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Auslöschung

Plakat

Originaltitel: Annihilation

Laufzeit: 115 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Besetzung: Natalie Portman, Gina Rodriguez, Tessa Thompson, Jennifer Jason Leigh, Oscar Isaac

Regie: Alex Garland

Im Verleih von Universal Pictures.

Seit dem 14. April fürs Heimkino erhältlich.

Eigentlich bringt die Biologin Lena (Natalie Portman) an der renommierten Johns Hopkins University anderen Menschen bei, wie man Krebs bekämpft. Doch dann kommt ihr Liebster (Oscar Isaac) nach einer kleinen Ewigkeit des Verschollenseins als Schatten seiner selbst von einer streng geheimen militärischen Erkundungsmission zurück. Also macht Lena das einzig Vernünftige und begibt sich ebenfalls auf so eine Erkundungsmission. Unter der Führung der Psychologin Ventress (Jennifer Jason Lee) bricht sie auf, zusammen mit der Geologin Cassie Sheppard (Tuva Novotny), der Physikerin Josie Radek (Tessa Thompson) und der Sanitäterin Anya Thorensen (Gina Rodriguez), in ein  schlicht „Area X“ genanntes Gebiet, in dem Physik und Biologie verrücktspielen. Im Herzen des Gebiets stet ein Leuchtturm, und dort erhofft man sich Antworten. Doch der Weg dorthin ist gepflastert mit mysteriösen, pastellfarbenen Flechten, gefährlichen Mischwesen und beunruhigenden Überresten früherer Expeditionen.

Szenenbild 1

Alex Garland, den kennt man vielleicht noch von seinem altklug-verschwurbelten Regiedebüt „Ex Machina“, oder von seiner Arbeit als Drehbuchautor an deutlich gelungeneren Filmen wie „28 Days Later“ oder „Dredd“. Und immerhin, im Gegensatz zu „Ex Machina“, wo er hauptsächlich sich selbst inszenierte, nämlich als möchtegern-intelektuellen Autorenfilmer, inszeniert er in „Auslöschung“ tatsächlich einen Film. Das ist eine klare Steigerung, und es könnte damit zusammenhängen, dass er diesmal die Vorlage eines anderen Autoren nutzte, nämlich die nochmal um einiges kryptischere „Southern Reach“-Buchreihe von Jeff VanderMeer.

Trotzdem ist „Auslöschung“ noch prallvoll mit arg gekünstelten Dialogen, die niemand wirklich so sprechen würde. Was vor allem in den Rückblenden auf das Privatleben von Lena und ihrem Liebsten wirklich, wirklich nervt. Und was schade ist, weil die Darsteller eigentlich richtig gut sind und somit mehr können als nur verquaste Zeilen aufzusagen.

Szenenbild 2

Aber das macht eigentlich auch nicht viel aus, denn die tatsächliche Hauptfigur des Films kommt sowieso ohne Text aus: Die Area X, in der sich verschiedene Arten vermischen (man trifft z.B. auf Alligatoren mit Hai-Gebiss), merkwürdige Doppelgänger auftreten und kein Signal herein- oder herauskommt, ist klar das Zentrum des Films, und sie ist großartig inszeniert. Natürlich hauptsächlich dank eines großartigen Set-Designs, das mit immer neuen Varianten von großflächig-buntem Flechtenüberzug punktet, aber auch durch einen dazu passend fremdartig-sphärischen Score.

Die Handlung selbst ist klar auf die Erkundung dieser Welt ausgerichtet, und führt uns, leider nicht immer logisch oder frei von Klischees, unaufhaltsam bis zum Herz des rätselhaften Geschehens. Zwar werden dabei auch ein paar interessante Themen aufgegriffen (vor allem geht es um Selbstzerstörung und Krankheit), und es ist toll, wie selbstverständlich das rein weibliche Team inszeniert wird (weder brüstet man sich übermütig mit Feminismus, noch wirken die Figuren wie simple Abziehbilder irgendwelcher männlicher Rollenpendants). Aber letztlich bringt uns die Handlung in einer simplen Steigerung von Ort zu Ort, bis zum finalen Aufeinandertreffen am Ort, wo alles begann. Wo man sich zwar keine finale Erklärung erhoffen darf, aber immerhin auch kein zu ambivalent-offenes Ende durchstehen muss. Und es gibt ein kleines psychedelisches Fest, das angenehm an „2001 – Odyssee im Weltraum“ erinnert. Und es freut Herr Garland bestimmt, mit Stanley Kubrick verglichen zu werden (Gern geschehen!).

Szenenbild 3

Bisschen blöd nur, dass all das wohl deutlich besser auf einer Kinoleinwand (und mit einem Kino-Soundsystem) gewirkt hätte. Und zumindest die DVD wartet auch mit keinerlei Extras auf (selbst auf Trailer verzichtete man in der uns vorliegenden Fassung!), was die Liste verpasster Chancen um einen weiteren Punkt erhöht. Immerhin vergaß man nicht, die verschiedenen Sprachfassungen aufzunehmen. Und alles ist besser als eine reine Netflix-Exklusiv-Veröffentlichung, insofern besser als nix.

Fazit:
Auch wenn das Kino klar der beste Ort für einen Film wie „Auslöschung“ ist, wir finden die Reise ins Zentrum der verrückten Area X auch so noch interessant genug, um einen neugierigen Griff zu DVD oder Blu-ray zu rechtfertigen. Soll heißen: 7/10 Punkte. Und falls du, lieber Leser, Freunde mit fetter Heimkinoanlage habe solltest, wäre „Auslöschung“ doch ein schöner Anlass, sich dort mal wieder einzuladen.

Trailer auf Youtube ansehen

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Booksmart“, „Paradise Hills“ und „I want to eat your pancreas“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „The Death of Stalin“. Überlegt zur Zeit, ob er wirklich „Doctor Sleep“ schauen will, nur weil er „Shining“ liebt – Oder ob er stattdessen nicht einfach mal wieder „Shining“ schauen sollte.Zeige alle Artikel von Martin →