50 50 Hauptplakat

50/50 – Freunde fürs (Über)leben (Sneak vom 26.02.2012)

Plakat

Originaltitel: 50/50

Laufzeit: 100 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick, Bryce Dallas Howard, Anjelica Huston

Regie: Jonathan Levine

Ab dem 03. Mai in den Lichtspielhäusern.

 

Krebs. Eine Diagnose, die einen immer tief in der Magengrube trifft. So auch Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt), der erfahren muss, dass die Rückenschmerzen, die ihn seit einiger Zeit plagen, von einem Tumor in seiner Wirbelsäule kommen. Einzige Heilungsaussicht: Chemotherapie, Operation – das volle Programm. Heilungsquote seines Tumors: Die titelgebenden 50 Prozent. Zum Glück hat Adam Kyle (Seth Rogen), seinen besten Freund und Rachael (Bryce Dallas Howard), seine Freundin. Die können ihm über diese Krise hinaushelfen. Oder etwa nicht? Zum Glück gibt es da ja noch hübsche wie unerfahrene Therapeuten-Azubine Katherine (Anna Kendrick). Vielleicht kann die ja irgendwie dafür sorgen, dass es Adam besser geht…

Szenenbild 1

Das Drehbuch zu diesem Film stamt aus der Feder eines gewissen Will Reiser. Keine Angst, werter Leser, den Mann muss man nicht kennen, er wurde an dieser Stelle nur erwähnt, weil er tatsächlich selbst mit zwanzig Jahren die Diagnose mit dem K-Wort gestellt bekam. Exakt die gleiche wie unser Held im Film. Und er bezwang den Krebs, was wunderbar ist und offene Bewunderung verdient. Und ihm zugegebenermaßen eine tolle Ausgangssituation liefert, um einen Film, ja eine Komödie gar über dieses Thema zu machen. Denn immerhin erfuhr Reiser am eigenen Leibe die kleinen und großen Probleme dieses Schicksals und mehr noch, Seth Rogen half ihm auch durch diese Zeit, tat also genau das, was er auch in seiner Rolle darzustellen hat.

Szenenbild 2

Umso mehr verwundert es, dass man dem Film nichts davon anmerkt. Das kann man nun natürlich dem Regisseur anlasten, der diese Geschichte furchtbar konventionell inszeniert, oder den Darstellern, die alle nur wenig nennenswerte Leistungen bringen. Vor allem Hauptdarsteller Gordon-Levitt enttäuscht hier auf ganzer Linie und auch Seth Rogen macht nur den ganzen Kram, den man schon seit “Beim ersten Mal” von ihm gewohnt ist (und der wie üblich hochgradig Geschmackssache ist). Einzig Serge Houde, der Adams alzheimerkranken Vater spielt, darf gegen Ende (nachdem er eigentlich die ganze Zeit über nur zum Inventar gehörte) mal kurz etwas Emotion aufblitzen lassen und schafft damit die einzige wenigstens etwas ergreifende Szene. Was schlimm genug ist.

Doch trotz aller Kritikpunkte in der Umsetzung ist es leider auch schon die Vorlage, die hier an zentralen Punkten versagt. Denn sie macht den Fehler, den auch jeder Unbeteiligte machen könnte: Sie zeichnet nur in Klischees. Vom lateinschwafelnden Arzt über die überforderte, passiv-aggressive Freundin bis hin zur schnuckelig-tollpatschigen Pseudotherapeutenanwärterin, die wirklich nur als Love Interest zu gebrauchen ist. Und natürlich ist die Hauptfigur viel zu flach und blutleer, um irgendwie das Interesse oder gar Mitgefühl eines Zuschauers  zu verdienen. Ganz ehrlich, diesen Mist hätte sich auch ein schlecht bezahlter Fernsehautor binnen einer halben Stunde  auf den Rücken seines Blocks krakeln können. Realistisch oder gar berührend wirkte davon jedenfalls nichts. Andererseits ist es wohl auch besser so, denn immerhin möchte man in einer Komödie ja niemanden vor den Kopf stoßen oder gar mit einem irgendwie schlechten Gefühl aus dem Kino schicken. Gerade, wenn es um sowas wie Krebs geht.

Szenenbild 3

Leider, leider ist “50/50″ wieder nur so ein Dramödchen geworden, dass den Zuschauer komplett unbeeindruckt hinterlässt. Und dabei nichtmal wirklich lustig ist. 4/10 Punkte vergebe ich, und das nur, weil Adams Vater das Ganze dann doch noch wenigstens ein bisschen retten konnte. Und spätestens, wenn man in einem Film über einen Krebskranken einen Alzheimerpatienten zur Ehrenrettung braucht, läuft wirklich etwas schief.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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