Side Effects Hauptplakat

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Sneak vom 08.04.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Side Effects

Laufzeit: ca. 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Jude Law, Rooney Mara, Catherine Zeta-Jones, Channing Tatum

Regie: Steven Soderbergh

Ab dem 25. April in den Lichtspielhäusern.

 

Eigentlich sollte es Emily Taylor (Rooney Mara) gut gehen, denn ihr Herzallerliebster Martin (Channing Tatum) hat justament seine Haftstrafe wegen Insiderhandels abgesessen und steht nun wieder für Liebeleien aller Art zur Verfügung. Doch irgendwie geht es Emily nicht so. Ein Depression wird vermutet. Und eine medikamentöse Behandlung angesetzt. Denn das ist gerade in. Und als dann endlich ein Mittelchen anschlägt, scheint sich ihre Situation auch zu bessern. Nur, um dann komplett ins Tragische zu kippen. Und das dank der Medikation. Doch damit nicht genug – für ihren  behandelnden Arzt, Dr. Jonathan Banks (Jude Law), wird das Ganze jetzt erst sehr verworren, und dann auch noch reichlich alptraumhaft. Doch unser tapferer Doktor weiß sich zu wehren!

Szenenbild 1

Der Anfang klingt wie „Contagion“, nur halt mit Pillen. Und das ist in den ersten zwei Dritteln des Films auch der Fall. Leider, wie man hinzufügen möchte: Dieselben ewig-bedeutungsschwangeren Momente, die gleiche nach Aktualität und Relevanz heischende Handlung und eine ähnlich schnarchige Inszenierung, bei der einfach keine richtige Spannung aufkommen will. Was auch an den Darstellern liegt, denn gerade Rooney Mara setzt mit ihrer zwar passenden, doch stets gleichen Variation auf das geprügelte Hündchen, das sie schon in Finchers “Verblendung”-Verfilmung ablieferte, keine wirklich erinnerungswürdigen Akzente. Channing Tatum spielt egal genug, um seinen vorzeitigen Abschied aus der Handlung mehr als nur verschmerzbar zu machen und auch Jude Law kann in diesem ersten Teil noch nicht so richtig punkten.

Andererseits ist man so etwas von Steven Soderbergh ja auch jenseits von „Contagion“ gerne mal gewöhnt. Wobei es natürlich immer eine spitzenmäßige Leistung ist, derartig hochdotierte Schauspieler vor der Linse zu versammeln. Doch das ist die Fähigkeit eines erstklassigen Produzenten, nicht die eines Spitzenregisseurs. Und so ist es wieder einmal die Inszenierung, die hier einfach nicht so richtig in Gang kommen möchte. Denkt man zumindest, während man sich in der ersten Stunde von einer Kinosesselseite in die andere wirft, um nicht weg zu dämmern.

Szenenbild 2

Doch dann, komplett überraschend und unvermutet, kommt im letzten Drittel des Filmes die rettende und fast vollständige Wendung des Filmes. Die weit mehr ist als einer jener gern mal gnadenlos überschätzten Handlungstwists – Es ist gleich das ganze Genre, das sich hier umkehrt: Vom öden Möchtegern-Drama wandelt sich „Side Effects“ zu einem großartigen Intrigenspiel, dessen Spaßfaktor sogar locker den der „Ocean’s“-Reihe übertrumpft. Hier darf Jude Law endlich mal richtig toll auf- und seine Kontrahenten so geschmeidig gegeneinander ausspielen, dass man sich rasch wünscht, der ganze Film hätte diese Stimmung gehabt. Aber immerhin vergisst man so auch die qualvolle und überlange Exposition, die vor diesem tollen Stück Unterhaltung kam. Und der herrliche Zynismus, mit dem man Laws Figur dann auch noch das amerikanische Psychiatriesystem zur Selbstjustiz missbrauchen lässt, sorgt dafür, dass einem trotz allem Charmes doch kurz das Grinsen wieder einfrieren könnte. Was dann auch tatsächlich mal an das richtig große Kino erinnert.

Doch es bleibt auch in jenem coolen Drittel noch das eine oder andere Negative im Gedächtnis. Vor allem Catherine Zeta-Jones, die es nicht nur sichtbar genießt, wieder einmal aus der Versenkung aufgetaucht zu sein, sondern der man auch noch eine kleine Lesbenszene angedichtet hat, deren Unglaubwürdigkeit nur von ihrer Lächerlichkeit übertroffen wird. Und Rooney Mara, deren Leistung sich trotz Wende im Film leider nicht groß ändert. Schade, denn ansonsten hätte man hier mal etwas mit der ihr jetzt schon eigenen Standardrolle spielen können.

Szenenbild 3

Fazit:
Trotz des erstklassigen Schlusses dürfte es „Side Effects“ schwer mit seinem Publikum haben. Oder gerade deshalb? Wie man es auch sehen möchte, ein letztes Drittel, das überhaupt nicht den Erwartungen entspricht, die Trailer und Vorabinformationen schüren, könnte für den einen oder anderen auch eine negative Überraschung darstellen. Und auch wenn man diese kleine Perle der guten Unterhaltung mochte, so musste man doch dafür eine gute Stunde Vorgeplänkel ertragen. Das reicht dann gerade noch so für gut durchwachsene 7/10 Punkte.

Und irgendwie ist es schön, dass Soderbergh in seiner potentiellen Abschiedsvorstellung zeigen konnte, dass er neben jeder Menge Ödnis auch mal ordentliche Unterhaltung machen konnte.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →