Trance Hauptplakat

Trance – Gefährliche Erinnerung (OV-Sneak vom 05.08.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Trance

Laufzeit: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Besetzung: James McAvoy, Vincent Cassel, Rosario Dawson

Regie: Danny Boyle

Seit dem 09. August in den Lichtspielhäusern.

 

Eigentlich sollte alles ganz simpel ablaufen: Überfall auf ein Auktionshaus, Goyas „Flug der Hexen“ abstauben, bevor das geschätzt 15 Millionen Pfund(!) teure Bild in den dafür vorgesehenen Safe evakuiert werden kann, Ware verticken, Leben genießen. Doch dann spielt dieser blöde, kleine Auktionsgehilfe Simon Newton (James McAvoy) den Helden und versteckt das Gemälde. Bandenboss Franck (Vincent Cassel) ist zu Recht etwas ungehalten. Unglücklicherweise mit Folgen, denn die durchaus berechtigte Watsche, die er Newton verpasst, löscht dessen Erinnerung an das Versteck des sündhaft teuren Bildes. Nun ist guter Rat natürlich teuer. Aber glücklicherweise gibt es auch in London mehr als genügend Seelenklempner. Also auf zu Hypnotherapeutin Dr. Elisabeth Lamb (Rosario Dawson), die Newtons Kopf schon wieder hinbiegen wird. Und sich ganz nebenbei noch tüchtig an den Machtspielchen innerhalb der Diebesbande beteiligen darf.

Szenenbild 1

Darf ich meinen Erinnerungen trauen? Was in meinem Erleben ist real und was könnte Suggestion sein? Auf den ersten Blick wirkt „Trance“ wie ein Machwerk dem Kopf Christopher Nolans. Und er versucht auch redlichst, sich das eine oder andere Scheibchen von Filmen wie „Memento“ oder „Inception“ abzuschneiden. Leider aber nur mit mäßigem Erfolg, denn die Fragen, die er aufwirft, sind gerade durch Nolans Filme eigentlich schon ausreichend behandelt. Außerdem ist die finale, alles umdeutende Wendung, die hier ja fast schon zum guten Ton gehört, zwar ganz nett geworden, aber nicht einmal halb so umwerfend, wie uns deren Inszenierung weismachen möchte. Schade nur, dass danach noch eine weitere, noch mehr umdeutende Wendung kommen muss, die nicht nur unnötig wirkt, sondern auch noch den Eindruck erweckt, man habe sie aus einer Sektlaune heraus in letzter Sekunde hinzugefügt.

Szenenbild 2

Immerhin, die Inszenierung hat ein paar nette Ideen. Neben der meist angenehm flott erzählten Handlung erwarten den Zuschauer ein paar hübsche Perspektiven (auch wenn sich irgendjemand hier etwas derbe auffällig in Spiegel verliebt zu haben schien) und nette Licht- und Farbeffekte. Jenseits des Visuellen allerdings bekommt man vor allem furchtbar um Aufmerksamkeit heischende, wummernde Scores verabreicht, die wohl zusätzliche Stimmung erzeugen sollen, aber eigentlich eher die Nerven belasten.

Apropos „Belastetete Nerven“: Leider blieben auch die Charaktere und ihre Darsteller etwas zu egal. Gerade James McAvoy muss hier ein bisschen übermäßig den Spielball höherer Mächte geben, was vor allem deshalb problematisch ist, weil Rosario Dawson so charismafrei spielt, dass man ihr kaum eine dieser zwei Mächte abnimmt. Wenigstens bei Vincent Cassel kommt das Problem weniger auf, er spielt so animalisch und unterhaltsam wie eh und je. Aber auch hier war bestimmt noch Platz nach oben.

Szenenbild 3
Fazit:
Bei diesem Film schwächelte Danny Boyle ein wenig. Schlimm ist das nicht, denn als nächstes macht er bestimmt wieder etwas komplett anderes. Und wer Lust auf ein bisschen Krimikost mit leicht komplexeren Unterbau hat, darf auch gerne zugreifen. Aber vielleicht sollte man sich nicht zu nah an die Lautsprecher setzen. 7/10 ganz gut unterhaltene Punkte.
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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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