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Natsume Yujin-cho the Movie: Ephemeral Bond

Plakat

Originaltitel: Natsume Yuujinchou Movie: Utsusemi ni Musubu

Laufzeit: 104 Minuten

FSK: ab 6 Jahren

Besetzung (dt. Synchronfassung): Konrad Bösherz, Hans Hohlbein, Max Felder, Martin Schubach, Jonas Lauenstein, Jill Schulz

Regie: Hideki Ito, Takahiro Ōmori

Im Verleih von peppermint anime.

Seit dem 18. November 2019 fürs Heimkino erhältlich.

Was bisher geschah (und das ist einiges): Der junge Takashi Natsume hat eine besondere Gabe – Er kann Yokai sehen und mit ihnen reden. Yokai, das sind japanische Naturgeister. Manche leben in Schreinen, wo sie verehrt werden, manche dienen Menschen, entweder aus Freundschaft oder Verpflichtung. Und manche sind Menschen nicht wohl gesonnen. Vor einiger Zeit erbte Natsume von seiner Großmutter Reiko, die dieselbe Gabe wie er hatte, ein Buch voller Verträge, mit denen Oma viele Yokai in Ihre Dienste zwang. Sie nannte es das „Buch der Freunde“. Seitdem will Natsume möglichst alle Yokai des Buches wieder in die Freiheit entlassen. Da dies aber persönlich geschehen muss, kann das eine Weile dauern. Und zu allem Überfluss ist auch noch so manch böser Yokai ist hinter dem mächtigen Buch der Freunde her. Was ein echtes Problem wäre, wenn Natsume nicht ein mächtiger Yokai namens Madara zur Seite stehen würde, der seine ehrfurchtgebietende Form meist hinter der Maske einer lebendig gewordenen Winkekatze verbirgt.

Außerdem gibt es Exorzisten, die prinzipiell jeden Yokai gefährlich finden und austreiben wollen, außer die, die ihnen als Hilfs-Geister dienen. Oh, und als ob es nicht schon genug gäbe, dass man sich als neuer Zuschauer im Lauf der ersten halben Stunde zusammenreimen darf, wird neben dem Begriff „Yokai“ auch noch eine weitere Bezeichnung für Geisterwesen verwendet, nämlich „Ayakashi“. Zur Klärung: Yokai ist der Oberbegriff für japanische Geisterwesen, während Ayakashi alle die Geisterwesen umfasst, die oberhalb der Wasseroberfläche anzutreffen sind (also Yokai minus Seeungeheuer) – In „Natsuke Yujin-cho“, wo Wasser nur selten eine wichtige Rolle spielt, werden beide Begriffe deshalb quasi synomym benutzt. Zu Beginn etwas verwirrend, wenn man das nicht weiß.

Szenenbild 1

Immerhin: Die erste halbe Stunde von „Natsume Yujin-cho the Movie: Ephemeral Bond“ tut wirklich ihr Bestes, um alle wichtigen Charaktere und ihre Beziehungen zueinander zu charakterisieren. Und alles in allem funktioniert das auch ziemlich gut. Schnell hat man die ruhige Hauptfigur Takashi ins Herz geschlossen, und auch viele seiner Schulkameraden und Yokai-Freunde erringen rasch die ihnen zustehende Sympathie. Aber ab und an merkt man dann doch, dass vor dem Film schon die ganze Staffel einer Anime-Serie ins Land gegangen ist (hierzulande steht eine Veröffentlichung dieser Serie leider noch aus). Vor allem die Bedeutung der Exorzisten bleibt eher rätselhaft, und ab und an taucht eine Figur doch etwas sehr plötzlich auf. Eigentlich ist das kein großes Problem, doch bekommt es Takashi in vorliegendem Film doch ausgerechnet mit einem Yokai zu tun, der die Erinnerungen von Menschen beeinflussen kann. So wird man als Nicht-Kenner der Serie eventuell ungewollt auf eine falsche Fährte gelockt.

Szenenbild 2

Doch das bisschen Verwirrung lohnt sich trotzdem, denn erstens überzeugt die Hauptgeschichte um jenen Erinnerungen manipulierenden Yokai mit einer wirklich unheimlich wundervollen, melancholisch-schönen Auflösung, und zweitens bekommt man durch die japanische Herkunft von „Natsume Yujin-Cho“ eine Geistergeschichte erzählt, wie an sie hier in Europa nur selten zu hören bekommt. Hier spuken nicht die verlorenen Seelen unglücklich Verstorbener zur Geisterstunde umher, stattdessen begegnen wir am hellichten Tage Naturgeistern und lokalen Gottheiten, ganz im Sinne von Folklore und Shintoismus. Das ist wunderbar glaubwürdig umgesetzt, und hat nicht nur etwas wunderbar exotisches, sondern auch die volle Tiefe und Tragik, die vielen alten Volkssagen innewohnt.

Als Gegenwicht zu Tiefe und Tragik dienen Takashis Familie und Schulkameraden, die gleichzeitig auch für eine typische Portion Coming-of-Age sorgen. Und zumindest einige seiner Yokai-Freunde fügen auch die nötige komische Note hinzu. Was die ganze Geschichte am Ende perfekt abrundet. Dazu sehr schöne Zeichnungen und Animationen, und Bilder von solch sonnestrahlender Helligkeit, dass es in diesem trüben Wetter wirklich eine kleine Auszeit bringt.

Szenenbild 3

Technisch wurde auf der uns vorliegenden Blu-ray die Mindestware geliefert: Deutsche Fassung (sehr gelungen!), Originalton mit zuschaltbaren Untertiteln, ein paar Trailer, das war‘s. Das soll kein Meckern sein, aber ein wenig schade ist es schon, nicht noch ein bisschen mehr aus der Welt von Takashi und Co. zu erfahren.

Fazit:
Fernab der üblichen Anime-Pfade liefert „Natsume Yujin-cho the Movie: Ephemeral Bond“ eine wunderbar unaufgeregte, sonnenbeschienen-exotische und schlicht einzigartig melancholisch-schöne Geschichte über Geister, Freundschaft und Erinnerung, die uns vollauf in ihren Bann ziehen konnte. 8/10 Punkte.

Trailer auf Youtube ansehen.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Natsume Yujin-cho the Movie: Ephemeral Bond“, „Weitermachen Sanssouci“ und „Booksmart“ – außerdem immer wieder gern über „One Cut of the Dead“ und „Project Itoh – Harmony“. Ist gespannt, was mit „Antebellum“ auf ihn zukommt. Immerhin werden bei dem Film immer auch die Titel „Get Out“ und „Wir“ genannt. Was schon arg sein Interesse weckt.Zeige alle Artikel von Martin →