Snitch – Ein riskanter Deal (Sneak vom 27.05.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Snitch

Laufzeit: 112 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Dwayne Johnson, Barry Pepper, Jon Bernthal, Susan Sarandon, Benjamin Bratt

Regie: Ric Roman Waugh

Ab dem 06. Juni in den Lichtspielhäusern.

 

 

Die amerikanische Justiz ist schon manchmal etwas speziell. So richtet sich z.B. die Haftstrafe bei Drogenschmuggel strikt nach der gefundenen Menge und übergeht solche Nebensächlichkeiten wie Begleitumstände oder Minderjährigkeit. Dafür kann man sich aber fein wieder freikaufen, wenn man andere Schmuggler verpfeift. Mist nur, wenn man wie Jason Collins (Rafi Gavron) niemanden verpfeifen kann und/oder will. Dann braucht man nämlich einen Papa, wie Jason ihn hat. Der heißt John Matthews (Dwayne Johnson), lebt in zweiter Ehe, führt ein anständiges, mittelständiges Bauunternehmen und konnte mit der schmierigen Staatsanwältin (Susan Sarandon) einen Deal aushandeln, der seinem Sohn die Freiheit verspricht, wenn John vorher einen möglichst großen Drogenboss ans Messer liefert.

Szenenbild 1

Wie schon bei „The Big Wedding“ erweist sich auch der Abspann von „Snitch“ als ein sprudelnder Quell an erfrischenden Informationen. Gut, das war jetzt etwas übertrieben, doch immerhin eine nette Information findet sich dort. Nämlich der kleine Hinweis, dass der Film von einer Dokumentation gleichen Titels inspiriert sei. Eine kurze Internetsuche offenbart dann relativ rasch, dass es sich bei dieser Doku um eine Folge der amerikanischen Reihe „Frontline“ handelt. Die sich tatsächlich mit jener merkwürdigen Eigenart des amerikanischen Rechtssystems beschäftigt, mittlerweile allerdings auch gute 14 Jahre auf dem Buckel hat. Aber augenscheinlich ist das Problem immer noch vorhanden und akut, also ist es löblich, es nun auf die eine Art an die amerikanische Öffentlichkeit zu bringen, die diese anscheinend noch wahrnimmt: Als wenigstens mittelmäßig aufwendig produziertes Actionkino mit ein paar bekannten Gesichtern.

Szenenbild 2

Allerdings lässt die Charakterzeichnung des Filmes trotz der dahinterliegenden realen Problematik doch sehr zu wünschen übrig: Der ehrliche Arbeiter, der einfach nur seinen Sohn retten will, die vorwurfsvolle Exfrau, die machtgeile Staatsanwältin, der Ex-Knacki, der mit all dem eigentlich nichts mehr zu tun haben will – mit wie viel mehr Desinteresse  kann man seine Figuren denn noch hinrotzen? Entsprechend wenig zu tun haben die Darsteller. Auch wenn Mr. Johnson sich fast ein Lob dafür verdient hat, einmal ungewöhnlich angreifbar zu spielen.

Die Handlung ist dann auch passend konventionell und vorhersehbar und erinnert ein wenig an den thematisch sehr ähnlichen Film „Contraband“, mit gerne mal leisen Tönen, aber auch einer ganzen Menge Langeweile im Mittelteil, gewürzt mit fast schon wieder überzogen wirkenden Actioneinlagen. Etwas ausgewogener hätte man das schon aufbauen können. Dafür ist die Kameraführung solide und liefert ein paar sehr gelungene Aufnahmen inmitten ansonsten reichlich alltäglicher Einstellungen.

Szenenbild 3

Fazit:
Wer sich aufgrund des Hauptdarstellers auf einen knallharten Actionstreifen freut, sollte vielleicht doch lieber zu „Fast & Furious 6“ wechseln, denn „Snitch“ erweist sich als überraschend ruhig. Und zäh. Dafür bekommt man im Austausch auch ein wenig Gesellschaftskritik. Was den Film zwar nicht wirklich rettet, ihn aber doch ein wenig erwähnenswerter macht. 6/10 Punkte also.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →