Last Vegas Hauptplakat

Last Vegas (OV-Sneak vom 04.11.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Last Vegas

Laufzeit: 105 Minuten

FSK: ohne Altersbeschränkung

Besetzung: Michael Douglas, Robert De Niro, Morgan Freeman, Kevin Kline

Regie: Jon Turteltaub

Seit dem 14. November in den Lichtspielhäusern.

 

Mit 70 dann doch noch heiraten? Warum eigentlich nicht! Denkt sich zumindest Billy (Michael Douglas), und macht seiner blutjungen Flamme Lisa (Bre Blair) einen Heiratsantrag. Mitten auf der Beerdigung seines ehemaligen Mentors. Dass der bis dahin überzeugte Junggeselle sich nun doch trauen lassen will, schreit natürlich nach einem zünftigen Junggesellenabschied, und so trommelt er seine drei besten Freunde zusammen, um in Vegas (denn wo bitte sonst?) ordentlich einen drauf zu machen. Doch das könnte leichter gesagt sein als getan, denn an seinen Sandkastenkumpels ist das Leben bei weitem nicht so spurlos vorbeigegangen wie bei ihm. Nehmen wir zum Beispiel Paddy (Robert De Niro), dessen innig geliebte Frau vor einem Jahr von ihm ging, was er immer noch nicht wirklich überwunden hatte. Von dem Groll, den er Billy gegenüber dafür schiebt, dass dieser nicht auf ihrer Beerdigung erschien, gar erst zu nicht zu sprechen.

Bei den anderen beiden ist es zumindest etwas einfacher: Archie( Morgan Freeman) zum Beispiel geht es eigentlich ganz gut, doch seit einem Schlaganfall steht er furchtbar unter der Fuchtel seines besorgten Sohnes Ezra (Michael Ealy). Aber das ist natürlich kein Problem, das ein gepflegtes Ausbüchsen nicht lösen könnte. Und für Sam (Kevin Kline) ergeben sich sogar ganz neue Möglichkeiten in Vegas – hat seine ihn liebende Frau Miriam (Joanna Gleason) ihm doch quasi einen Freifahrtschein für einen Seitensprung gegeben, um das eingeschlafene Eheleben wieder ein wenig in Schwung zu kriegen. Und Sam wird nicht der einzige bleiben, der in der Welthauptstadt der Unterhaltung nichts anbrennen lässt. Und sei es auch nur aufgrund der Nachtclubsängerin Diana (Mary Steenburgen), die vor allem Billy und Paddy sofort verzaubert. Als hätten die beiden nicht schon genug Streitthemen.

Szenenbild 1

Ein bisschen einfach kommt die Rechnung ja schon daher: Ein paar gealterte Hollywood-Stars, deren Namen immer noch ziehen können (und Kevin Kline), eine eigentlich egale Handlung mit ein paar routiniert (um nicht zu sagen: lieblos) eingeflochtenen Pointen, etwas frivol, aber nicht zu frivol, denn unsere Zielgruppe soll ja ruhig auch etwas älter sein, dazu ausreichend stimmige Musik und ein paar Atmosphäre schaffende Schüsse von Amerikas liebstem Sündenpfuhl. Und schließlich konnte man sich sogar einen prominenten Gaststar für einen kurzen Cameo anlachen. Das kennt man alles spätestens aus den „Hangover“-Filmen, und das hat sich auch ausreichend bewährt. So ergibt sich ein schönes, risikofreies Stück Unterhaltungskino.

Leider ist der Geschmack entsprechend auch etwas fade. Gerade die beiden Haupthandlungsbögen um Billys Trauung sowie die Kabbelei zwischen Billy und Paddy wollen einfach zu keiner Zeit wirklich zünden. Und das obwohl sich Michael Douglas fast schon selbstironisch zeigt und De Niro angenehme Erinnerungen an seine frühen Rollen à la „Taxi Driver“ weckt. Dafür ist die ganze Story dann schlicht zu altbacken und konventionell. Hinzu kommt, dass bei Mary Steenburgen der Funke nicht so richtig überspringen will, ihr also das vielbeschriene gewisse Etwas fehlt, dass ein richtig überzeugendes Love Interest braucht.

Szenenbild 2

Aber immerhin, ein Blick in die „zweite Reihe“ ist dann doch lohnenswert. Denn wenigstens die Nebenhandlungen um die Charaktere von Freeman und Kline wissen zu überzeugen. So gelingt es Morgan Freeman, die für seine Figur bestimmende Vater-Sohn-Problematik in gewohnter Brillanz und mit angenehm menschelnder Wärme zu lösen, während Kevin Kline klar die meisten Pointen zurechtgelegt bekam – die er auch brauchte, denn mit der Präsenz seiner doch deutlich namhafteren Kollegen konnte er nicht immer mithalten. Doch immerhin konnte er die ihm gut präparierten Gags mit einer stets entwaffnend spitzbübischen Art fast immer lobenswert umsetzen. Und gegen am Ende kann dann auch die Hauptstory endlich zünden. Denn ein ordentliches Happy End bekommen die vier Hollywood-Haudegen doch alle Male noch hin!

Eine Anmerkung sei übrigens noch getan, quasi ein Lob am Rande: Es richtet sich an April Billingsley, die dem werten Leser zu Recht vermutlich Nichts sagt, wurde sie doch nur als Seitensprung-Kandidatin für den Nebenplot um Klines Charakter Sam eingesetzt. Doch schafft sie es nicht nur, im sowieso schon gelungenen Finale jenes Nebenschauplatzes eine passend verführerische Figur zu machen (was ja wohl die Voraussetzung für ihre Rolle war), sie konnte auch punktgenau die kleine Möglichkeit nutzen, die das Drehbuch ihr zum Profilieren eingestand, und lieferte eine perfekt abgestimmte Mischung aus Emotionen ab, von der selbst die eine oder andere namhafte Aktrice nur träumen kann. Der Verfasser dieser Zeilen jedenfalls hätte nichts dagegen, dieser jungen Dame in Zukunft häufiger zu begegnen.

Szenenbild 3
Fazit:
Natürlich ist „Last Vegas“ in erster Linie reines, risikofrei kalkuliertes Popcorn-Kino mit einem trotzdem unleugbaren Hauch von Charme. Und abseits der doch etwas ausgekauten Haupthandlung finden sich auch einige bemerkenswert schöne Momente, die zu entdecken sich auch für Zuschauer lohnen könnte, die sich nicht einfach nur die Wartezeit auf den nächsten „Hangover“-Klon verkürzen wollen. 7/10 Punkte.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →