt. Der klatscht das Publikum von einer Szene zur nächsten, oft durch grobe Missachtung einfacher szenischer Abläufe, die verwirrenden Mini-Zeitsprüngen gleichkommen.

Zusätzlich versperren sich die Figuren einem einfachen Zugang. Zwar versucht Ryan Gosling alles, der Hauptrolle Julian etwas Tiefe zu verleihen, doch durch die schwache Figurenkonzeption bleibt sie nur ein blasser Schönling, dessen Beweggründe wenig nachvollziehbar sind. Chang-Darsteller Vithaya Pansringarm hält sich ganz wacker: Hat es doch kaum etwas anderes zu tun als finster dreinzuschauen. Kristin Scott Thomas hingegen überzeugt durchaus mit ihrer neurotischen Darstellung der Mutterfigur mit fragwürdiger psychischer Gesundheit.

Szenenbild 3

Ein großer – um nicht zu sagen der größte – Schwachpunkt des Filmes, ist seine Langwierigkeit. Mit 86 Minuten ein doch recht kurzer Spielfilm, der dennoch unerwartet langatmig wirkt. Das liegt vor allem an der zähen Handlung, bei der sich eine Hinrichtungsszene an die andere reiht. Zudem verspielt der Regisseur die Wirkung der zahlreichen zentralen Kameraperspektiven, die bei sparsamem Einsatz durchaus sehr kraftvoll daherkommen könnten – aber nach der zwanzigsten herrscht große Langeweile.

Fazit:

Winding Refns Nachfolger des hochgelobten Thrillers „Drive“ ist ein bildgewaltiges und brutales Meisterwerk, das sich leider zu sehr in filmischen Raffinessen verliert und dadurch dermaßen zäh ist, dass man sich – trotz knapper Spielfilmlänge – von einer Zentralperspektive zur nächsten quält. Ein Muss für ausdauernde Filmkunst Liebhabende – für ein durchschnittliches Unterhaltungspublikum eher ungenießbar: 6/10 Punkten.

 

 

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Über den Author:

Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →

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