Premium Rush (Sneak vom 12.10.2012 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: Premium Rush

Laufzeit: 118 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Joseph Gordon-Levitt, Michael Shannon, Dania Ramirez, Jamie Chung

Regie: David Koepp

Ab dem 18. Oktober in den Lichtspielhäusern.

 

 

„Wenn du bremst, dann stirbst du.” Es sind nicht gerade aufmunternde Worte, die das Fahrradkurier-Ass, das nur auf den irgendwie merkwürdigen Namen „Wilee“ hört (Joseph Gordon-Levitt), da als Lebensweisheit von sich gibt, andererseits gesteht er selbst ein, dass man als Fahrradkurier in New York wohl nicht nur ein bisschen Balla-Balla sein muss. Und Wilee ist der Beste. Klar, sonst wäre er kaum die Hauptfigur in diesem Film. Wer will schon dem Zweitbesten Fahrradkurier New Yorks beim Radeln zusehen? Aber wir schweifen ab. Unser Wilee jedenfalls hat einen kniffligen Auftrag: Er muss einen Brief binnen 90 Minuten vom Norden Manhattans nach Chinatown bringen, sonst gerät Auftraggeberin Nima (Jamie Chung) tief in die Bredouille. Wobei das mit den 90 Minuten für unseren Helden im Fahrradsattel natürlich ein Klacks ist. Problematisch ist vielmehr der Brief selbst. Der ist nämlich bares Geld wert, und so trifft Wilee auch schon bald auf Bobby Monday (Michael Shannon), einen korrupten Bullen mit reichlich akuter Spielsucht (deshalb ist er auch korrupt) und einem ziemlichen Aggressionsbewältigungsproblem (deshalb wurde er vermutlich Polizist). Der will das Briefchen haben, um seine Spielschulden bei irgend so einer chinesischen Mafia zu tilgen. Und natürlich passiert noch jede Menge mehr an diesem denkwürdigen Spätnachmittag in New York.

Szenenbild 1

Es ist ein wenig überraschend, dass „Premium Rush“ schon die achte Regiearbeit von David Koepp ist, denn das Ganze wirkt eher wie das Debut eines noch unbedarften Regisseurs. Soll heißen: „Premium Rush“ ist furchtbar verspielt. Dauernd werden Zeiten eingeblendet, in Zeitlupe (und mittels grauenhaft dilettantisch eingefügter Linien) werden uns immer wieder Wilees Denkvorgänge illustriert, wenn er sich aus (meist im wahrsten Sinne des Wortes) verfahrenen Situationen befreien muss und vor allem bekommen wir jede Menge Rückblenden, damit uns auch ja kein Fitzelchen der ach-so-gut durchdachten Handlung entfleucht. Dabei hätte die fünfminütige Kurzversion, mit der Wilee irgendwann im Verlauf des Films über alles Wichtige informiert wird, auch für die Zuschauer gereicht. Andererseits wäre dadurch wohl gefühlt die Hälfte des Films flöten gegangen, und für 60 Minuten Laufzeit müht sich heutzutage ja kein Filmverleiher mehr ab. Also wird der Film lustig mit allerlei Zusatzszenen gestreckt und wir erleben viele Szenen mehrmals und aus den Augen vieler Figuren. Ohne große Berechtigung, wie gesagt, denn eigentlich ist die Story weder komplex noch interessant genug, um all dies Drumherum zu rechtfertigen.

Szenenbild 2

Wenn wir dann aber tatsächlich einfach mal dabei zusehen dürfen, wie Wilee auf seinem ultraleichten Drahtesel mit schwungvoller Akrobatik durch die Straßenschluchten des New Yorker Großstadtdschungels hetzt, dann kommt endlich mal die Freude auf, die einem im Trailer versprochen wurde. Hier sollten vor allem Fahrradfreunde voll auf ihre Kosten kommen, aber auch Actionfans dürften sich an diesen Stellen sehr wohlfühlen. Leider gehen diese Momente auch viel zu schnell wieder vorbei und man wird wieder mit einer unverdient überpräsenten Handlung voller Kitsch und platter Figuren belästigt, die man doch eigentlich bei so einer simplen Grundprämisse gar nicht bräuchte.

Wenigstens fallen die Darsteller nicht negativ auf, auch wenn ein Großteil wohl eher aus Gründen der Optik gecastet wurde. Andererseits ist auch das egal, denn viel schauspielerisches Potential bieten die Rollen ja sowieso nicht. Mist nur, dass das auffällt. Hätte man den Film einfach mal schneller inszeniert und viel mehr Mut zur Lücke demonstriert, hätte das richtig unterhaltsam werden können.

Szenenbild 3

Fazit:
Hätte man nur auf die zu Beginn dieser Kritik formulierte Warnung Wilees gehört, dann wäre „Premium Rush“ vielleicht ein richtig schmuckes Stück Popcornkino geworden. Doch leider bremst sich das Filmchen an vielen Stellen einfach nur selbst aus, sodass sich die zwei Stunden Laufzeit dann doch ganz schön ziehen. Für ganz nett unterhaltene 6/10 Punkte reicht das Ganze aber noch. Fahrrad-Fans sollten auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.

P.S.: Allerdings muss man sich dafür wohl oder übel auf seinen fahrbaren Untersatz schwingen und eine nicht geringe Wegstrecke in Kauf nehmen, denn „Premium Rush“ läuft in keinem einzigen Leipziger Kino, sondern erst wieder in Chemnitz (Cinestar am Roten Turm) oder Dresden (UFA-Kristallpalast).

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

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