Argo Hauptplakat

Argo (OV-Sneak vom 05.11.2012 im Cinestar)

Plakat

Deutscher Titel: Argo

Laufzeit: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Ben Affleck, Bryan Cranston, Alan Arkin, John Goodman

Regie: Ben Affleck

Seit dem 08. November in den Lichtspielhäusern.

 

 

Es ist das Jahr 1979 und im Iran läuft für die Amerikaner gerade so einiges schief. Ein gewisser Ayatollah Chomeini hat das Volk erfolgreich zur Revolution aufgerufen und den US-sanktionierten Schah hochkant ins Exil gejagt, und nun besetzt man auch noch die amerikanische Botschaft, um deren Angestellte als Geiseln zu verwenden, um ebenjenen ehemaligen Machthaber ausgeliefert zu bekommen. Doch immerhin, ein kleines Grüppchen um Botschafter Bob Anders (Tate Donovan) konnte sich dem entziehen und fand Unterschlupf in der kanadischen Botschaft. Aber auch da werden sie nicht ewig sicher sein. Wie nur soll man sie also aus diesem arg unfreundlichen Land herausbekommen?

Auftritt Tony Mendez (gespielt vom Regisseur des Films selbst, nachdem Brad Pitt keine Zeit dafür fand – wenn man nicht alles selber macht…). Der ist von der CIA und hat, nach Wochen sinnloser Ideen, die perfekte Coverstory für eine Befreiungsaktion gefunden: Man gebe die Amerikaner in Not einfach als kanadisches Filmteam auf der Suche nach passenden Drehorten für einen Science-Fiction-Film aus. Denn exotische Locations und vor allem ganz viel Wüste (für Mondlandschaften und so…) brauchte man damals in jeder guten Zukunftsvision. Und so stürzt sich unser CIA-Mann mit zwei echten Hollywood-Produzenten an seiner Seite und der Zeit im Nacken in ein Abenteuer, das so wahnwitzig ist, dass er vielleicht sogar eine echte Chance haben könnte…

Szenenbild 1

Man muss es sich eingestehen: „Argo“ zieht sich etwas. Gerade zu Beginn möchte eigentlich keine wirkliche Spannung aufkommen, und das obwohl eigentlich alles in Ordnung ist: Die Epoche wird stimmungsvoll eingefangen, die Vorgeschichte knapp, aber anschaulich dargelegt und alle Darsteller machen eine prima Figur (auch wenn der Autor dieser Kritik Bryan Cranston immer noch nicht in autoritären Rollen ernst nehmen kann – verflixtes „Malcolm mittendrin“). Und eigentlich ist es ja sogar richtig schön, endlich mal wieder einer angenehm beruhigten Erzählweise folgen zu dürfen. Nur fehlt dem Ganzen irgendwie ein Grund, dem Geschehen zu folgen, ein Anlass, wirklich mit zu fiebern. Alles wirkt so historisch distanziert. Zumindest wirkte es so auf den Verfasser dieser Zeilen. Und wenn dann gegen Ende plötzlich auch noch die billigsten Register gezogen werden, um doch noch etwas Spannung aufzubauen (sogar der Fluchtwagen-spring-nicht-an-Kniff ist dabei und lädt tüchtig zum Fremdschämen ein), dann ist das dem Gesamteindruck nicht wirklich förderlich.

Szenenbild 2

Großartig hingegen ist die Inszenierung des getürkten Filmprojekts. Hier zeigt sich wieder die vielleicht größte Trumpfkarte Hollywoods (die ansonsten leider nur viel zu selten ausgespielt wird): Selbstironie. Denn beim Blick hinter die Kulissen des Hollywood der späten ’70er dürfte so schnell kein Auge trocken bleiben Das liegt natürlich hauptsächlich an den großartigen Leistungen von John Goodman und Alan Arkin, die ihre Rollen so wundervoll lebendig gestalten, dass man den Beiden einfach überallhin folgen (und auch jeden Film finanzieren) würde.

Und immerhin, das Zusammenspiel zwischen Komik und Ernsthaftigkeit funktioniert ebenfalls vorbildlich: Ein schön stetes Gleichgewicht zwischen beiden Stimmungen verhindert vor allem das Abdriften in zu alberne Gebiete und sorgt dafür, dass die Bedeutsamkeit der Aufgabe nie in den Hintergrund rückt, wobei gleichzeitig stets eine kleine Prise Leichtigkeit erhalten bleibt. Natürlich kann aber auch die beste Komik nicht für alle Längen entschädigen.

Szenenbild 3

Fazit:
In erster Linie mutet „Argo“ wie eine Geschichtsstunde an. Zwar wie eine sehr unterhaltsame, doch ganz ohne belehrenden Duktus und knochentrockene Passagen kommt das Ganze dann doch nicht aus. Das trübt den Unterhaltungswert dann zwar ein wenig, hinterlässt aber trotzdem einen mehr als nur sehenswerten Film. 7/10 Punkte vergeben wir dafür.

 

P.S.: Apropos „Geschichtsstunde“: Wer sich nun etwas mehr für die historischen Hintergründe des Films interessiert, dem sei die folgende Episode von „ZDF History“ ans Herz gelegt. Die gibt einen guten Überblick über die Geiselnahme.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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