ParadiseHills Plakat

Paradise Hills

Plakat

Originaltitel: Paradise Hills

Laufzeit: 94 Minuten

FSK: noch keine Angabe bekannt

Besetzung: Emma Roberts, Danielle Macdonald, Awkwafina, Eiza González, Milla Jovovich

Regie: Alice Waddington

Im Verleih von Kinostar.

Ab dem 29. August in den Lichtspielhäusern.

Uma (Emma Roberts) wacht auf und traut ihren Augen nicht: Statt in ihrem heimischen Bett ist sie in einem „Therapiezentrum“ erwacht, das wie eine Mischung aus Lewis Carrolls Wunderland und der skurrilen Insel aus der britischen 60er-Jahre-Serie „Nummer 6“ anmutet. Und aus dem ein Wegkommen ähnlich schwer ist (weil ebenfalls auf einer Insel gelegen). Also wird sich Uma wohl oder übel damit abfinden müssen, erstmal da zu bleiben und therapiert zu werden. Ziel der Therapie, das erklärt ihr die undurchsichtige Leiterin, die nur als „die Herzogin“ (Milla Jovovich)  bekannt ist, ist Umas Aversion gegen eine arrangierte Hochzeit mit einem Ekel von Zukünftigen zu kurieren. Denn für eine Tochter aus gutem Hause wie Uma sind solche Anwandlungen natürlich reichlich unschicklich. Und natürlich ist Uma nicht die einzige Klientin, und so knüpfen sich neue Freundschaften. Aber genauso selbstverständlich wird die frisch gegründete Clique bald mit weitaus existenzielleren Problemen zu kämpfen haben als mit fragwürdigen Diäten, mäßig nützlichen Gesprächssitzungen zur Selbsterkundung oder eher fragwürdigen, „Germany’s Next Topmodel“-mäßigen Umstylings. Denn am Ende wird es um Leben und Tod gehen.

Szenenbild 1

Große Namen könnten einem beim Betrachten von „Paradise Hills“ einfallen, und das bereits im Prolog, der mit selbstsicherer Inszenierung mehr als nur ein wenig Appetit auf das Kommende macht: Ein protziger Ballsaal voller Gäste, deren festliche Kleidung ähnlich fantasievoll-aberwitzig wie in einem Tarsem-Singh-Film ist (vor allem die wundervollen Kostüme aus „Spieglein Spieglein“ kommen einem in den Sinn), dann Emma Roberts in einem Traum von raumgreifendem Hochzeitskleid (mit einem süßen Touch von Fetisch), die einen Alptraum von reaktionärem Liedchen für Ihren Bräutigam trällert. Anschließend ein Stimmungswechsel durch bessere Liedwahl, denn die Brautgesellschaft tanzt nun zu Camille Saint-Saëns „Die Fossilien“, was so schön was von tanzenden Skeletten hat. Großartig! Nach Ende des Vorspanns gelangen wir von Tarsem Singh zu Gore Verbinski, denn die schlicht wundervoll durchdesignte Insel des Therapiezentrums, in der zwischen Treppenfluchten á la M.C. Escher, barock-opulenten Pflanzenarrangements und cyberpunkig-postmoderner Lichtgestaltung dem Auge wirklich niemals langweilig wird, ist ähnlich beeindruckend gefilmt wie dessen Meisterwerk „A Cure for Wellness“ (das auch bezüglich Stimmung und Inhalt einige Parallelen zu „Paradise Hills“ aufweist). Belebt sind die großartigen Mauern von einer verschworenen Gruppe junger Damen, und Männer sind nur Staffage – dies nun schließlich erinnert nicht wenig an Sofia Coppola („The Virgin Suicides“ sei beispielhaft genannt).

Somit ist Regisseurin Alice Waddington ein Werk gelungen, das keinen Vergleich scheuen muss. Das ist an sich schon beeindruckend, doch „Paradise Hills“ ist auch noch ihr Langfilmdebüt. Was für ein umwerfender Start!

Szenenbild 2

Und auch die Besetzung muss sich vor niemandem verstecken: Sowohl Hauptdarstellerin Emma Roberts als auch ihre Spielpartnerinnen Danielle Macdonald und Awkwafina versehen ihre Figuren spielfreudig mit Leben und entwickeln eine großartige und glaubwürdige Chemie untereinander. Die vierte im Bunde, Eiza González, kann da nicht ganz mithalten und bleibt als Charakter ein wenig blass, in der Gruppe kann aber auch ihre Rolle überzeugen.

Neben Setdesign und Charakteren hat „Paradise Hills“ natürlich auch noch eine Handlung, und diese überzeugt mit Atmosphäre und adäquat gediegener Spannungskurve. Zeitlich ist der Film in einer nicht näher datierten nahen Zukunft verortet, was sich vor allem am Ende bemerkbar macht, wenn das erste Geheimnis des merkwürdigen Therapieinstituts gelüftet wird. Diese Auflösung entpuppt sich trotz Science-Fiction-Anteil aber als schlüssig und sehr bodenständig, bietet sogar einen angenehmen Hauch von Gesellschaftskritik samt adäquat bitterem Beigeschmack. Es wird auch noch ein zweites Geheimnis enthüllt, und das ist deutlich weniger bodenständig, sondern beugt sich sehr weit ins Fantastische und Skurrile. Man ist ein bisschen versucht, warnende Worte wie „Geschmackssache“ und „Vielleicht nicht für jeden“ zu formulieren. Aber andererseits passt auch diese Auflösung letztlich ausgezeichnet zur merkwürdigen Insel. Außerdem zeugt diese kurze Wendung zum Abstrusen von dem gleichen Mut und Charme, der auch schon das Ende von „A Cure for Wellness“ zu etwas Besonderem machte. Um noch einen letzten Vergleich zu machen.

Szenenbild 3
Fazit:
Sollte man wenigstens ein oder zwei der in diesem Artikel genannten Filme bzw. Serien mögen, sollte man sich „Paradise Hills“ auf keinen Fall entgehen lassen. Sollte es Leser geben, denen all dies wenig bis nichts sagte: Entschuldigung. So oder so, wer Filme mit tollen Darstellerinnen in meisterlich gestalteter Umgebung mag, sollte nun wissen, was zu tun ist. Wir vergeben 8/10 atemberaubend durchgestylte Punkte.

Trailer auf Youtube ansehen.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Booksmart“, „Paradise Hills“ und „I want to eat your pancreas“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „The Death of Stalin“. Überlegt zur Zeit, ob er wirklich „Doctor Sleep“ schauen will, nur weil er „Shining“ liebt – Oder ob er stattdessen nicht einfach mal wieder „Shining“ schauen sollte.Zeige alle Artikel von Martin →