The Crime (Sneak vom 11.02.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: The Sweeney

Laufzeit: 113 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Darsteller: Ray Winstone, Ben Drew, Hayley Atwell, Steven Mackintosh, Paul Anderson, Alan Ford, Damian Lewis

Regie: Nick Love

Seit dem 28. Februar in den Lichtspielhäusern.

 

Man nennt sie the Sweeney, was hierzulande komischerweise als die Sweeney statt der Sweeney übersetzt wurde. Dabei ist Sweeney doch klar ein männlicher Vorname. So wie in „Sweeney Todd, der teuflische Barbier aus der Fleet Street“. Und tatsächlich leitet sich der Spitzname für den Flying Squad, die schnelle Eingreiftruppe der Londoner Metropolitan Police, exakt von jenem fiktiven menschlichen Ungeheuer ab. Das verdanken wir einer einzigartigen Eigenart des Londoner Arbeiterdialekts, die sich Cockney Rhyme Slang nennt. Hierbei ersetzt man ein Zielwort durch eine Wortgruppe, deren letztes Wort sich auf das Zielwort reimt. So wird wife (Eheweib) passenderweise zu trouble and strife (Sorgen und Streit) oder halt Flying Squad zu Sweeney Todd. Um Außenstehende komplett zu verwirren (was durchaus sinnvoll sein kann, denn einigen Theorien zufolge entspringt dieser spielfreudige Umgang mit Wörtern einer Gaunersprache), lässt man dann auch noch gerne das Reimwort weg. Was die angetraute Dame des Herzens komplett zu trouble werden lässt. Und den Flying Squad zum Sweeney, ohne Todd, macht.

Doch genug des linguistischen Exkurses, wir müssen ja zumindest so tun, als ginge es hier eigentlich um den schon angelaufenen britischen Film gleichen Namens. Also schnell ein Szenenbild mit möglichst vielen Hauptfiguren einbauen und die Inhaltsangabe runter rattern:

Szenenbild 1

Dies sind die Abenteuer des Flying Squad der Londoner Polizei, einer Sondereinsatzeinheit, die sich mit schwerer und organisierter Kriminalität beschäftigt, ohne dabei die Bezirksgrenzen der britischen Metropole beachten zu müssen. Angeführt wird die Truppe von Jack Regan (Ray Winstone), einem jener altmodischen Bullen, die es nie lernen werden, nach den Regeln zu spielen. Und so sorgen Regans unkonventionelle Mittel nicht nur für jede Menge Erfolge, sie sind auch ein unerschöpflicher Quell für die Kopfschmerzen seines Vorgesetzten Frank Haskins (Damian Lewis). Und ein Dorn im Auge von Ivan Lewis (Steve Mackintosh) von der internen Ermittlung, der den gesamten Laden sehr, sehr gerne einfach zumachen würde. Was an sich schon genügend Konfliktpotential birgt, auch ohne zu erwähnen, dass Mr. Regan neben seinen fragwürdigen Mitteln auch noch eine Affäre mit seiner Untergebenen Nancy Lewis (Hayley Atwell) am Laufen hat. Und ja, die heißt nicht zufällig Lewis, sie ist mit dem Mann von der Internen in nicht mehr ganz so glücklicher Ehe verbandelt.

Da ist es doch fast zweitranging, dass nebenbei noch eine osteuropäische Verbrecherbande raubend und brandschatzend (na gut, eigentlich nur raubend) durch London zieht.

Szenenbild 2

Liebhaber des britischen Fernsehens der Siebziger erinnern sich vielleicht noch an die Krimiserie „Die Füchse“. Die hieß im Original ebenfalls „The Sweeney“, was den damaligen deutschen Titel zu einer keinesfalls besseren Übertragung als „The Crime“ macht, doch immerhin verdient er sich ein paar Sympathien für ehrliche Anstrengung. „The Crime“ jedenfalls ist eine Leinwandadaption jener Fernsehserie, genauer gesagt schon die dritte.

Leider merkt man auch, dass das Ganze seine Ursprünge in der Flimmerkiste hatte, denn irgendwie wirkt „The Crime“ die ganze Zeit wie eine britische Fernsehproduktion. Was dank der wahnsinnig hohen Standards der Rundfunkanstalten des Vereinigten Königreiches erstmal kein wirklicher Grund zur Trauer ist. Hätten Handlung und Figuren da nicht diesen faden Beigeschmack von Massenware. Der unkonventionelle Chef, der Probleme mit der Obrigkeit hat, dessen Quasi-Ziehsohn, der sich aus der Gosse zum Polizisten hochgerackert hat, und dann auch noch eine gleich mehrfach verbotene Liaison mit einem hübschen, jungen Ding. Das hat man alles für sich schon häufig genug gesehen, und in Kombination ist es an der Grenze zur Lächerlichkeit. Da hilft es auch nicht, dass Ray Winstone einen großartigen Grummel abgibt und Hayley Atwell tatsächlich ein bisschen was fürs Auge ist. Und wenigstens die Actionszenen lockern die etwas öde Story von Zeit zu Zeit etwas auf, aber eine wilde Schießerei am Nelson-Memorial ist nicht unbedingt eine gute Idee, wenn man von der Lächerlichkeit seiner Handlung ablenken will.

Szenenbild 3

Fazit:
Doch soviel Gemecker braucht es letztlich gar nicht. Immerhin ist „The Crime“ ein handwerklich gut gemachter, stringent erzählter Krimi mit etwas fader Handlung, aber dafür meist netten Actioneinlagen. Nichts, das man gesehen haben muss, aber immerhin auch nichts, das man bereuen wird. 6/10 Punkte.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →