Gambit Hauptplakat

Gambit – Der Masterplan (Sneak vom 07.06.2013 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: Gambit

Laufzeit: 100 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Darsteller: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Tom Courtenay, Stanley Tucci

Regie: Michael Hoffman

Ab dem 20. Juni in den Lichtspielhäusern.

 

 

Zu Beginn ein wenig Bildung, immerhin ist dies ein feierlicher Anlass: Ein Gambit ist ein Eröffnungszug im Schachspiel, bei dem eine weniger bedeutende Spielfigur als Opfer angeboten wird, um den Ausspielenden einen Vorsprung zu gewähren.

Ein solches Bauernopfer ist auch das texanische Hobby-Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz). Die soll nämlich dem britischen Kunstkurator Harry Deane (Colin Firth) und seinem Companion, dem Meisterfälscher Major Wingate (Tom Courtenay), bei einem kleinen Schwindel helfen. Opfer ist der megalomane Medienmogul Lionel Shahbandar (Alan Rickman). Der ist nicht nur millionenschwer, sondern auch ein passionierter Monet-Liebhaber und, wie es der Zufall so will, auch der aktuelle Brötchengeber von Harry Deane. Weshalb Deane ihm nun einen gefälschten Monet andrehen will. Mit PJ als schmucken Lockvogel. Und tatsächlich – Miss Puznowski willigt ein. Leider, leider geht der Plan nicht einmal halb so gut auf, wie sich Harry das erhofft hatte. Sehr zum Leidwesen seiner Barschaft.

Szenenbild 1

Auf den ersten Blick wirkt „Gambit“ ja reichlich britisch, mit zwei der vielleicht bekanntesten Herren von der Insel im Hauptcast und London als Handlungsort. Doch der Schein trügt, wir haben es hier mit einer rein amerikanischen Komödie zu tun. Immerhin allerdings aus der Feder der Coen-Brüder, die hierfür eine Krimikomödie aus den ’60ern neu aufwärmten (Gut erkennbar übrigens am herrlich altmodischen Zeichentrick-Vorspann, den sie ihrem Film gegönnt haben). Wen es interessiert: Die Vorlage heißt im Original ebenfalls „Gambit“, kam hierzulande unter der wie damals üblich sehr exakten Übersetzung „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ in die Kinos und hatte mit Michael Caine und Shirley MacLaine auch einiges an Stars zu bieten.

Wo die Neufassung natürlich problemlos mithalten kann. Gerade Alan Rickman ist zum Schießen gut aufgelegt und gibt einen wundervoll diktatorisch-selbstverliebten Kotzbrocken von einem Konzernchef. Dazu Colin Firth als Archetyp des reservierten Briten und Cameron Diaz, die als geradezu ikonisches All-American Girl eine zwar nicht untypische, aber für ihre Verhältnisse ja fast schon lobenswert gute Leistung abgibt (auch wenn sie weiterhin hochgradig Geschmackssache bleibt). All dies verpackt in einer locker-flockigen Story mit kleinen Anklängen an das Heist-Film-Genre und natürlich einer Menge absurd-witziger Situationen. Herrlich ist dabei vor allem Harry Deanes großartig abgebrühter Undercover-Einsatz im Hotelzimmer einer alten Dame. Doch, doch, man wird hier sehr gut unterhalten.

Szenenbild 2

Aber so ganz will der Funke dann doch nicht überspringen. Dafür sind viele der Gags einfach schon zu abgenutzt und die Inszenierung insgesamt zu alltäglich: Kaum etwas an diesem Film würde wirklich eine Leinwand brauchen, man kann sich das alles auch wunderbar auf einem Fernsehbildschirm vorstellen. Gut, vielleicht mit Ausnahme der Einrichtung von Shahbandars Bürogebäude und den zwei eher heimlichen Stars des Films: Die beiden Monet-Bilder entfalten in voller Größe tatsächlich eine fast schon magische Stimmung. Wer also ein Herz für impressionistische Malerei hat, hätte hier eventuell einen zusätzlichen Anreiz.

Und vielleicht sollte man sich dann auch lieber, sofern sich die Gelegenheit bietet, in eine Variante mit englischer Originaltonspur setzen, denn das überbreite Texanisch, das Frau Diaz dort zum Besten gibt, ist natürlich nicht ins Deutsche übertragbar. Genau wie übrigens der von Stanley Tucci verkörperte Charakter des Martin Zaidenweber, der im Original einen ordentlich herben Hang zum Deutschen hat. Obwohl das auch leicht ins unerträglich Altbekannte hinüberstolpern könnte.

Szenenbild 3
Fazit:
Gute Unterhaltung liefert „Gambit“ allemal und ragt damit angenehm hoch hervor aus der grauen Masse der durchschnittlichen Komödien, doch bei diesen Darstellern und dieser Story wäre auch noch einiges an Platz nach oben gewesen. Trotzdem hat man natürlich seinen Spaß mit den Umtrieben von Harry Deane und dem Major, weshalb sich die beiden auch wohlwollende 7/10 Punkte verdient haben.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Manifesto“, „A Silent Voice“ und „Die Erfindung der Wahrheit“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „La Grande Bellezza“. Ist vorfreudetechnisch mit 2017 durch, freut sich dafür aber umso inniger, zu Beginn des neuen Jahrs "Your Name" auf Leinwand sehen zu dürfen.Zeige alle Artikel von Martin →

  1. MaikMaik15.07.2013

    Ich kann dem Geschriebenen zu 100% zustimmen und muss lobend erwähnen, dass all meine offenen Fragen zugleich beantwortet wurden. Guter Artikel!