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I want to eat your pancreas

Plakat

Originaltitel: Kimi no Suizō o Tabetai

Laufzeit:108  Minuten

FSK: freigegeben ohne Alterbeschränkung

Besetzung (dt. Synchronfassung): Karim el Kammouchi, Katharina Iacobescu, Anke Kortemeier, Tobias Kern, Felix Mayer

Regie: Shinichirō Ushijima

Im Verleih von peppermint anime.

Seit dem 16. September fürs Heimkino erhältlich.

Es ist fast die alte Geschichte von „Junge trifft Mädchen“, aber halt nur fast. Denn in vorliegendem Fall findet unsere Hauptfigur aus purem Zufall das Krankheits-Tagebuch einer Sterbenskranken. Und da die quirlige Besitzerin dieses Tagebuchs eigentlich niemandem außer ihren Eltern von ihrer tödlichen Bauchspeicheldrüsenerkrankung erzählen wollte, ist unser junger Held plötzlich ein wichtiger Geheimnisträger und bedeutsamer neuer Freund. Was den introvertierten Jungen zunächst überhaupt nicht begeistert, aber nach und nach entwickelt sich trotzdem eine innige Freundschaft.

Ach ja: Der etwas an Horror erinnernde Titel fußt auf dem alten Volksglauben, dass das Verspeisen bestimmter Organe Krankheiten an den eigenen Organen heilen könne. Es gibt also keinen Kannibalismus in diesem Film, obgleich im Film durchaus tierische Innereien verspeist werden. Professionell durchgegart und schmackhaft serviert, versteht sich.

Szenenbild 1

Dreh- und Angelpunkt von „I want to eat your pancreas“ sind die beiden Hauptfiguren, die gerade zu Beginn unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite ein quirliges Mädchen, immer ein wenig zu laut, das sich vor allem über Ihre Beziehungen zu anderen definiert. Auf der anderen Seite ein introvertierter Junge, komplett unabhängig von der Meinung anderer und entsprechend bestrebt, möglichst keine Beziehungen zu irgendwem aufzubauen und auch möglichst nicht aufzufallen. Diesen Plan kann er sich nun jedoch abschminken, denn seine neue Bekanntschaft macht ihn bald zum Klassengespräch. Und so ist der Großteil des Films nicht nur die Geschichte einer aufkeimenden, tiefen Freundschaft (wohlgemerkt keine kitschige Liebesgeschichte, was an sich schon eine großartige Leistung darstellt!), sondern es geht auch darum, wie sich die Hauptfigur langsam für andere Menschen öffnet. Beides wird adäquat langsam erzählt und funktioniert großartig, vor allem aufgrund der glaubwürden Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen.

Weshalb der zweite Teil des Films einen auch umso besser mitnehmen kann, denn wie nicht anders zu erwarten bei einem Film über eine tödliche Krankheit, geht es in „I want to eat your pancreas“ auch um Trauer. Auch hier punktet der Film mit Glaubwürdigkeit und einem mehr als passenden Erzähltempo.

Szenenbild 2

Und auch neben dem Tempo, in dem die Geschichte dargelegt wird, erweist sich „I want to eat your pancreas“ als narrativ sehr gut durchdacht. So erlaubt ein glücklicher Kniff am Ende einen sehr schönen Perspektivwechsel, der sowohl ein paar inhaltliche Lücken füllen als auch die Geschichte emotional abrunden kann. Und in einer sehr schön animierten Fantasie-Sequenz kann unsere Hauptfigur mit seinen Verlusten abschließen. Das sind zwei tolle Ideen, die den Film endgültig aus dem Durchschnitt herausheben.

Der Rest des Handwerks brilliert zwar nicht so sehr, kann sich aber trotzdem sehen lassen, seien es die gelungenen Zeichnungen, die passende musikalische Untermalung, oder die durchweg gut besetzten Sprecher (sowohl in der japanischen Originalfassung als auch in der deutschen Synchronversion). Einziger Schwachpunkt: In zwei zentralen Szenen des Films greift man auf Lieder zurückt, die emotional ein wenig zu dick auftragen und somit nicht ganz unseren Geschmack treffen konnten. Anderen mag es da anders gehen, und ein großes Manko ist es auch nicht. Nur ein wenig schade, da es in den besagten Szenen absolut unnötig war, noch mehr Emotionalität einzubauen.

Szenenbild 3

Apropos „ein wenig schade“: Leider kommen DVD- und Blu-Ray-Fassung arg spartanisch daher. Deutsche Fassung und japanisches Original mit zuschaltbaren Untertiteln, dazu ein paar Trailer aus dem aktuellen Verleihprogramm. Alles, was drauf sein muss, ist also drauf, aber halt kein bisschen mehr. Und etwas mehr zum Film und seiner Entstehung wäre halt schön gewesen.

Fazit:
Alles in allem ist „I want to eat your pancreas“ eine großartige und bemerkenswert klischeefreie Geschichte über Freundschaft und Trauer, toll erzählt und voller glauwürdiger und liebenswerter Charaktere. Das ist uns locker 8 von 10 Punkte wert.

Trailer auf Youtube ansehen.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Booksmart“, „Paradise Hills“ und „I want to eat your pancreas“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „The Death of Stalin“. Überlegt zur Zeit, ob er wirklich „Doctor Sleep“ schauen will, nur weil er „Shining“ liebt – Oder ob er stattdessen nicht einfach mal wieder „Shining“ schauen sollte.Zeige alle Artikel von Martin →