The Impossible Hauptplakat

The Impossible (OV-Sneak vom 07.01.2013 im Cinestar)

Plakat

Deutscher Titel: The Impossible

Laufzeit: 114 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Naomi Watts, Ewan McGregor

Regie: Juan Antonio Bayona

Seit dem 31. Januar in den Lichtspielhäusern.

 

Südostasien. Das Jahr 2004 neigt sich dem Ende zu, und während in heimischen Gefilden die meisten Fernsehredaktionen ihre Jahresrückblicke schon halb fertig geschnitten haben, passiert hier das titelgebend Unmögliche: Ein Erdbeben selten erlebten Ausmaßes jagt einen Tsunami über den Stillen Ozean, der nie gekannte Zerstörung mit sich bringt. Und da das touristisch mit Abstand am meisten bedeutsame Thailand dabei stets im Zentrum der medialen Aufmerksamkeit stand, befinden wir uns auch schon mitten im sonst malerischen Ressort The Orchid, befindlich auf der eigentlich idyllischen Insel Ko Phuket, direkt vor der Küste Thailands. Und wir begleiten Familie Bennet, die durch die Katastrophe zweigeteilt wird und nun versuchen muss, wieder zusammenzufinden. Und dann heil von hier wegzukommen.

Szenenbild 1

Manchmal bekommt man das Gefühl, nicht wenige Menschen benötigen einen gut inszenierten und ordentlich dramatisierten Spielfilm, um historische Ereignisse als hinreichend real anerkennen zu können. Ja, zugegeben, diese Beobachtung ist zynisch und übertrieben, aber warum kann man sich nicht einfach mit einer Dokumentation zufriedengeben? Warum muss das alles noch auf Hochglanz poliert und nachbearbeitet werden, um es glaubwürdig werden zu lassen? Und warum muss man im vorliegenden Film eine spanische Durchschnittsfamilie zwangskaukasifizieren? Für die bessere Identifikation auf Seiten des Zuschauers? Hätte man da nicht einfach eine Familie komplett erfinden können, oder wäre das dann zu weit von den  „Tatschen“ entfernt gewesen und man hätte nicht mehr so schön die Werbetrommel mit der ganzen Authentizität rühren können? Manchmal ist es ekelhaft, wie berechnend Filme geschrieben werden.

Doch verzeih, werter Leser, dass du hier den persönlichen Groll des Autors dieser Kritik ausbaden musst. Letztlich ist es ja auch durchaus legitim und sogar notwendig, dass sich Kunst den Themen widmet, die die Menschen bewegen. Brechreizerregendes Kalkül hin oder her.

Szenenbild 2

Allerdings sollte diese Kunst dann auch entsprechend ergreifend sein, sonst ist alles für die Katz. Und an dieser Stelle weiß „The Impossible“ leider nur ab und an zu überzeugen. Sicherlich, der Tsunami selbst ist toll inszeniert, bombastisch und bedrohlich, doch das kannten wir schon aus dem eingangs erwähnten „Hereafter“. Danach folgt leider sehr Durchwachsenes. In der ersten Hälfte sehen wir Naomi Watts als leidende Mutter, mal mit fies klaffender Wunde am Bein, mal erstaunlich blutig ihren Magen entleerend. Was wirklich gut und nahegehend gemacht ist, selbst Freunde des Torture Porn dürften hier ein wenig auf ihre Kosten kommen. Umso bedauerlicher, dass sie sich gegen Ende des Films eigentlich nur noch hübsch zurechtgemacht und lecker ausgeleuchtet auf der Krankenliege räkeln darf (gut, das Räkeln ist jetzt vielleicht etwas übertrieben formuliert…). Da fällt das Mitleiden gleich viel schwerer. Und wenn Mama Bennett dann in einer Art Rückblende auch noch in Zeitlupe durch die sonnendurchflutete Wasseroberfläche bricht, sodass man jederzeit den Werbeslogan eines Duschbads erwartet, dann ist dieser Teil des Filmes leider endgültig der Lächerlichkeit preisgegeben.

Szenenbild 3

Aber immerhin, jenseits der Mama-leidet-Story finden sich auch bessere Sachen. Zum Beispiel immer wieder wundervoll trostlos gestaltete Szenerien, die im Zuschauer eine Ahnung für die angerichtete Verheerung aufkommen lassen. Und eine ganz nette Szene, in der der Filius beschließt, während Mutti im Krankenhaus liegt zum Zeitvertreib getrennte Angehörige wieder zusammenzuführen. Was eine richtig hübsche Idee hätte sein können, würde man nach dem ersten wiedervereinten Paar nicht gleich wieder abbrechen und stattdessen den Jungen nun nach seiner mittlerweile durch Missstände in der Krankenhausbürokratie verschüttgegangene Mutter suchen lassen. Ja, ja, das basiert auf wahren Begebenheiten, schon klar, aber muss die Realität wirklich so eine dämliche Dramaturgie haben?

Da wird es in der zweiten Hälfte doch wenigstens ein bisschen angenehmer, denn nicht nur darf Ewan McGregor hier in einer einzelnen Szene gar ein bisschen ordentliches Schauspiel zeigen, nein, wir dürfen sogar einen kleinen Gastauftritt der in Würde gealterten und gewohnt charismatischen Geraldine Chaplin erleben. Ansonsten gibt es auch hier wieder jede Menge Impressionen und ein paar hübsche Momente zwischen all der Ödnis. Und dann kommen wir auch schon zum Schluss und der bangen Frage, ob die Familie wiedervereinigt wird oder nicht. Die ist aber so unglaublich dämlich gelöst, mit einer derart mies geschrieben wirkenden Menge an Zufällen, dass das Ganze einfach der Realität entsprechen MUSS, denn kein Drehbuchautor mit einem auch nur marginalen Rest an Selbstachtung hätte ansonsten unter diesen Schund seinen Namen setzen lassen.

Szenenbild 4

Fazit:
Optisch ist „The Impossible“ ja durchaus adäquat stimmungsvoll, doch viel mehr bietet einem der Film leider nicht. Trotz eigentlich guter Darsteller. Na, was soll’s. Wer einen Eindruck von der mittlerweile gut zwölf Jahre in der Vergangenheit liegenden Katastrophe haben möchte, kann statt einer Dokumentation auch genauso gut auf diesen Film zurückgreifen. Der hat dann wenigstens den Vorteil einer Präsentation auf großer Leinwand. Was besser ist als nichts. 6/10 Punkte hat sich das ganze Projekt damit noch verdient.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →