Das Hält Kein Jahr Hauptplakat

Das hält kein Jahr..! (Sneak vom 12.04.2013 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: I give it a year

Laufzeit: 97 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Rose Byrne, Anna Faris, Rafe Spall, Simon Baker, Stephen Merchant

Regie: Dan Mazer

Ab dem 18. Mai in den Lichtspielhäusern.

 

 

Nat (Rose Byrne) und Josh (Rafe Spall) gaben sich justament das Ja-Wort. Nach nur sieben Monaten Beziehung! Das kann ja nur in die Hose gehen, denken sich sämtliche Beteiligte. Und tatsächlich bemerken unsere Turteltäubchen recht rasch Seiten an ihrem Gegenüber, die ihnen vorher gar nicht so richtig aufgefallen sind. Und dann sind da auch noch diese leckeren Alternativen, die plötzlich um beide herumscharwenzeln. In Nats Fall ist dies der verboten attraktive, kultivierte und dann auch noch charmante Guy (Simon Baker), für Josh stellt seine Ex-Freundin Chloe (Anna Faris) die zuckersüße Bedrohung seiner Treue dar. Na, ob das mal gut geht.

Szenenbild 1

Dort anzusetzen, wo die übliche Hollywood-Liebesgeschichte aufhört, und den Alltag und die Schattenseiten der beiden Liebenden zu zeigen, ist als Prämisse ja nun so neu nicht. Und seit dereinst Tucholsky die Frage nach dem „Na, und denn-?“ stellte, kam ehrlich gesagt an neuen Ideen diesbezüglich auch nur wenig hinzu. Vielleicht, weil Alltägliches einfach wenig Neuwert bieten kann. Sonst wäre es ja nicht alltäglich. Und bezüglich der Schattenseiten darf man es natürlich nicht übertreiben und die Figuren zu einer unglaubwürdigen Ansammlung von Marotten und Peinlichkeiten mutieren lassen.

Was jedoch im Falle von Josh passiert ist. Der ist stellenweise so offensichtlich nervig proletarisch angelegt, dass man genug Fremdschäm-Potential für noch fünf weitere miese Charaktere bekommt. Schlimmer ist da nur noch dessen bester Freund Danny, gespielt von Stephen Merchant, der hier eine pseudowitzige Peinlichkeit nach der anderen von sich schleudern darf, vermutlich in der festen Überzeugung, dabei ja ach so politisch inkorrekt zu sein, sodass spießbürgerlichere Gemüter dahinter vielleicht wirklich den berühmten schwarzen Humor der Briten vermuten könnten.

Szenenbild 2

Diese flache Charakterzeichnung setzt sich auch bei fast allen anderen Charakteren fort. Außer vielleicht bei Nat, aber die ist dafür auch schrecklich durchschnittlich geraten. Gut, und bei dem befreundeten Pärchen Naomi/Hugh, gespielt von Minnie Driver und Jason Fleming, die ihren eigentlich auch mies und platt als spinnefeind angelegten Figuren tatsächlich in zumindest einer Szene genau die großartige Chemie abgewinnen können, die es braucht, um kurz exakt die Menge von Liebe zwischen beiden aufblitzen zu lassen, die erklärt, warum sich die beiden dann doch noch miteinander abgeben. Huch, Schauspiel. Dann doch mal. Gut, dass das dem Regisseur anscheinend nicht auffiel.

Okay, manche der Figuren funktionieren natürlich auch trotz ihrer stereotypen Zeichnung. Gerade „The Mentalist“-Beau Simon Baker lädt als  Supercharmebolzen Guy mehrfach zum Schmunzeln ein und auch Anna Faris darf sich wieder ungeniert als zum Knutschen geben. Und immerhin gelingt es dem Film auch sehr gut, genau auf der Grenze zur Niveaulosigkeit zu balancieren, ohne dabei in unnötig unfeine Gefilde zu stolpern. Was zwar besser ist als nichts, aber doch nur bedingt die ansonsten komplett konventionelle Geschichte wettmachen kann, die am Ende sogar so wirkt, als wäre sie nur um eine einzige Szene herum geschrieben, in der sich die beiden Hauptfiguren einen etwas unüblichen Antrag machen. Da hätte man dann auch einfach einen zehnminütigen, mittelmäßigen Sketch machen können, statt die zehnfache Menge an Mittelmaß liefern zu müssen.

Szenenbild 3

Fazit:
Eigentlich sind britische Komödien zumindest der Erinnerung des Verfassers dieser Zeilen zufolge immer mindestens um Haaresbreite über dem Durchschnitt. Da ist es eigentlich fast schon wieder interessant, dass „Das hält kein Jahr..!“ hier mal einen klaren Sprung in die Tiefen der Mittelmäßigkeit leisten konnte. Ansehen muss man sich den Film deshalb aber nicht gleich. Das wäre dann ja reine Schaulust. 5/10 Punkte.

P.S.: Und was soll eigentlich diese beknackte Interpunktion am Ende des Filmtitels bedeuten? Okay, die Mischung aus Auslassung und Ausruf hat sich den einen oder anderen Punkt für ihre Paradoxie verdient – Aber wie bitte soll man das aussprechen?

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →