AiWeiwei Filmplakat

Ai Weiwei – Never Sorry

Filmplakat

Originaltitel: Ai Weiwei: Never Sorry

Laufzeit: 91 Minuten

FSK: ab 6 Jahren freigegeben

Hauptdarsteller: Ai Weiwei

Regie: Alison Klayman

Seit dem 14. Juni in den Kinos.

 

Und sie haben recht gehabt: Der Dokumentarfilm „Ai Weiwei – Never Sorry“ hat es am 14. Juni sicher in die Kinos geschafft – ungehindert vom autoritären Regime Chinas, dem der Künstler und Aktivist Ai Weiwei schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Denn dessen unaufhörliche Kritik an der chinesischen Regierung und das beständige Anprangern sozialer und gesellschaftlicher Missstände besudelt die saubere Propagandamaschinerie des Landes, in dem Menschenrechte von einer eher untergehenden Sonne begraben werden. Dort und andernorts begleitet der Film den Mann, der seine Kunst lebt.

 

Szenenbild 1

 

Ai Weiwei gehört zu schärfsten Kritikern des chinesischen Regimes. Seit Jahren macht er mit provokanten Aktionen von sich reden und ist unter anderem auch für die Geste mit erhobenem Mittelfinger bekannt. Nicht nur deswegen gerät er immer wieder mit der chinesischen Regierung aneinander. Diese Auseinandersetzung sind in Ai Weiweis Leben zentral. Und genau das zeigt der Dokumentarfilm. Doch nicht nur das: Regisseurin Alison Klayman gibt in kurzweiligen anderthalb Stunden ein umfassendes Porträt. Drei Jahre lang hat sie ihn begleitet, von 2008 bis 2011. Sie besuchte ihn in seinem Haus, im Atelier und war auf seinen Reisen an seiner Seite. Dabei führte Klayman Interviews mit ihm, befreundeten Künstlern, Helfern und Unterstützern aus aller Welt, wie Journalisten und andere Künstler, und gibt sogar Einblicke in sein Privatleben: Sie zeigt Fotos aus seiner Jugend und Begegnungen mit seiner Mutter, die jedes Mal krank vor Sorge um ihren Sohn ist, der nicht aufhören will, die Staatsgewalt gegen sich aufzubringen.

 

Szenenbild 2

 

Ai Weiwei kann nicht anders. Sein Handeln hat nicht nur politische, sondern auch persönliche Gründe: Schon sein Vater war regimekritisch eingestellt und bekam deswegen Schreibverbot und wurde samt Familie in den Norden Chinas verbannt. Ai Weiwei erlebte schon als Kind die herrschende Armut und vor allem die Unterdrückung kritischer Menschen mit. Diese Ungerechtigkeit wollte er ändern. Und da eine politische Einflussnahme in China nicht möglich ist, äußerte er sich auf eigenem Wege: Seit 2005 nutzt er dafür vor allem das Internet. Obwohl er nie zuvor einen Computer benutzt hatte, bloggt er jetzt, twittert und nutzt soziale Netzwerke. Zudem dokumentiert er seinen Alltag mit Foto und Video – und konnte so auch Übergriffe der Regierung festhalten.

Der Dokumentarfilm zeigt deutlich, wie massiv die Regierung gegen den Konzeptkünstler vorgeht. Er steht unter ständiger Beobachtung: Auf sein Haus sind Überwachungskameras gerichtet, ein Observationsteam vor seiner Tür führt Buch über Besucher und Besuchszeiten und verfolgt ihn überall hin. Selbst wenn er im Freisitz eines Restaurants sitzt, kommen nach wenigen Minuten Polizisten, die ihn bitten zu gehen. Doch es bleibt nicht bei solchen mehr oder wenige kleinen Schikanen: 2011 hat die Regierung hat sein Atelier grundlos abreißen lassen.

Doch am heftigsten ist folgende Szene: Auf einer Recherchereise meldet sich mitten in der Nacht die Polizei an Ai Weiweis Hotelzimmer. Es kommt zum Gerangel und ein Polizist schlägt ihn so hart auf Kopf, dass er eine Hirnblutung erleidet und am Kopf operiert werden muss. Doch nun ist das Regime auch strafrechtlich gegen ihn vorgegangen: Am 3. April 2011 wurde Ai Weiwei wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet. Er ist spurlos verschwunden. Zweieinhalb Monate lang wurde er ohne Prozess oder Fristsetzung an einem unbekannten Ort festgehalten. Seine Freilassung geschah nur mittels Kaution und unter strengen Auflagen. Sein Blog wurde gesperrt, er bekam Twitter- und Interviewverbot sowie 12 Monate Hausarrest.

 

Szenenbild 3

 

Angesichts solcher Schikanen grenzt es an ein Wunder, dass es der Dokumentarfilm überhaupt in die Kinos geschafft hat. Ai Weiweis Hausarrest soll noch bis 22. Juni andauern – bleibt die Frage, ob sich die chinesische Regierung daran hält und ob er dann wirklich endlich wieder auf freien Fuß kommt.

 

Fazit:

Obwohl die Regisseurin selbst ein großer Fan von Ai Weiweis Arbeit ist, beschönigt sie nichts: Auch das komplizierte Verhältnis von Ai Weiweis Frau und der Mutter seines unehelichen Sohnes lässt sie nicht aus. So gewinnt der Film eine durchdringende Aufrichtigkeit. Es entsteht ein abgerundetes und sehr facettenreiches Abbild eines aufregenden Künstlerlebens, der die Welt verbessern will und dafür sein Leben riskiert – so viel Unerschrockenheit muss man einfach gesehen haben. 10/10 Punkten.

 

 

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Über den Author:

Sophiawenn sich die gebürtige und nach wie vor Heimatstadt verliebte Leipzigerin nicht gerade als freie Journalistin, Lektorin und Sprecherin durch den Medien-Dschungel schlägt, ist ihre Stimme vor allem in Kulturradios zu hören – dabei kann sie allerdings nie die Finger von Filmen lassen.Zeige alle Artikel von Sophia →

  1. MaikMaik16.06.2012

    Wunderbare Rezi und beantwortung meiner Fragen, die sich mir auch beim betrachten der Plakate in der Stadt ergeben haben. Da werd ich wohl auch mal ins Kino gucken. :)

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