The Sapphires Plakat

The Sapphires (OV-Sneak vom 06.05.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: The Sapphires

Laufzeit: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Darsteller: Chris O‘Dowd, Deborah Mailman, Jessica Mauboy, Shari Sebbens, Miranda Tapsell

Regie: Wayne Blair

Seit dem 20. Juni in den Lichtspielhäusern.

 

 

Eigentlich wollen sie nur singen. Natürlich wollen sie das, denn wir sind in einem Musikfilm. Problem dabei: Gail (Deborah Mailman), Julie (Jessica Mauboy) und Cynthia (Miranda Tapsell) sind Aborigines, und die werden im Australien der späten Sechziger keines Blickes gewürdigt. Da ist es doch ein Glück, dass Dave Lovelace (Chris O’Dowd) auf sie trifft. Der ist nämlich gar kein Australier, sondern Brite und schert sich ergo recht wenig um die Pläsierchen dieser ehemaligen Sträflingskolonie. Also lässt sich der ansonsten eher erfolglose Musiker als Manager engagieren und verspricht den Mädels eine Karriere jenseits des Pazifiks, im hart umkämpften Vietnam. Dort sind die leidgeprüften G.I.s schließlich dankbar für alles, was nicht sofort auf sie schießen möchte.

Also gesagt, getan. Man holt noch rasch die als Kind verschleppte Kay (Shari Sebbens) dazu, sattelt um von Country auf Soul – und schon haben unsere fünf Abenteurer ihre Flugtickets in der Tasche. Doch Vietnam ist ein heißes Pflaster. Ob unsere Damen dort wohl unbeschadet wieder heraus kommen werden?

Szenenbild 1

Nun, einige werden wohl zwangsweise überleben müssen, immerhin basiert das Ganze laut Werbetext auf wahren Begebenheiten. Was übersetzt bedeutet, dass es tatsächlich eine Gruppe von drei Aborigine-Sängerinnen gab, die sich in und um Melbourne als Country-Gruppe versuchten, und von denen immerhin eine dann auch rüber nach Vietnam machte. Als Backgroundsängerin einer Maori-Band, wohlgemerkt. Ihre beiden Mitsängerinnen waren aber gegen den Krieg, sodass sie ihre Schwester mitnahm. Schon klar, das ist zu komplex für einen simplen, kleinen Musikfilm. Da erfinden wir doch lieber einen britischen Tunichtgut mit Schwäche für Alkohol. Der kommt beim Publikum auch besser an als irgendwelche Kriegsgegner, sodass man ihm sogar noch eine vollkommen unglaubwürdige Liebesbeziehung andichten kann.

Bei der Menge an Überarbeitungen und Vereinfachungen könnte man unterstellen, dass man sich die Filmemacher nur marginal für die geschichtliche Vorlage interessiert haben. Gut, dazu würde passen, dass derjenige, der sich ausreichend dafür interessierte, um daraus erst ein gleichnamiges Theaterstück und dann ein Filmscript zu machen, ausgerechnet der Sohn der ausgewanderten Sängerin ist.

Szenenbild 2

Und auch ansonsten hat der Film es nicht so mit Authentizität oder gar Atmosphäre. Der Vietnamkrieg ist dort eigentlich eine ganz lauschige Zeit, in der es zwar ab und an ein paar Schüsse gibt, die wirklich schlimmen Folgen bekommen wir aber glücklicherweise nicht zu sehen. Denn eigentlich soll es hier ja um Gesang gehen. Weshalb der auch stets glasklar und in Studioqualität präsentiert wird. Was zwar hübsch klingt und Freunden des Soul auch gefallen dürfte, gleichzeitig aber auch einige Szenen der Lächerlichkeit preis gibt. Zum Beispiel eine, in der unsere Mädels in einem Feldlazarett auftreten. Was richtig emotional sein könnte, würden ihre Stimmen nicht mädchenhaft rein und vollkommen unbeeindruckt von all dem Leid klingen. Dabei versuchten die Darstellerinnen sogar, ein bisschen Emotionalität in ihr Spiel zu schmuggeln.

Davon abgesehen ist der Film ganz erträglich, die Figuren sind zwar furchtbare Schablonen, aber die Darsteller funktionieren zumindest. Ein großes Lob verdient haben sich die Macher einzig für den Charakter der Kay, der man nicht nur eine tatsächliche ziemlich süße Liebelei mit einem G.I. anhing, sondern mit der man auch ohne allzu sehr erhobenen Zeigefinger auf eine der größten Schweinereien der australischen Geschichte hinweisen konnte: Denn Kay ist angelegt als Angehörige der Gestohlenen Generationen. Ein Kind also, dass oftmals aufgrund einer helleren Haut den leiblichen Eltern entrissen wurde, um dann in Heimen oder Adoptivfamilien wie „ordentliche“ Weiße erzogen zu werden. Das ist nicht weniger als ein versuchter kultureller Genozid, der staatlich organisiert über fast siebzig Jahre betrieben wurde. Darauf quasi am Rande hinzuweisen, das macht den Film dann doch ein klein wenig interessanter.

Szenenbild 3
Fazit:
Trotzdem bleibt „The Sapphires“ ein über weite Strecken bedeutungsloser und zigfach bekannter Unterhaltungsfilm mit ganz netter Musik, aber auch einem hübsch nachdenklichen Beigeschmack. 6/10 Punkte gibt es dafür noch.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Die Erfindung der Wahrheit“, „Harmony“ und „Nur ein Tag“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →