Red Lights Hauptplakat

Red Lights (Sneak vom 30.07.2012)

Plakat

Originaltitel: Red Lights

Laufzeit: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Hauptdarsteller: Robert De Niro, Sigourney Weaver, Cillian Murphy, Elizabeth Olson

Regie: Rodrigo Cortés

Seit dem 09. August in den Lichtspielhäusern.

 

Dr. Tom Buckley (Cillian Murphy), Physiker, widmet sich gemeinsam mit seiner Chefin, der Psychologin Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver), der wissenschaftlichen Aufklärung paranormaler Phänomene. Was bis jetzt auch immer gelang. Doch nun betritt ein neuer Fall die Bühne des Geschehens. Beziehungsweise kehrt er dahin zurück: Simon Silver (Robert De Niro), legendärer Hellseher und Wunderheiler, möchte nach gut 30 Jahren zurück in die Öffentlichkeit. Buckley ist ganz heiß darauf, ihn zu entlarven, doch Matheson möchte davon nichts wissen. Als unser junger Physiker daraufhin auf eigene Faust gegen Silver vorgehen möchte, begibt er sich damit in einen Strudel von Ereignissen, der ihn immer tiefer in die dunklen Abgründe des Irrationalen saugt. Bis es schließlich zur unvermeidlichen Konfrontation kommt.

Szenenbild 1

Wenig hat sich Herr Cortés ja nicht vorgenommen, wenn er sich mit seinem Hollywood-Debut in das  faszinierende, aber verflucht weite Feld der wissenschaftlichen Untersuchung eigentlich unerklärbarer Phänomene begibt. Dabei begegnet der Zuschauer natürlich tiefschürfenden Fragen wie etwa der nach einem Leben nach dem Tod (in einer nebenbei bemerkt großartigen Szene mit Sigourney Weaver) und lernt, wenn er möchte, auch einiges über die Grundvoraussetzungen von Wissenschaftlichkeit (und es wäre keine echter Hollywood-Film, wenn Ockhams Rasiermesser hier keinen kleinen Auftritt hätte). Allerdings ist „Red Lights“ immer noch ein fast reiner Unterhaltungsfilm, sodass man sich hier nicht zu viele echte Antworten erhoffen sollte.

Doch immerhin, unterhalten kann er wirklich! Eine kurzweilige Geschichte, die, dies sei zugegeben, in vielen Punkten eher konventionell ist, aber kurzweilig und mörderisch spannend erzählt wird, mit einer zum Schneiden dichten Atmosphäre, die zumindest den Verfasser dieser Zeilen bis in die letzte Szene in ihren Bann ziehen konnte. Sehr hilfreich sind dabei, neben einem hübschen Score und jeder Menge stimmungsvoller Lichteffekte, natürlich die tollen Darsteller, allen voran Cillian Murphy, der hier eine Leistung darbringt, die er schon länger nicht mehr gezeigt hatte. Dazu alte Hasen wie Sigourney Weaver und Robert De Niro, die scheinbar beide nochmal eine Extra-Schippe Charisma in ihr Spiel gelegt haben. Herrlich. Einzig Elizabeth Olson als Freundin unseres Helden bleibt etwas zu blass, hat aber auch kaum Zeit auf der Leinwand zur Verfügung.

Szenenbild 2

Sehr positiv an „Red Lights“ ist übrigens der Bruch mit der furchtbaren Angewohnheit, alles immer übermäßig deutlich kommunizieren zu müssen, damit auch der letzte Depp nicht in Versuchung kommen muss, seinen Denkapparat anzustrengen. Ein Beispiel: Wir sehen zu Beginn des Films einen kleinen Flirt zwischen Tom Buckley (Cillian Murphy) und Sally Owen (Elizabeth Olson) und in der Mitte des Films  liegen die beiden friedlich und mit aller Selbstverständlichkeit schlafend nebeneinander im gemeinsamen Bett. Alles dazwischen, inklusive kitschigem ersten Kuss, ist der Fantasie des Zuschauers überlassen. Wie angenehm, mal keine nervigen Nebenhandlungen vorgesetzt zu bekommen, welch löblicher Mut zur Lücke!

Leider, leider ist das Ende dann wieder komplett in den Konventionen des Mystery-Thrillers gefangen: Statt nach dem großartigen, gänsehautverursachenden Finale einfach abzublenden und den Zuschauer mit all seinen Fragen verdient allein zu lassen, wird ein finaler Plot-Twist mit der üblichen, alles haarfein erklärenden Rückblende  eingefügt. Die Wendung selbst ist dann auch hochgradig Geschmackssache, aber immerhin ist die Rückblende gut inszeniert und man erfährt noch ein bisschen über den weiteren Handlungsverlauf. Was schön ist, denn irgendwie sind einem die Figuren schon ans Herz gewachsen. Wirklich nötig wäre das trotzdem nicht gewesen.

Szenenbild 3

Fazit:
„Red Lights“ ist ein längst überfälliger Film über ein faszinierendes und tiefgründiges Thema. Dabei ist er spannend erzählt und verfügt über eine tolle Atmosphäre sowie großartige Schauspieler. Allzu ernst kann man ihn zwar schon aufgrund des Endes nicht nehmen, doch liefert er in jedem Fall gut gemachte und auch endlich mal wieder etwas anspruchsvollere Unterhaltung. Dafür gibt es dann auch 8/10 wohlverdiente Punkte.

 

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →