Love Stories Packshot

Love Stories – Erste Lieben, zweite Chancen (Sneak vom 15.07.2013)

Plakat

Originaltitel: Stuck in Love

Laufzeit: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Besetzung: Greg Kinnear, Jennifer Connelly, Kristen Bell, Lily Collins, Logan Lerman, Nat Wolff, Liana Liberato

Regie: Josh Boone

Ab dem 22. November auf Silberscheiben erhältlich.

 

Die Mitglieder der Familie Borgens haben schon ganz eigene Probleme. Papa William (Greg Kinnear) zum Beispiel ist ein erfolgreicher Schriftsteller, doch sein Eheweib (Jennifer Connelly) verließ ihn und lebt nun mit einem wesentlich jüngeren Mann (Rusty Joiner) zusammen. Sodass Williams sich wohl oder übel mit bedeutungslosem Sex über Wasser halten muss. Mit der scharfen, unersättlichen und selbstverständlich verheirateten Nachbarin Tricia (Kristen Bell), um genau zu sein.

Ähnlich schwerwiegende Probleme bewegen seine Kinder, die beide komplett ohne finanzielle Sorgen großgeworden sind und sich nur damit plagen müssen, es dem Vater gleich zu tun und ebenfalls erfolgreiche Schriftsteller zu werden. Töchterchen Samantha (Lily Collins) hat das eigentlich schon hinter sich und ihren ersten Roman veröffentlich, sodass sie nur muss noch ihre gleichsam vorhandenen Beziehungsprobleme lösen muss. Doch vielleicht kann der smarte Louis (Logan Lerman) ihr ja endlich mehr bieten als die reine Befriedigung ihrer promiskuitiven, nein, Moment, emanzipierten Gelüste. Sohnemann Rusty (Nat Wolff) liegt da etwas hinterher. Nicht nur hat er noch kein bedeutsames Wort zu Papier gebracht, auch beziehungstechnisch fehlen ihm so einigen Gründe zur Besorgnis. Doch seine angehimmelte und drogenabhängige Klassenkameradin Kate (Lana Liberato) kann ihm da bestimmt helfen.

Szenenbild 1

Eigentlich sollte man es der aktuellen Generation gönnen, dass lustige Sprüche aus der Kategorie Erstweltprobleme zu den neuen Blondinenwitzen aufsteigen. Denn die launigen Zitate à la „Hilfe! Mein iPad 3 wärmt mir nicht mehr so schön den Schoß wie mein altes MacBook Pro!“ erinnern angenehm an die verrückte Verschiebung der Prioritäten in unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft. Einen ähnlichen Nutzen hat natürlich auch der vorliegende Film, nur dass seine Handlung bei weitem nicht so pointiert daherkommt. Und dabei auch ziemlich konstruiert wirkt.

Aber immerhin kann man ihr einen gewissen Charme nicht absprechen. Das ist vor allem dem herrlich entwaffnend spielenden Greg Kinnear zu verdanken, der es sogar schafft, die ansonsten grausamen Schauspielversuche von Jennifer Connelly erträglich zu machen. Zumindest, wenn sie mit ihm interagieren darf. Amüsant ist auch, wie zwei der weiblichen Hauptdarsteller Mut zur Hässlichkeit zeigen und ihre Figuren furchtbar oberflächlich anlegen: So gibt Kristen Bell eine wahnsinnig nervige Person, die später sogar ein bisschen warme Menschlichkeit zeigen darf, während Lily Collins die ganze Zeit ein Musterbeispiel an Pseudointellektualität verkörpert.

Szenenbild 2

Der überwiegend guten Darsteller wegen vergibt man dem Film dann auch etliche seiner offenkundigen Schwächen. Zum Beispiel den Umstand, die ganzen Coming-of-Age-Problemchen schon um Länger besser und lebensnaher im letzten Jahr in „Vielleicht lieber morgen“ behandelt gesehen zu haben. Oder den merkwürdigen Umstand, dass der aufstrebende Jungschriftsteller, der von Kindesbeinen an Literatur schon zum Frühstück serviert bekam, ausgerechnet Stephen King als besten Autor aller Zeiten betrachtet. Doch das mag letztlich auch reine Geschmackssache sein. Ansonsten freut es den Verfasser dieser Zeilen zu vermelden, dass der Film in sämtlichen anderen Belangen angenehm geschmackvoll bleibt. Keine niveaulosen Zoten, dafür ein nett humanistischer Grundton und etliche sehr gelungene Szenen.

Es darf einen also tatsächlich etwas Wunder nehmen, warum diesem wahrlich nicht schlechten Film der Sprung auf die Leinwand nicht vergönnt war. Ob es an der Belanglosigkeit lag? Wohl kaum, mag einem ein Blick auf die restlichen romantischen Komödien offenbaren. Doch letztlich ist das wohl wieder ein klassisches Erstweltproblem. Und damit der perfekte Abschluss für diese Filmbesprechung.

Szenenbild 3
Fazit:
Es ist definitiv keine Liebe auf den ersten Blick, aber letztlich funkt es dann doch. „Love Stories“ überzeugt mit einer nicht geringen Menge an Charme und liebenswürdigem Humor. Da vergisst man letztlich auch gern die Belanglosigkeit, die einem da stellenweise entgegen schwappt. 7/10 Punkte seien wohlwollend dafür vergeben.
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Love Stories – Erste Lieben, zweite Chancen (Sneak vom 15.07.2013), 8.2 out of 10 based on 5 ratings

Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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