Killing Them Softly Filmplakat

Killing Them Softly (Sneak vom 22.10.2012 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Killing Them Softly

Laufzeit: 97 Minuten

FSK: freigegeben ab 16 Jahren

Hauptdarsteller: Scoot McNairy, Ben Mendelsohn, Ray Liotta, Brad Pitt

Regie: Andrew Dominik

Ab dem 29. November 2012 in den deutschen Kinos.

 

Raus dem Gefängnis und wieder rein in die kriminelle Laufbahn: Auch wenn Frankie (Scoot McNairy) eigentlich von einem normalen Leben träumt, weiß er es einfach nicht besser, denn in Zeiten der Wirtschaftskrise darben selbst die illegalen Geschäftszweige. Zusammen mit seinem drogenabhängigen Knastkumpel Russell (Ben Mendelsohn) lässt sich Frankie auf ein folgenschweres Vorhaben ein. Sie rauben eine illegale Poker-Runde aus und durch unglückliche Umstände steht nun auch noch die gesamte Branche auf der Kippe. Und da kommt Jackie Cogan (Brad Pitt) ins Spiel. Er soll für die geheimen Drahtzieher die alten Verhältnisse wieder ins Lot bringen – doch der Job ist schwieriger als gedacht…

 

Szenenbild 1 (Foto: Wild Bunch Film Verleih)

 

Mit einer verblüffend künstlerischen Anfangssequenz führt „Killing Them Softly“ in die Geschichte mitten in den krisengeschüttelten USA ein. Wie eine Überdosis schlagen dem Kinopublikum schnelle Schnitte und harte Tonfetzen entgegen. So bildet Regisseur Andrew Dominik die Zerrissenheit des Gott gesegneten Landes in Jahre 2008 ab und spürt diese selbst am Bodensatz der sonst so glamourösen Gesellschaft auf. Während Barack Obama für das Amt des Präsidenten kämpft, kämpft die illegale Spielbranche ums Überleben. Diese Verknüpfung durchzieht den gesamten Film bruchstückhaft, aber wie ein roter Faden – mal als sarkastischer Kommentar, mal als Plot-Verstärker.

 

Szenenbild 2 (Foto: Wild Bunch Film Verleih)

 

Für „Killing Them Softly“ hat Regisseur und Drehbuchautor Andrew Dominik den Kriminalroman als Grundlage genommen: „Cogan’s Trade“ von dem US-amerikanischen Autoren George V. Higgins. Dessen Handlung übertrug er in die heutige Zeit und verknüpfte sie mit den aktuellen politischen Verhältnissen. Garniert hat Dominik die Geschichte mit Krimi-Größen wie Ray Liotta, James Gandolfini und Brad Pitt. Und der spielt eine Rolle, die ihm nun mal am besten von der Hand geht: Einen abgeklärten Kriminellen, der seine Aufträge mit einer an Langeweile grenzenden Ruhe erledigt und dem es zuwider ist, mit Anfängern zu arbeiten oder gar jemanden von Angesicht zu Angesicht aus dem Weg zu räumen. Derartiges hat Pitt schon oft gemacht und das nicht ohne Grund: Er kann’s einfach gut. Da gibt’s also nichts zu meckern. Aber auch die anderen Schauspieler können sich sehen lassen. Ben Mendelsohn mimt den unangenehmen und unglaublich dreckigen Zeitgenosse Russell so gut, dass der Ekel bis auf den Kinositz emporkriecht. Und auch dem Hauptdarsteller Scoot McNairy lässt an der Figur des naiven und trotzdem irgendwie nicht bedauernswerten Frankie absolut keine Zweifel aufkommen.

 

Szenenbild 3 (Foto: Wild Bunch Film Verleih)

 

Was aber besonders auffällt, sind die detailreichen und völlig undistanzierten Gewaltdarstellungen, die geradezu in eine Sinfonie der Brutalität münden. Da bekommen breit ausstaffierte Kopfschusssequenzen eine ganz eigene Poetik – und eine ganz bestimmte Art von Ironie. Denn was da so aufwändig inszeniert wird, ist doch in Wahrheit erschreckend blutrünstiger und gleichzeitig auch ganz profaner Arbeitsalltag in einer durch und durch korrupten und irgendwie auch hoffnungslosen Welt.

Fazit:

„Killing Them Softly“ wackelt auf schmalem Zwischengrat: Einerseits hebt er sich durch seine herausragende Machart von anderen Filmen ab, andererseits erinnert er aber auch sehr stark an andere Kino-Klassiker wie die von Tarantino oder den Coen-Brüdern. Doch in seinem eigenen Stil ist er leider nicht markant genug, um wirklich 10-Punkte-Kultstatus zu erreichen. Die Verbindung von Fiktion und Realität ist eine lobenswerte Idee. Die bleibt aber stets nur fragmentarisches Beiwerk, das sich nicht so recht in die Kleinganoven-Geschichte integrieren will. Vielleicht besteht aber genau darin der tiefere Sinn: 8/10 Punkten.

 

 

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Über den Author:

Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →

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