Silver Linings Plakat

Silver Linings (Sneak vom 17.12.2012 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Silver Linings Playbook

Laufzeit: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert de Niro, Julia Stiles, Chris Tucker

Regie: David O. Russell

Seit dem 03. Januar 2013 in den Lichtspielhäusern.

 

Frisch aus der psychiatrischen Anstalt entlassen, zwar gegen den Willen der Ärzte, doch nichtsdestoweniger endlich wieder frei, will Pat Solatano (Bradley Cooper) sein Leben nun endlich wieder in den Griff bekommen! Vergeben sei sein Ausraster, in dem er den Liebhaber seines Eheweibs direkt in die Intensivstation prügelte, vergessen die einstweilige Verfügung, der zufolge er sich nicht näher als 150 Meter an Nikki (Brea Bee), besagte Ehefrau, wagen darf! Nun gilt es für den ehemaligen Grundschullehrer nur noch, sich Frau, Beruf und Wohnung zurückzugewinnen! Doch bis sein Plan endlich Früchte trägt, muss unser Held wohl oder übel Unterkunft bei seinen Eltern suchen – dabei ist seine Mutter (Jacki Weaver) doch eigentlich schon mit den Launen seines Vaters (Robert de Niro) beschäftigt. Denn Pat Senior kann mit seiner manchmal etwas überschäumenden Wut durchaus mit den Launen seines amtlich bescheinigt bipolaren Sohnes mithalten. Und als ab das alles noch nicht problembehaftet genug wäre, trifft Pat auch noch auf Tiffany (Jennifer Lawrence) – rätselhaft, unberechenbar, aber auch  frisch verwitwet und derbe traumatisiert. Jedoch ist sie auch genau die Person, die einen Brief zu Nikki schmuggeln könnte. Eine Chance, die Pat einfach ergreifen muss! Der Haken, denn natürlich gibt es einen Haken: Pat muss mit Tiffany an einem Tanzwettbewerb teilnehmen, sonst wird es nichts mit der nicht wirklich legalen Vermittlungsdienstleistung. Oder hat die verführerisch Labile da etwa noch mehr im Sinn?

Szenenbild 1

Mit der Übersetzung von Titeln haben wir hier in Deutschland ja ab und an schon abenteuerliche Erfahrungen gemacht – Man denke nur an „Die Tochter meines besten Freundes“/„The Oranges“. Da ist es doch fast schon beruhigend zu wissen, dass dies auch im Jahr 2013 fortgesetzt wird. Aber eben nur fast. Mal im Ernst: Warum kann man für die Begrifflichkeit silver linings nicht einfach den als Pendant verhältnismäßig probaten „Silberstreif“ verwenden? Ja, natürlich, die Übersetzung ist nicht eins-zu-eins, aber doch ausreichend sinngemäß. Außerdem wagt es der Autor dieser Kritik Zweifel an der These zu hegen, dass der alte englische Ausspruch „Every cloud has a silver lining“ hierzulande groß von Bekanntheit ist. Da wäre auch eine nicht hundertprozentig passende Übertragung besser gewesen als die intuitiv schwerer zugängliche Originalformulierung. Alternativ hätte man auch gleich den Originaltitel beibehalten können, denn dass ein playbook ein Strategieverzeichnis (vor allem beim American Football) ist, das kann man dann auch gleich noch nachschlagen.

Lieber Leser, bitte verzeih diesen Exkurs in translatorischer Erbsenzählerei, wir kommen jetzt auch ohne Umschweife zum eigentlichen Film.

Szenenbild 2

Und der überrascht äußerst angenehm durch seinen feinsinnigen und subtilen Humor – so subtil, dass man von Zeit zu Zeit gar für ein paar Momente vergessen könnte, eine Komödie vor sich zu haben. Dafür wirkt das Ganze natürlich auch um Längen authentischer, was durch die unglaublich stimmige Chemie zwischen allen Beteiligten noch verstärkt wird. Denn das große Glück des Films ist seine hervorragende Besetzung. Gerade Hauptdarsteller Bradley Cooper macht hier einen richtig tollen Job, denn auch wenn es schön gewesen wäre, noch etwas jenseits der kindlich-naiven Schiene von ihm zu sehen, so überzeugt sein Pat doch auf ganzer Linie. Und Jennifer Lawrence ist schlicht traumhaft in ihrer irgendwo zwischen hilflos, bockig und unverschämt scharf angelegten Rolle. Und legt mit einer Szene relativ zu Beginn des Films einen Heulkrampf hin, der es zum emotionalen Ausbruch des Monats bringen könnte. In den Nebenrollen beeindruckt natürlich vor allem Robert De Niro, der hier sogar noch besser aufgelegt zu sein scheint als sonst, doch auch der Rest des Casts überzeugt restlos. Sogar Chris Tucker ist überraschend unflapsig, wodurch man ihn fast nicht mehr erkennt. Wie angenehm.

Die Handlung selbst ist wunderbar frisch und flott inszeniert, umschifft mit Leichtigkeit die kitschig-konventionellen Klippen der üblichen RomKom-Plots und liefert mit der Tanzeinlage unserer beiden Hauptfiguren auf besagtem Wettbewerb ein herrlich mitreißendes Finale, ohne das Ganze wie eine Profi-Performance wirken zu lassen. Einfach nur klasse. Aber was sollte man auch anderes von einem Film erwarten, der sich zwischendurch kurz vor einer der tollsten Stepptanzszenen Hollywoods verbeugt (wen es interessiert: Sie entstammt dem wundervollen „Singin’ in the Rain“).

Szenenbild 3

Fazit:
Huch! Eine romantische Komödie ohne platte Komik oder aufgesetzte Romantik. Stattdessen eine, die komplett von der Chemie ihrer Figuren lebt und sich dabei auf ihre großartigen Darsteller verlassen kann. 8/10 prima unterhaltene Punkte.

P.S.: Falls sonst noch jemand vom Duo Lawrence/Cooper noch nicht genug bekommen kann, so sollte sich dieser vielleicht auch schon mal den 24. Oktober diesen Jahres vormerken. Dann startet nämlich „Serena“, in dem die beiden schon wieder ein Paar spielen.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

  1. Sophia GeßSophia Geß23.01.2013

    Das Problem mit der Titelübersetzung wird vor allem dann lächerlich, wenn sogar im Finale des Trailers von einem „Silberstreifen“ die Rede ist…

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