Magic Mike Hauptplakat

Magic Mike (OV-Sneak vom 06.08.2012)

Plakat

Deutscher Titel: Magic Mike

Laufzeit: 110 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Cody Horn, Matthew McConaughey

Regie: Steven Soderbergh

Ab dem 16. August in den Lichtspielhäusern.

 

Mike (Channing Tatum), aufstrebender Jungunternehmer und Tischlergeselle extraordinaire, verdient sich ein hübsches Sümmchen nebenbei, indem er in einem kleinen, aber feinen Schuppen namens „Xquisite “ als „Magic Mike“ vor kreischenden Weiberhorden zu zeitgenössischer Musik die Hüllen fallen lässt. Das imponiert schließlich auch dem jungen Adam (Alex Pettyfer), also das Geld und die kreischenden Weiber, und so nimmt Mike den nun frisch auf “The Kid” Umgetauften unter seine Fittiche. Und zeigt ihm eine Welt voll Glamour, Geld und Gevögel. Und, welch ein Glück, Adam hat auch noch eine Schwester (Cody Horn), mit der unser magischer Mike anbandeln kann. Die Idylle wäre perfekt, würde “The Kid” nicht so langsam aber sicher auf die schiefe Bahn geraten.

Szenenbild 1

Dies vorweg: „Magic Mike“ ist unschwer erkennbar ein Film für Kinogänger, die das sprichwörtlich starke Geschlecht bevorzugen und nach Möglichkeit im Rudel und leicht angeschwipst in den Kinosaal tänzeln. Auf den Verfasser dieser Zeilen treffen alle drei Attribute leider nicht zu, doch er gelobt hiermit, sie nach bestem Wissen und Gewissen zu berücksichtigen. Im Zuge dessen widmen wir uns doch gleich einmal den Stripszenen. Die sind tatsächlich ganz hübsch geraten, mit der üblichen, hip wummernden musikalischen Untermalung, einer schmucken Bühnenshow mit so manch niedlicher Idee und natürlich nicht unansehnlichen Akteuren, wobei letzteres natürlich dem individuellen Geschmack überlassen bleibt (der Verfasser dieser Zeilen findet beispielsweise Herrn Tatum etwas langweilig, ist ja aber wie schon geklärt kein Fachmann für dieses Metier). Auffällig ist allerdings, dass die Tanzeinlagen für einen Film über Stripper auffällig deutlich im FSK-12-Bereich bleiben. Im Ernst,  es wird nur einmal angedeutet, dass überhaupt irgendwann auch die adäquat kurz geschneiderte Unterbekleidung fällt. Da bekamen die Herren der Schöpfung schon weitaus Expliziteres vorgesetzt, und das lustigerweise auch von FSK-12-Filmen (die Rede ist hier vom, nennen wir es mal „Klassiker“ namens „Striptease“). Was natürlich am männlichen Mangel an sekundären Geschlechtsmerkmalen liegt, doch das führt nun vermutlich zu weit weg vom eigentlichen Thema.

Um deshalb nach diesem kleinen Exkurs noch einmal zusammenzufassen und zum Kernpunkt zurückzukehren: Ein paar blanke Hinterteile mehr hätten die Tanzeinlagen etwas glaubwürdiger gestaltet. Und vermutlich auch ein paar Schauwerte mehr geliefert.

Szenenbild 2

Widmen wir uns nun aber dem eigentlichen Problem des Films. Nein, zur Abwechslung ist nicht Regisseur Soderbergh gemeint (obwohl sein fortgesetzter Faible für farbstichig fotografierte Filmszenen immer noch nervt), es geht vielmehr um ein grundlegendes Problem bei Tanzfilmen: Der ewig gleiche Drang, die Tanzszenen irgendwie mit einer Alibihandlung verbinden zu müssen. Wenig überraschend ist diese Handlung auch in „Magic Mike“ aufgesetzt und öde, mit dem dämlichen und natürlich nicht von Erfolg gekröntem Versuch, Anspruch aus dem Nichts zu erschaffen, sowie kaum interessanten Charakteren, geschweige denn einer nennenswerten Darstellerleistung. Vielleicht mit Ausnahme von Matthew McConaughey, der seinen Strip-Club-Besitzer Dallas erfrischend unverhohlen an Tom Cruise orientiert. Was zwischenzeitlich tatsächlich richtig Spaß macht.

Überhaupt keinen Spaß macht hingegen Cody Horn, die ausgerechnet die weibliche Hauptrolle und das Love Interest unserer titelgebenden Hauptfigur darstellen soll. Denn nicht nur, dass ihr die für Hollywood typische Fähigkeit fehlt, fehlendes Talent mit adrettem Aussehen zu kompensieren, nein, sie verfügt auch noch über eine Stimme, die einem die Ohrmuschel nach außen kehren kann. Und dabei ändert sich nie ihre Tonlage und nie verzieht sie eine Mine. Cody Horn, die Sirene der Monotonie. Aber wenigstens hierzulande gibt es die Hoffnung, dass Synchronsprecherin Kaya Möller zumindest die akustischen Probleme der Mimin ausbügeln kann. Eine Verschlimmerung ist sowieso kaum vorstellbar.

Szenenbild 3

Fazit:
Es bleibt dabei: „Magic Mike“ ist eher ein Film für Junggesellinnenabschiede denn für Freunde der gepflegten Milieustudie. Er ist ein überambitionierter Tanzfilm, dessen Ambitionen man aber glücklicherweise schon in der zweiten Hälfte wieder vergessen hat. 4/10 Punkte gibt es dafür noch. Aber nicht vergessen, werter Leser: Tue deinen Ohren einen Gefallen und lasse dich nur auf die deutsche Synchronfassung ein.

 

P.S.: Fun Fact der Woche – Channing Tatum verdingte sich tatsächlich mit 18/19 Jahren als Stripper und durfte nicht nur Einiges an eigener Erfahrung zum Drehbuch beisteuern, sondern brachte Soderbergh auch erst auf die Idee, dieses Werk zu verbrechen. Was zumindest karrierepolitisch als sehr effektiv eingeschätzt werden kann.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →

  1. JensJens14.08.2012

    Oh. 4/10? Dabei hat mir der Trailer zugesagt. Dann kommt er halt auf die List für Leih-BDs.