Seelen Hauptplakat

Seelen (Sneak vom 20.05.2013 im Cinestar sowie vom 24.05.2013 im Cineplex)

Plakat

Originaltitel: The Host

Laufzeit: 126 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Saoirse Ronan, Max Irons, Jake Abel, Diane Kruger, William Hurt

Regie: Andrew Niccol

Ab dem 13. Juni in den Lichtspielhäusern.

 

 

Wir sind in einer jener nicht ganz so weit entfernten Zukünfte. Die Menschheit wurde fast vollkommen von einer außerirdischen Rasse übernommen. Das Perfide daran: Die „Seelen“, wie sich diese Rasse selbst nennt, nutzen besiegte Rassen als Wirte. Und so ist fas jeder Mensch auf der Erde mittlerweile von einer solchen Seele besessen. Seit kurzem auch Melanie Stryder (Saoirse Ronan, und um das Versprechen gleich einzulösen: Man spricht das „Sier-Scha“). Die bekam eine Seele implantiert, die sich in einem Anfall von Kreativität schlicht „Wanderer“ taufen ließ. Doch irgendwas lief schief, denn Wanderer hört Melanie auf nach der Übernahme noch. Dabei soll er oder sie (oder es?) doch eigentlich nur Informationen aus Melanies Kopf ziehen, um eventuell noch weitere wiederbeschreibbare Menschen zu finden. Übrigens im Auftrag einer sogenannten Sucherin (gespielt von Diane Kruger). Die (oder der? oder das?) ist dann auch gleich komplett ohne Namen. Vielleicht die bessere Idee. Auf jeden Fall besser als „Wanderer“.

Wie dem auch sei, unsere arme Seele kann bei der Jagd nach neuem Speicherplatz nur unzureichend helfen und muss deshalb entfliehen, da er oder sie (oder es?) sonst postwendend zurück zu einem der anderen Planeten des Herrschaftsgebietes der Seelen geschickt wird. Natürlich enden Wanderer und Melanie dabei im Versteck von Melanies… nun, Kommune trifft es wohl ganz gut. Hier wird Wanderer erst einmal in „Wanda“ umbenannt, denn Anführer Jeb (William Hurt) scheint sich keine dreisilbigen Vornamen merken zu können. Und das ist noch das kleinste Problem: Denn während Melanies große Liebe Jared (Max Irons) noch nicht so recht weiß, wie er nun mit der Situation klar kommen soll, verknallt sich Wanda auch schon bis über alle ihm bzw. ihr technisch nicht mal gehörenden Ohren in den schmucken Ian (Jake Abel). Herz, was willst du mehr? Vielleicht noch ein paar Sucher, die Melanie und Wanda natürlich nachspüren? Gern, gibt es gratis dazu!

Szenenbild 1

Armer Andrew Niccol! Hat er noch zu Beginn mit „Gattaca“ ordentliche Science-Fiction-Kost geliefert und mit „S1m0ne“ sogar eine richtig herrliche Mediensatiren gemacht, so muss er sich nun mit mittelmäßig geschriebener Einheitsware abgeben. Gut, „In Time“, sein letzter Film, hatte auch schon eine derb überstrapazierte Metapher als Grundidee, aber der sah wenigstens noch ganz nett aus und hatte mehr Design-Ideen zu bieten als ein paar sinnlos verchromte Oberflächen. Aber der Reihe nach.

Hauptproblem des Filmes ist wohl der zugrunde liegende Roman. Dessen Handlung erinnert den Verfasser dieser Zeilen übrigens extrem an das Fernsehen der 90er, genauer an die nicht unhübsche SF-Anthologieserie „Outer Limits – Die unbekannte Dimension“. Denn dort findet sich tatsächlich in schon in der ersten Staffel eine Folge namens „Seelenwanderung“, in welcher fast das gleiche Thema um Längen interessanter und anspruchsvoller präsentiert wird. Was natürlich hauptsächlich daran liegt, dass man dort auf bessere Ideen kam als die ganze Hintergrundgeschichte einfach nur zur Konstruktion eines dämlichen Liebesdreiecks zu vergeuden.

Doch die unkreative und dann auch noch mies verarbeitete Grundidee ist noch das kleinste Problem dabei. Weitaus schwerwiegender sind die von Anfang bis Ende schlicht und ergreifend bescheuerten Dialoge, bei denen man für alle am Drehbuch Beteiligten hofft, sie wurden 1:1 aus der Buchvorlage übernommen. Denn nur eine übermäßig unverdient gehypte Buchautorin sollte mit so etwas ungestraft davonkommen dürfen.

Szenenbild 2

Natürlich sind dann auch die Hauptfiguren entsprechend mies gezeichnet. Vor allem „Wanderer“, der/die/das für ein über 1000 Jahre altes Lebewesen einfach viel zu öde ist. Tragisch, tragisch, denn gerade Hauptdarstellerin Ronan ist eine der vielleicht besten Schauspielerinnen ihres Alters. Das konnte sie in „Wer ist Hanna“ eindrucksvoll beweisen. Hier hingegen spielt sie fast gezwungenermaßen auf Sparflamme. Und bekam für die deutsche Synchronfassung auch noch eine Sprecherin verpasst, die sich geradezu grenzdebil jeglichem Textverständnis entziehen konnte und entsprechend inhaltsleer intoniert. Und auch der Rest des Casts steht den Großteil der Zeit eher rum und sagt Text auf, als echte Emotionen zu präsentieren. Gut, immerhin William Hurt darf im Original dabei so herrlich nuscheln, dass man sich fast bei dem Wunsch ertappt, Till Schweiger würde mal ein paar Sprachstunden bei ihm nehmen.

Um das ideenlose Grauen dann vollzumachen, scheint auch die Optik des Films einfach nur nach dem simplen Schema „Zukunft = Glitzern = Verchromte Oberflächen“ zusammengerührt zu sein. Aber halt, darüber hatten wir uns ja schon echauffiert. Gut, dass es noch die komplett unpraktischer Kleidung der Seelen gibt, über die man sich ebenfalls herrlich aufregen kann. Die neuen Herrscher der Erde scheinen nämlich fast aus Prinzip auf Taschen zu verzichten (was einem schon die Frage aufwerfen lässt, woher sie dann so schnell ihre Spray-Waffen ziehen können…). Oh, und diese furchtbare Bauernromantik, der die letzten freien Menschen verfallen sind. Die ist auch grässlich.

Aber immerhin – Ein Positivum findet sich zum Abschluss dann doch noch: Der Titelsong von Imagine Dragons hat einen hübsch drückenden Rhythmus. Das entschädigt zwar nicht wirklich für diese auch noch furchtbar auf über zwei Stunden gestreckte Vergeudung an Lebenszeit, hilft einem aber immerhin elementar bei Aufwachen. Und ist damit die einzige wirklich gute Idee des Films.

Szenenbild 3

Fazit:
Nochmals: Armer Andrew Niccol! War er mit „In Time“ schon auf dem Weg dorthin, hat er mit „Seelen“ nun wirklich nur noch öde Hausfrauen-Scifi abgeliefert. Und dabei einem Film gemacht, der mies genug sein könnte, um sogar die chronisch treue Gruppe der „Twilight“-Fans abzuschrecken. Aber das wird wohl nur die Zukunft zeigen. Wer sich dieser Gruppe hingegen nicht zugehörig zählt, sollte so oder so auf keinen Fall einen Besuch dieses Films in Betracht ziehen. Obwohl man der unfreiwilligen Komik vieler Szenen vielleicht noch den einen oder anderen Unterhaltungswert abgewinnen könnte. Aber das muss nun wirklich nicht im Kino sein. Fast sowas wie enttäuschte 3/10 Punkte bleiben da am Ende übrig.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „The Empire of Corpses“, „A Cure for Wellness“ und „Kundschafter des Friedens“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“. Hält jetzt solange die Luft an, bis er eine Wiederaufführung des 1995er "Ghost in the Shell" bekommt! Auf Leinwand!!!Zeige alle Artikel von Martin →

  1. GurkenbroetchenGurkenbroetchen07.06.2013

    Stimme der Kritik voll zu. Lieber das Buch lesen, welches um Welten besser ist.

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