Flight Hauptplakat

Flight (Sneak vom 14.01.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Flight

Laufzeit: 138 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Denzel Washington, Kelly Reilly, John Goodman, Bruce Greenwood, Don Cheadle

Regie: Robert Zemeckis

Ab dem 24. Januar 2013 in den Lichtspielhäusern.

 

Eigentlich stellt Whip Whitaker (Denzel Washington) den perfekten Helden dar: Ein Pilot, der 98 Seelen durch ein quasi unmögliches Manöver retten konnte, als seine furchtbar mies gewartete Maschine abstürzte. Blöd nur, dass Whip überhaupt nicht das Potential zum Helden hat, denn er ist das, was man im Allgemeinen als „funktionierenden Alkoholiker“ bezeichnet. Soll heißen: Dank Kokain macht er sich nach durchsoffener Nacht wieder flugtauglich. Dass die mit dem Absturz betraute Untersuchungskommission das nicht unbedingt begeistert aufnimmt, dürfte klar sein, und so beginnt ein nervenzehrender Prozess, der Whip zu einem zwanghaft erhellenden Blick in die eigenen Abgründe zwingt.

Szenenbild 1

Handwerklich, soviel sei ihm zugestanden, muss Robert Zemeckis wohl niemandem mehr etwas beweisen. Sein „Flight“ ist wundervoll ruhig fotografiert und lobenswert stimmungsvoll inszeniert. Dazu kommt eine sehr sparsame Untermalung mit herrlich handverlesenem Liedgut, wobei die entsprechenden Songs nur dann erklingen, wenn einer der Charaktere auch wirklich z.B. ein Radio einschaltet. Ansonsten herrscht Stille. Schöne Idee.

Schön ist auch die ruhige Erzählweise. Auch wenn sie ab und an deutlich in die Gefahr gerät, ins Uninteressante zu kippen, denn letztlich passiert in „Flight“ nach einem wahrlich spektakulärem Einstieg über weite Strecken kaum irgend etwas. Whip Whitaker bleibt lange schlicht ein unverbesserlicher Sturkopf, der seinen Alkoholismus nicht als Problem betrachten möchte. Ergo ist er mal abstinent, dann mal wieder nicht, und das in vorhersehbarer Regelmäßigkeit. Das wirkt zwar durchaus glaubhaft und ist von Herrn Washington auch ordentlich dargestellt, aber irgendwie wird es doch etwas eintönig mit der Zeit. Schön also, dass dem Zuschauer als kleiner Zeitvertreib nebenbei die Geschichte von Whips Krankenhausbekanntschaft/Bettgenossin Nicole erzählt wird, die von einer unglaublich schnuckelig aufspielenden Kelly Reilly verkörpert wird und unserem Helden quasi als Vorbild einer einsichtigen Drogenabhängigen zur Seite steht. Wem das nicht so zusagt, der darf sich immerhin in gleich zwei wundervoll auszelebrierten Szenen von einem schlichtweg genial gut aufgelegten John Goodman unterhalten lassen. Der spielt nämlich Whips Haus-und-Hof-Dealer. Und zwar so, dass kein Auge trocken bleiben sollte.

Szenenbild 2

Und wenn es nach dem Autor dieser Zeilen geht, sollte man nach Goodmans zweitem Auftritt auch schleunigst den Kinosaal verlassen, denn alles, was danach folgt, dient eigentlich nur noch der Zerstörung eines bis dahin richtig gelungenen Films. Denn leider, leider holt der Schmierfink, der hier für das Drehbuch verantwortlich war, dann die ganz große Pathos-Keule hervor und versalzt das ganze Machwerk mit einem Wust an unnötigen dramaturgischen Wendungen und fragwürdigen Handlungen von Seiten aller Beteiligter. Um dann, wenn man schon dachte, die ödeste aller Wendungen überstanden zu haben, zu allem Überdruss dem Ganzen auch noch endgültig die Krone aufzusetzen und diesen merkwürdig-überhöhten Freiheitsbegriff zu zelebrieren, der den Autor dieser Zeilen schon seit „Braveheart“ ankotzt.

Verzeih diese kleine Ausfälligkeit, werter Leser.

Szenenbild 3

Fazit:
„Flight“ ist ein wirklich toll gemachter Film mit einem leider komplett dämlichen Ende. Doch all dem bitteren Nachgeschmack zum Trotz ist er einfach zu gut gemacht, um ihn als reine Durchschnittsware anzusehen. Was ihn letztlich auf noch wohlwollende 7/10 Punkte rettet.

 

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Flight (Sneak vom 14.01.2013 im Cinestar), 7.5 out of 10 based on 2 ratings

Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

  1. MaikMaik22.01.2013

    Ich kann mich dem “Autor dieser Zeilen” nur anschließen und sagen, dass das Ende wirklich ein wenig doof war und bis kurz nach dem zweiten Erscheinen von Mr. Goodman alles den Bach runtergeht… Aber ehrlich währt am Längsten und so. ;)

    Ansonsten Spitzenfilm mit ein paar Längen.
    7/10

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