The Call Hauptplakat

The Call – Leg nicht auf! (Sneak vom 22.06.2013 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: The Call

Laufzeit: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahren

Darsteller: Halle Berry, Abigail Breslin, Morris Chestnut, Michael Eklund, Michael Imperioli, Justina Machado

Regie: Brad Anderson

Seit dem 11. Juli in den Lichtspielhäusern.

 

 

Jordan Turner (Halle Berry) arbeitet für die Polizeinotrufzentrale von Los Angeles, liebevoll auch „Bienenstock“ genannt. Und sie ist eine der besten Angestellten. Zumindest bis sie live dabei ist, wie eine ihrer Schützlinge von einem irren Killer niedergemetzelt wird. Weil Jordan unbedingt zurückrufen musste, sodass das arme Ding am anderen Ende der Strippe durch das Telefonklingeln verraten wurde. Was Jordan vollkommen berechtigt zu einem nervlichen Wrack macht. Denn ernsthaft: Wie dämlich kann man sein?

Aber egal, wir springen sechs Monate in die Zukunft und begegnen Casey Welson (Abigail Breslin). Deren Lieblingsfilm ist „Brautalarm“. Mehr muss man nicht über sie sagen. Trotzdem verdient sie es natürlich nicht, von einem irren Killer in den Kofferraum gesperrt zu werden, nur damit er sie später niedermetzeln kann. Das klingt vertraut, werter Leser? Denkt sich auch Jordan, die von Casey aus naheliegenden Gründen via Handy kontaktiert wurde. Und nun auf eine Chance zur Vergeltung hofft. Denn Rache ist ja bekanntlich Blutwurst. Auch und gerade in L.A.

Szenenbild 1

Gleich vorab ein elementarer Tipp für den Genuss dieses Filmes: Bitte, bitte, werter Leser, falls du wirklich unbedingt in dieses Filmchen möchtest, dann lass dir Zeit. Suche dir einen schönen Snack und ein leckeres Getränk aus. Geh’ nochmal ausführlichst aufs Klo. Schwatze noch ein wenig mit deiner Begleitung, oder, falls du keine Begleitung haben solltest, mit dem Kinopersonal. Tue alles Mögliche, aber gehe NICHT pünktlich in den Film. Denn die ersten 15 Minuten sind so sinnvoll wie ein Kropf. Und auch genauso angenehm.

Überspringt man das miese Vorgeplänkel, dann ist der Film eigentlich ganz nett. Denn auch wenn Halle Berrys darstellerische Leistung hier eher für eine Schmierenkomödie taugt, so kann sie doch von Zeit zu Zeit ein paar Überlebenstipps für Casey lockermachen, bei denen sogar MacGyver sein Notizbuch gezückt hätte. Und auch ansonsten weiß vor allem der Mittelteil des Films ordentlich zu unterhalten, wenn man von dem furchtbar öden Abziehbild von einem handelsüblichen Psychokiller einmal absieht, das sich so ab der Hälfte immer deutlicher offenbart.

Szenenbild 2

Aber ernsthaft – Was hätte man hier alles an Charisma in Pro- und Antagonisten pumpen können? Einen abgebrühten, mit allen Wassern gewaschenen und nie um eine Antwort verlegenen Profi auf der eine Seite, einen fiesen Soziopathen à la Patrick Bateman auf der anderen. DAS hätte spaßig werden können. Stattdessen bekommen wir eine Teilzeit-Heulsuse, die einen Norman-Bates-Abklatsch jagd. Aber egal. Weiter im Text.

Leider, leider folgt auf den Mittelteil allerdings das Ende. Und das bringt uns wieder zurück zum Kropf-Problem des Anfangs. Denn nicht nur ist das Ende furchtbar konventionell und bringt unsere Heldin sogar in die Lage, selbst zur Tat zu schreiten (und dabei in einen Bunker zu gelangen, in dem sie keinen Empfang hat – Ha! Welch’ Ironie!), nein, danach bekommen wir auch noch eine jener Übungen in Selbstjustiz, die wohl nie alt zu werden scheinen. Auch hier hätte man großzügig die Schere ansetzen können. Deshalb zum zweiten Mal ein freundlicher Rat, an dich, werter Leser: Warum nicht einfach mal etwas früher aus dem Film gehen? So vielleicht 10 Minuten vor Schluss? Dann hat man immerhin 70 Minuten Film gehabt, die einem nicht vollkommen dämlich vorkamen.

Kaum zu glauben, dass Regisseur Brad Anderson früher mal richtige Filme wie „Der Maschinist“ oder „Die Herrschaft der Schatten“ gemacht hat. Wobei man über Letztgenannten eigentlich auch schon wieder streiten könnte.

Szenenbild 3
Fazit:
Zwischen dem unnötigen Anfang und dem blöden Ende ist „The Call“ eigentlich ein ganz erträglicher Krimi-Happen, den man so nebenbei mal snacken kann. Aber auch nicht mehr, und halt auch nur mit Abstrichen. 5/10 Punkte.

 

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Manifesto“, „A Silent Voice“ und „Die Erfindung der Wahrheit“ – außerdem immer wieder gern über „Project Itoh – Harmony“ und „La Grande Bellezza“. Ist vorfreudetechnisch mit 2017 durch, freut sich dafür aber umso inniger, zu Beginn des neuen Jahrs "Your Name" auf Leinwand sehen zu dürfen.Zeige alle Artikel von Martin →