Parada Hauptplakat

Parada (Sneak vom 10.09.2012 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Parada

Laufzeit: 115 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Nikola Kojo, Hristina Popović, Miloš Samolov, Goran Jevtić, Goran Navojec, Dejan Aćimović, Toni Mihajlovski

Regie: Srdjan Dragojević

Seit dem 13. September in den Lichtspielhäusern.

 

 

Eigentlich hat sich Bürgerkriegsveteran Micky Limun (Nikola Kojo) ein ganz beschauliches Leben in der serbischen Hauptstadt erarbeitet: Er hat eine Judo-Schule, ein gut laufendes Sicherheitsunternehmen, eine anbetungswürdige englische Bulldogge namens Sugar ein hübsches Vorzeigeweibchen. Es fehlt ihm nur noch eines: Eine schön standesgemäße Hochzeit mit Biserka (Hristina Popović) – so heißt die gerade erwähnte Herzensdame nämlich (ihre Freunde hingegen nennen sie „Pearl“). Und die will mehr als nur die übliche Bauernvermählung – eine echte Prunkhochzeit soll es sein, komplett mit Traumkleid von Prada sowie Plüsch und Bling-Bling bis zum Abwinken, organisiert von einem waschechten Wedding Planner. Und ja, werter Leser, so etwas gibt es in Belgrad: Auftritt Mirko (Goran Jevtić), Hochzeitsplaner von Beruf und Schwulenrechtsaktivist aus Berufung. Nein, das ist nicht die Art von Mensch, mit der unser Micky sich normalerweise gern abgibt, und so… nun, eskaliert die erste Begegnung zwischen den beiden auch recht drastisch. Um seine große Liebe Pearl doch noch zu behalten, muss sich Micky richtig anstrengen: Er muss die Sicherheit für Mirkos geplante Gay-Pride-Parade organisieren, was sich nicht nur wie ein Himmelfahrtskommando anhören dürfte. Von all seinen üblichen Schergen verlassen, macht sich unser Held also auf, die Leute zusammenzutrommeln, auf die er sich am meisten verlassen kann: Seine alten Feinde aus dem Bürgerkrieg. Ihm zur Seite auf dieser abenteuerlichen Reise quer durch das ehemalige Bürgerkriegsgebiet steht Radmilo (Miloš Samolov), ein Tierarzt und der Freund von Mirko. Ja, werter Leser, „Freund“ wie in  „homosexuelle Lebensgemeinschaft“. Und das dürfte unseren Veteranen, man verzeihe dies platte und auf Meilen vorhersehbare Wortspiel, noch ordentlich in Schwulitäten bringen.

Szenenbild 1

Sicher, die Idee, ein gegensätzliches Duo durch eine Reihe von Problemen zu jagen, ist nicht wirklich neu. Doch tatsächlich ist die Reise unseres ungleichen Paares durch die jugoslawischen Republiken das klare Highlight des Films – vor allem, weil die Mitstreiter, die unser Mirko aufgabelt, sich als herrliche Charaktere herausstellen. Reminiszenzen an “Die glorreichen Sieben” sind da erwiesenermaßen nicht zufällig, und auch Freunde der „Expendables“ könnte hier auf ihre Kosten kommen. Und die eingesammelten Ex-Söldner sind auch sämtlich mit so großartigen Darstellern besetzt worden, dass es nicht einmal groß stört, dass sie eigentlich alle durch die alte Raue-Schale-weicher-Kern-Schablone gezeichnet wurden.

Der Rest des Films wird hauptsächlich getragen durch die großartige Leistung von Nikola Kojo, dessen Micky nicht nur herrlich dem allgemeinen optischen Klischee des bullennackigen serbischen Schlägertyps entspricht, sondern es tatsächlich auch schafft, dem Zuschauer etwas ans Herz zu wachsen. Und das, obwohl er eigentlich trotz allem ein ziemlich intoleranter Mistkerl bleibt. Nur halt mit dem Herz am rechten Fleck, um nun auch noch diese Plattitüde zu nutzen.

Szenenbild 2

Allerdings, werter Leser, sei gewarnt: „Parada“ mag insgesamt eine ganz hübsche, locker-leichte Komödie sein, doch das Thema der Homosexualität in Serbien ist ein verflixt ernstes Sujet. Und das spiegelt sich auch im vorliegenden Film wieder, denn in den finalen Kampf während der titelgebenden Parade mischen sich dann folgerichtig eine ganze Menge Tragik und ein riesiger Haufen an Bitternis in das vorher so bunte Geschehen. Wirklich unvorhersehbar ist dieser Stilbruch aber nicht, denn wie sonst hätte dieser Film schon ausgehen sollen, ohne der Lächerlichkeit anheim zu fallen?

Es ist nur etwas schade, dass der Kampf selbst ein wenig fad geworden ist und einen nicht so richtig mitreißen kann und dass das tragische Ereignis selbst den Zuschauer auch nicht wirklich trifft. Erst die bittere Realität, die man am Ende von „Parada“ präsentiert bekommt (in Form von Texttafeln und Archivbildern zur zweiten Gay-Pride-Parade in Belgrad), kann dann ein wenig Wirkung erzielen und den Zuschauer vielleicht ein bisschen wachrütteln.

Szenenbild 3

Fazit:
Insgesamt ist „Parada“ eine fast komplett angenehm leicht inszenierte Komödie mit sympathischen Schauspielern. Nur halt mit einem themengebunden bitteren Ende. Einen Blick wert macht das den Film allemal, und 7/10 interessierte Punkte hat er sich damit in jedem Fall verdient.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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