7 Psychos Teaserplakat

7 Psychos (Sneak vom 19.11.2012 im Cinestar sowie vom 23.11.2012 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: 7 Psychopaths

Laufzeit: 110 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Darsteller: Colin Farrell, Sam Rockwell, Christopher Walken, Woody Harrelson, Abbie Cornish, Tom Waits, Olga Kurylenko

Regie: Martin McDonagh

Ab dem 06. Dezember in den Lichtspielhäusern.

 

 

 

„7 Psychopaths“. Den Titel für sein Drehbuch hat Marty Flanaran (Colin Farrell) schon. Eine Geschichte über Psychopathen soll es sein, doch nicht der übliche Thriller-Kram mit messerschwingenden Grenzdebilen, nein, Marty will eher Geschichten über Liebe erzählen. Oder so. Aber das ist alles noch sehr, sehr vage. Weitaus konkreter sind da die Probleme seines besten Freundes, des Schauspielers Billy Bickle (Sam Rockwell), der sich  gemeinsam mit seinem Kumpan Hans (Cristopher Walken) mittels Hundeentführungen ein paar dringend gebrauchte Dollar dazuverdient. Bis die beiden den falschen Hund entführen – nämlich Shih-Tzu-Dame Bonnie. Die gehört Mafiaboss Charlie Costello (Woody Harrelson), und der versteht da überhaupt keinen Spaß. Und so ist unser armer Schreiberling plötzlich richtig in der Bredouille. Und irgendwie auch mitten in dem Film, den er eigentlich erst noch schreiben muss.

Szenenbild 1

Ein Film im Film. Das mag zwar keine übermäßig neue Idee sein, doch gottseidank ergeht sich “7 Psychos” nicht in postmoderner Selbstverliebtheit (ein großes böses Loch, in das dieses Jahr schon der furchtbar arrogante „The Cabin in the Woods“ fiel), sondern nutzt die sich aus der Idee ergebende Metaebene angenehm selbstverständlich und mit sogar etlichen netten Seitenhieben auf z.B. die Dialoglast französischer Produktionen. Und das reicht dann auch wieder, denn wer unbedingt mehr über das hin und her eines Filmschaffenden erfahren möchte, kann sich ja „Nine“ genehmigen (oder auch gleich dessen Vorlage „8½”). Viel wichtiger im vorliegenden Film sind die titelgebenden Psychopathen, vor allem die vier, deren Geschichte keine Bedeutung für die Rahmenhandlung um unseren gebeutelten Drehbuchautoren haben, sondern die als kleine Episoden in den Film eingestreut wurden: Zuerst die herrlich stimmungsvoll-düstere Geschichte um den Quäker-Psycho (wunderbar charismatisch dargestellt von Harry Dean Stanton), die so auch aus der Feder eines Edgar Allan Poe hätte stammen können, dann die hübsch parodistische Story des Serienkiller-Killer-Pärchens, erzählt von einem gewohnt großartigen Tom Waits, und zum krönenden Abschluss die Mär vom Vietkong-Psycho, die stimmungsvoll und leicht trashig beginnen mag, aber überraschenderweise in einem nahezu poetischen Moment echter Schönheit abschließt. Ein bisschen unpraktisch ist es allerdings, wenn man eine Variante erwischt, in der das Vietnamesisch, das in dieser Episode gesprochen wird, nicht untertitelt wurde (wie geschehen in der Sneak im Cineplex). Da entgeht einem doch ein bisschen was, gerade am Ende.

Szenenbild 2

Während die eingestreuten Geschichten also durch Inhalt überzeugen können, schafft es die Haupt- und Rahmenhandlung, die in diesem Punkt doch etwas schwächelt, hauptsächlich durch ihre großartigen Hauptdarsteller, den Zuschauer begeistert zu halten. Vor allem Sam Rockwell ist dabei in praktisch jeder Szene hinreißend gut aufgelegt und zum Kugeln komisch. Weitaus ernsthafter, aber mit genausoviel Klasse, konnte Christopher Walken seine Rolle verkörpern. Und eigentlich wiegen auch allein schon die Leistungen der genannten beiden Mimen komplett Eintrittspreis und Zeitinvestition auf. Dass sie den Film nicht alleine tragen müssen, dafür sorgen ein wie üblich angenehm durchgeknallter Woody Harrelson und ein Colin Farrell, der seine vielleicht beste Leistung seit „London Boulevard“ abliefert. Einzig auf Seiten des schönen Geschlechts findet sich wenig Erwähnenswertes, wenn man von Linda Bright Clay als Hansens Ehefrau Myra einmal absieht. Aber immerhin ist dies ein Manko, dessen sich die Filmemacher durchaus bewusst sind und das – Metaebene sei Dank – auch zeigen.

Hinsichtlich der Atmosphäre kann der Film auch punkten, obwohl das neblig-märchenhafte Flair von Brügge nun der fast schon altbekannten sonnigen Heiterkeit L.A.s weichen musste. Denn immerhin begeben wir uns ca. im letzten Drittel des Films doch in die weitaus pittoreskeren Gefilde der kalifornischen Wüste. Dazu ein so abwechslungsreicher wie passender Soundtrack und ein schön unaufgeregtes Erzähltempo. Das macht dann doch ausreichend Laune.

Szenenbild 3

Fazit:
Einerseits zum Schreien komisch, andererseits zum Heulen schön – unberührt sollte „7 Psychos“ niemanden lassen. Dafür gibt es begeisterte 8/10 Punkte und eine fast uneingeschränkte Empfehlung (denn man sollte nicht zu zart besaitet sein – gerade bei den Serienkiller-Killern wird es schon etwas heftiger).

 

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „A Silent Voice“, „Die Erfindung der Wahrheit“ und „Harmony“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hätte nicht gedacht, dass er sich nochmal auf einen "Thor"-Film freuen würde. Teil drei aber sieht einfach zu spaßig aus!Zeige alle Artikel von Martin →