Vielleicht Lieber Morgen Plakat

Vielleicht lieber morgen (Sneak vom 15.10.2012 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: The Perks of Being a Wallflower

Laufzeit: 104 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Logan Lerman, Emma Watson, Ezra Miller

Regie: Stephen Chbosky

Ab dem 01. November in den Lichtspielhäusern.

 

 

Charlie, ein eher schüchterner Heranwachsender, kommt an eine neue Schule. Und obwohl er sich vorgenommen hat, dass nun alles anders wird, kommt er immer noch nicht dazu, sich einen größeren Freundeskreis aufzubauen. Bis er in die Clique von Sam (Emma Watson) und Patrick (Ezra Miller) gelangt. Denn in dieser Gruppe von Außenseitern kann auch unser Mauerblümchen ordentlich aufblühen. Und bitte, lieber Leser, behalte deine Aufmerksamkeit noch kurz auf dieser Seite, denn auch wenn die Inhaltsangabe hier Gegenteiliges andeutet, bietet „Vielleicht lieber morgen“ tatsächlich Einiges mehr als nur den üblichen Kram vom Coming-of-Age-Grabbeltisch.

Szenenbild 1

Denn der Film bietet vor allem herrlich lebendige Charaktere und angenehm ungezwungene Situationen. Und obwohl eigentlich fast alles in diesem kleinen Streifen auch als nerviges Klischee bekannt ist, schafft es Regisseur Stephen Chbosky, das Endergebnis unterhaltsam, unaufdringlich und einfach nur wundervoll herzenswarm zu gestalten. Und das, werter Leser, zeugt nicht nur von echtem Können, sondern, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass „Vielleicht lieber morgen“ erst Chboskys zweiter Film ist, von wahrem Talent. Gut, es mag geholfen haben, dass der Regisseur sein eigenes Buch verfilmen durfte (hierzulande als „Das also ist mein Leben“ in den Regalen zu finden), doch das allein erklärt bei Weitem nicht alles. Denn vor allem in Hinsicht auf die Besetzung wurde hier – zumindest in den Augen des Verfassers dieser Zeilen – Riesiges geleistet, wenn man bedenkt, dass abgesehen von Ezra Miller (der schon in „We Need to Talk About Kevin“ ordentlich Charisma zeigen durfte) und natürlich Emma Watson kaum Darsteller vertreten waren, die schon einmal mit großen Charaktermomenten glänzen konnten. Vielmehr scheint es, als hätte man gerade bei den größeren Nebenrollen vor allem im Bereich der, nun, sonst eher mittelmäßig bis uninteressant ausfallenden Seriendarsteller zugegriffen. Die hier jedoch allesamt großartige Leistungen abliefern können. Als hätte Chbosky einen Schalter für Talent an jedem seiner Darsteller gefunden. Oder eingebaut. Wahnsinn.

Szenenbild 2

Und dann stimmt da auch noch der ganze Rest. Von der stimmigen und passenden Liedauswahl über die Ausstattung bis hin zu Kamera und Licht bietet sich dem Zuschauer ein großartiges Panorama der Jugend im Amerika der frühen Neunziger des letzten Jahrhunderts. Fast ist es da unnötig, die Geschichte selbst zu loben, die jeder Hauptfigur und auch vielen Nebenfiguren genau die richtige Zeitspanne einräumt und endlich mal auch nichts nervig übererzählt, sondern stattdessen lieber berechtigterweise auf die schauspielerischen Fähigkeiten von Seiten der Darsteller und die Aufmerksamkeit des Zuschauers vertraut. Einzig das Finale von kann nicht ganz das halten, was der Rest des Films verspricht, doch dieses Manko verpufft fast genauso schnell wieder wie die hochgradig geschmacksabhängige Inszenierung der „Rocky Horror Picture Show“, die die Clique um Sam und Patrick da auf die Beine gestellt hat.

Nun noch kurz eine historische Notiz: Das letzte Mal, dass ein Film mit dieser Thematik so charmant und problemlos seine Geschichte erzählen konnte, war vor fünf Jahren. Damals hieß der Film „Charlie Bartlett“, war mit ähnlich unverbrauchten Gesichtern und lief übrigens ebenfalls in der Sneak. Vielleicht erinnert sich ja noch der Eine oder Andere.

Szenenbild 3

Fazit:
Es fällt dem Autor dieser Kritik immer noch ein wenig schwer, es zu glauben, doch „Vielleicht lieber morgen“ ist tatsächlich zum ersten Mal seit Langem ein gelungener Coming-of-Age-Film, mit einem wundervoll spielfreudigem Cast und voller ungebrochener Lebensfreude, sprühendem Witz und unwiderstehlichem Charme. Wer dem nicht komplett abgeneigt ist, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen. Und auch Herrn Chbosky im Auge behalten, denn anscheinend verbirgt sich hinter diesem Schriftsteller/Regisseur ein echter Künstler. 8/10 immer noch beeindruckte Punkte.

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Vielleicht lieber morgen (Sneak vom 15.10.2012 im Cinestar), 9.0 out of 10 based on 2 ratings

Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →