Snow White And The Huntsman Hauptplakat

Snow White & the Huntsman

Plakat

Originaltitel: Snow White and the Huntsman

Laufzeit: 127 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Kristen Stewart, Charlize Theron, Chris Hemsworth

Regie: Rupert Sanders

Seit dem 31. März in den Lichtspielhäusern.

 

Es wird niemanden überraschen: Auch hier stand das Grimmsche Märchen vom Schneewitchen Pate. Besagte Dame behält hier ihren englischen Namen Snow White (der übrigens auch das Schneeweißchen aus “Schneeweißchen und Rosenrot” bezeichnet) und wird gespielt von Kristen Stewart. Auch Snow Whites Vater (Noah Huntley) wird Witwer und anschließend Opfer der verhext fein anzuschauenden Ravenna (Charlize Theron). Die reißt alsbald das ganze Königreich an sich und hat seitdem nur noch ein Problem: Snow White, deren ultrareines Blut ihr sowohl ewiges Leben garantieren als auch einen sehr raschen Tod bringen kann. Warum genau, ist nicht wirklich klar, und auch warum Snow dafür bis zum wahlberechtigten Alter im Kerker gelagert werden muss, bleibt unbeantwortet. Ist aber auch egal, denn schließlich kann die kleine Rebellin aufgrund von hemmungslosem Stellenabbau beim Wachpersonal ganz einfach fliehen und im natürlich verwunschenen Wald vorerst zu zweifelhafter Ruhe kommen. Da keiner diesen fürchterlichen Forst keiner freiwillig betritt, heuert die böse Königin kurzerhand einen tapferen Trunkenbold und ehemaligen Förster an, der sich als titelgebender Jägersmann auf die Fersen der rotlippigen, bleichhäutigen und schwarzhaarigen Schönheit macht. Dass da noch einiges mehr geht als nur Jäger und Gejagte, dürfte wohl jedem außer vielleicht der Königin klar sein. Achja, außerdem gibt es noch einen Prinzen (Sam Caflin), der einst Snows allerbester bester Freund war, doch während des Ravenna-Coups aus dem Königreich flüchten musste, und der zu Recht nur im letzten Satz dieser Inhaltsangabe Erwähnung findet.

Szenenbild 1

Zu Beginn möchte der Autor dieser Zeilen die Gelegenheit nutzen, sich kurz über die Lokalisierung dieses Filmchens zu echauffieren. Denn erstens hätte nichts dagegen gesprochen, den Titel einfach mit “Schneewittchen und der Jäger” zu übersetzen, sodass der deutsche Zuschauer ein besseres Gefühl für die Langeweile haben dürfte, die dem englischsprachigem Kinogänger ob dieses Titels überfallen könnte. Zweitens, und weitaus mehr von Bedeutung, man hätte auf keinen Fall die englischen Bezeichnungen “Snow White” und “Huntsman” auch für die entsprechenden Rollen in die Synchronisation übernehmen dürfen. Das ist unsinnig, klingt schlicht und ergreifend dämlich und wirkt überhaupt nicht mehr zeitgemäß. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Fehltritt einer sehr großen Sektlaune von Seiten des deutschen Verleihs entstammt und keine Schule macht. Ansonsten stehen uns finstere Zeiten bevor.

Szenenbild 2

“Finster” ist eine tolle Überleitung zurück zum eigentlichen Film. Allerdings wäre “angesagt” wohl noch besser. Immerhin ist die Stimmung so schön düster wie in den hundert anderen Fantasyfilmen, die sich in den letzten Jahren gut verkauft haben, komplett mit tatsächlich hübsch verödet gestalteten Landstrichen, von denen man aber schon nach zehn Minuten genug gesehen und den Punkt verstanden hat. Abwechslung bietet da nur der weitaus fantasievoller gestaltete Feenwald im letzten Drittel des Filmes, der aber irgendwie sehr verdächtig an “Prinzessin Mononoke”, jenem genialen Anime aus dem Hause Ghibli erinnert, gerade mit diesem prächtigen Hirsch als Personifizierung des Waldes. Aber gut, immerhin klaut man hier bei den ganz Großen, und wirklich beeindruckende Bilder sind ansonsten ziemlich rar in diesem Filmchen.

Genauso rar übrigens wie gute schauspielerische Leistungen, denn auch die Darsteller sind hier eher angesagt als begabt. Am schlimmsten trifft dies auf Chris Hemsworth zu, der wie schon in “Thor” zu nichts anderem zu gebrauchen ist als zum Rumstehen und Kernig-Kräftig-Aussehen. Weshalb sich sein großer Monolog vor dem Kuss mit dem mittlerweile märchenkonform am Apfel erstickten Schneewittchen auch anhört wie schlimmstes Schultheater. Doch auch Kristen Stewart scheint hauptsächlich durch ihren aktuellen Ruhm und vielleicht noch durch ihre schon vorab vorhandene Blässe in diesen Film gekommen zu sein, denn durch Leistung konnte sie kaum überzeugen. Genauso leider auch Charlize Theron, deren Rolle nicht nur furchtbar langweilig geschrieben, sondern auch schrecklich hölzern dargestellt wurde. Einzig die Szenen, in denen sie auf alt und häßlich geschminkt wurde, sind ein bisschen hübsch, doch gerade bei Miss Theron ist da doch noch viel Platz nach oben, wie sie erst Anfang dieses Jahres in “Young Adult” eindrucksvoll bewies. Und da klappte es bei ihr auch mit dem Schauspiel. Was man also alles noch reißen kann, wenn ein guter Regisseur hinter dem Projekt steht…

Was bleibt, ist ein ordentlich produzierter, schmuck ausgestatteter und hübsch fotografierter, aber furchtbar konventionell und spannungsfrei erzählter Film voll der üblichen, klischeeträchtigen Figuren. Wären die Effekte nicht so sichtbar teuer, man hätte den Film auch mit einer Direct-to-Video-Veröffentlichung verwechseln können.

Szenenbild 3

Fazit:

“Snow White and the Huntsman” ist fürchterlich durchschnittlich und plätschert so unauffällig am Zuschauer vorbei, dass dieser von Glück reden kann, wenn er danach noch ein paar der hübscheren Szenen behalten hat. Andererseits ist es auch nicht so tragisch, wenn man sie dann doch vergessen haben sollte. 5/10 Punkte.

P.S.:  Und somit dürfte auch klar sein, welcher Film in den Augen des Autors dieser Zeilen der klare und verdiente Sieger dieses kleinen Wettbewerbs ist, weshalb an dieser Stelle auch nicht mehr viel Zeit vergeudet werden soll, sondern nur kurz ein Glückwunsch an “Spieglein Spieglein” gesendet wird: Viel Spaß mit dem Titel Beste Schneewittchenverfilmung des Jahres, du süßes kleines Stück Popcornkino!

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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