Don Jon Hauptplakat

Don Jon (Sneak vom 21.10.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Don Jon’s Addiction

Laufzeit: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Besetzung: Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore, Tony Danza

Regie: Joseph Gordon-Levitt

Ab dem 14. November in den Lichtspielhäusern.

 

Eigentlich kann Jon Martello (Joseph Gordon-Levitt) nicht klagen. Alles, was dem Barkeeper wichtig ist, läuft wunderbar. Selbst ein Klasseweib von Freundin hat der Frauenschwarm seit Kurzem. Doch sein Glück mit Barbara (Scarlett Johansson), so heißt besagte Dame, droht zu zerbrechen, denn irgendwie reicht Jon der normale Sex nicht aus. Richtig glücklich wird er erst nach dem Konsum einschlägiger Filmchen aus den heißen Gefilden der Internet-Pornografie. Was Barbara, die nichts außer Liebesschnulzen sehen möchte, überhaupt nicht nachvollziehen kann. Was soll unser Held da nur tun? Ist er wirklich süchtig nach den Schmuddelkurzfilmchen? Und kann ihm da niemand helfen? Wie wäre es mit Esther (Julianne Moore), die er vor Kurzem erst in dem Abendschulkurs kennenlernte, zu dem ihn Barb verdonnerte? Vielleicht kann die ihm ja in ihrer Funktion als für alles offene Althippie-Dame ein wenig Verständnis entgegenbringen.

Szenenbild 1

Man muss Gordon-Levitt lassen, dass er in seinem Langfilmdebut als Autor und Regisseur einen Film gemacht hat, der tatsächlich an vielen Stellen ungewohnt daherkommt. Obwohl „gewöhnungsbedürftig“ trifft es vielleicht besser, denn das hyperaktive Stakkato, in dem er teilweise von Szene zu Szene springt, sollte besser keine Schule machen. Es wirkt nämlich fast so, als hätte er am Ende gar keine Lust mehr auf die selbst verfasste Geschichte gehabt. Alternativ könnte man auch vermuten, er wollte mit seinem Film die Menschen ansprechen, die eigentlich gar keinen Bock auf Kinofilme haben, und möglichst rasch durch einen Film „zappen“ wollen. Kino für Ungeduldige also. Immerhin, mal eine neue Verkaufsidee.

Als Autor macht er da schon ein wenig mehr her und präsentiert eine Geschichte über zwei Menschen, die beide von Filmen dazu gebracht wurden, an einem komplett irrealen und unsinnigen Liebesideal festzuhalten. Dieser fast schon subtile Vergleich von Liebesfilmschmonzetten und Pornofilmchen ist dabei löblicherweise ein tatsächlich noch reichlich frischer Gedanke. Abgeschmeckt wird diese Grundidee mit vielen mal mehr, mal weniger hübschen Einfällen, die Alles in Allem eine schöne Geschichte hätten ergeben können, hätte man sich nur etwas mehr Zeit gelassen, um sie auch zu erzählen.

Szenenbild 2

Passend subtil gibt sich auch Scarlett Johansson als letztlich grausam-oberflächliche, kühle Schönheit bar jeglicher Persönlichkeit. Da kann ihr Gegenüber Gordon-Levitt leider nicht immer mithalten, denn er sah sich gezwungen, seinem Charakter immer einen Rest Sympathie lassen zu müssen. Warum eigentlich? Harmoniesucht? Die würde immerhin auch erklären, warum das Ende des Films unbedingt so viel Zuckerguss abbekommen musste, und damit letztlich auch nur in dieselbe Kerbe schlug wie die nervigen Mainstream-Romanzen, über die im ersten Drittel noch so rigoros abgeurteilt wurde. Etwas mehr Kreativität und Mut wären hier schon wünschenswert gewesen. Denn das vorliegende Ende hat so doch einen sehr unfeinen Nachgeschmack von Moralkeulen und Prüderie.

Ein Lob am Rande sei noch an Julianne Moore gerichtet. Denn die spielt auch hier wieder gewohnt klasse und sichert sich so viele der unterhaltsamsten Momente des Films, auch wenn ihr Charakter ansonsten etwas zu offensichtlich als die eine weise Figur im Film angelegt wurde. Oh, außerdem gibt es hier ein Lebenszeichen von Tony Danza (ja, der aus „Wer ist hier der Boss?“), falls es da draußen noch Menschen geben sollte, denen das etwas bedeutet.

Szenenbild 3
Fazit:
Eine Offenbarung ist „Don Jon“ nicht geworden und seine ungeduldige Inszenierung könnte etwas an den Nerven des Zuschauers zerren, aber immerhin gelingt es Joseph Gordon-Levitt hier, einen tatsächlich noch relativ neuen und interessanten Punkt zu machen. Was ihm zumindest als Drehbuchautor ein neues Standbein sichern könnte. Zumindest wenn er sich künftig traut, sein Ende etwas weniger auf versöhnlich bürsten zu müssen. Und falls das nichts werden sollte, kann er sich ja auch einfach einen Exklusivvertrag mit der Pornowebsite sichern, für die er in „Don Jon“ ausgiebigst Werbung gemacht hat. Oder wenigstens mit Swiffer, denn auch die bekamen eine mehr als prominente Nennung. 6/10 Punkte.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „A Silent Voice“, „Die Erfindung der Wahrheit“ und „Harmony“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hätte nicht gedacht, dass er sich nochmal auf einen "Thor"-Film freuen würde. Teil drei aber sieht einfach zu spaßig aus!Zeige alle Artikel von Martin →