Heute Bin Ich Blond Hauptplakat

Heute bin ich Blond (Sneak vom 25.03.2013 im Cinestar)

Plakat

Laufzeit: 117 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Darsteller: Lisa Tomaschewsky, Karoline Teska, David Rott, Peter Prager, Alice Dwyer, Jasmin Gerat

Regie: Marc Rothemund

Seit dem 28. März in den Lichtspielhäusern.

 

 

 

Krebs lautet die Diagnose, die das noch junge Leben von Sophie Ritter (Lisa Tomaschewsky) über den Haufen wirft. Selten, aggressiv und inoperabel. Nun müssen Jungsproblemchen und die Wahl des Studienganges erst einmal wirklich existenziellen Problemen weichen: 8 Wochen Chemotherapie stehen ihr bevor, dann heißt es Daumen drücken, dass die Chemo anschlug. Dann eventuell nochmal 24 Wochen Chemo, dann Bestrahlung. Wenn die Chemo nicht anschlägt – lieber nicht dran denken. Das kann einem schon deutlich an der Lebenslust zehren, doch unsere Sophie will sich nicht unterkriegen lassen, sie sucht und findet Wege, mit ihrem Los fertig zu werden. Und seien es auch nur die neun Perücken, die sie sich nach dem Ausfall ihrer Haarpracht anschafft, und mit denen sie je nach Tagesstimmung in eine passende Persönlichkeit schlüpfen kann. Und so finden sich nach und nach auch wieder Möglichkeiten für normale Momente. Und für Jungsproblemchen.

Szenenbild 1

Ein Film über Krebs, der auf den Erlebnissen eines tatsächlich Erkrankten beruht (in diesem Fall auf dem autobiografischen Roman gleichen Titels der Niederländerin Sophie van der Stap)? Richtig, werter Leser, das hatten wir letztes Jahr schon in  „50/50 – Freunde fürs (Über)Leben“. Nur mit dem Unterschied, dass „Heute bin ich Blond“ tatsächlich eine ordentliche Portion Authentizität mitbringt und nicht nur die üblichen Klischees abspult: Vom professionell-distanzierten Arzt (herrlich gespielt von Alexander Held), bei dem doch ab und an das allzu Menschliche durchblitzt, bis hin zur großartig glaubwürdigen Schwester Pauke (nicht minder gut, nur weniger häufig zu sehen: Katrin Pollitt) ist vor allem Sophies klinisches Umfeld toll getroffen. Aber auch außerhalb des Krankenhauses menschelt es in „Heute bin ich Blond“ an fast jeder Ecke, sodass einem einfach warm ums Herz werden muss. Und dann ist die Handlung auch noch so perfekt zwischen flotten, aber nie niveaulosen Pointen und nachdenklicher Tragik ausbalanciert, dass man dafür gern die eine oder andere der an sich aber recht seltenen Konventionalitäten (für die das echte Leben ja leider bekannt ist) und auch so manche Plattitüde aus dem Off hinnimmt. Und den Soundtrack, der sich ab und an etwas zu sehr bemüht, die Stimmung einer Szene zu illustrieren.

Szenenbild 2

Dabei benötigt man dafür in diesem Film doch gar keine Musik. Und überhaupt – Der wahre Hingucker hier sind so oder so klar die Darsteller. Natürlich allen voran Lisa Tomaschewsky, die sich mit Bravour einmal durch alle Emotionalitäten spielt, gefolgt von ihren Filmeltern Maike Bollow und Peter Prager, die ein schlicht wundervolles Ehepaar abgeben. Und damit hört die Aufzählung beileibe noch nicht auf, denn „Heute bin ich Blond“ erscheint bis in die kleinsten Nebenrollen als spitzenmäßig besetzt und mit beispielhafter Spielfreude umgesetzt. Gut, Karoline Teska schwächelt ab und an in ihrer Rolle als Sophies beste Freundin Annabel und David Rott hat das Problem, eine undankbar öde Rolle (nämlich Sophies Kumpel Rob)  irgendwie passend langweilig zu verkörpern, doch auch darüber kann man generös hinwegsehen.

Unübersehbar und unumgänglich hingegen ist Jasmin Gerat, die mit ihren leblos aufgesagten Dialogzeilen wie ein Fremdkörper in diesem ansonsten so herausragenden Ensemble wirkt. So wie übrigens auch schon in „Mann tut was Mann kann“, dem vorangegangenen Projekt von Regisseur Marc Rothemund. Da schwant einem doch Übles für die Zukunft. Doch egal, glücklicherweise sind die Szenen mit ihr verhältnismäßig rar gesät, auch wenn ihre Rolle als Leidensgenossin unserer Heldin natürlich einiges mehr an Potential geboten hätte.

Szenenbild 3

Fazit:
Nach zwei Rohrkrepierern ist es nun also doch gelungen: „Heute bin ich blond“ ist ein Film, der sich grundoptimistisch und flott inszeniert mit dem Thema Krebs beschäftigt, ohne dabei ins Flapsige oder allzu Unglaubwürdige abzudriften. Das und seine fast durchgängig erstklassige Besetzung machen ihn zu einer klaren Empfehlung, die sich folgerichtig auch ganze 8/10 Punkte verdient hat. Und wenn Herr Rothemund nun noch seinen blinden Fleck für Frau G. überwinden könnte, wäre der Autor dieser Zeilen vollauf glücklich.

 

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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