Hitchcock Teaserplakat

Hitchcock (Sneak vom 22.02.2013 im Cineplex und OV-Sneak vom 04.03.2013 im Cinestar)

Plakat

Originaltitel: Hitchcock

Laufzeit: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Darsteller: Anthony Hopkins, Helen Mirren, Scarlett Johansson, Toni Collette, Jessica Biel

Regie: Sacha Gervasi

Ab dem 14. März in den Lichtspielhäusern.

 

Er ist der Meister des Suspense. Ihm verdanken wir so viel mehr als nur den Begriff des „MacGuffin“. Doch nun, im Jahre 1960, hat Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) ein Problem: Sein nächstes Projekt, eine Verfilmung des schockierenden und anscheinend auch noch auf Tatsachen beruhenden Romans „Psycho“ von Robert Bloch, bekommt keine Finanzierung zusammen. Also muss unser erfolgsverwöhnter Altmeister sein Haus verpfänden und eigenes Geld lockermachen. Doch wird sein riskantes Spiel aufgehen?

Natürlich wird es das, schließlich hat selbst heute noch wohl jeder schon mal zumindest den Titel des Films oder wenigstens den Namen Norman Bates gehört. Also erfahren wir noch rasch ein paar Details zu Alfreds kriselnder Ehe. Gattin Alma (Helen Mirren) wird seit Neuestem nämlich von irgend so einem anderen Schreiberling namens Whitfield Cook (Danny Huston) regelrecht umworben. Ob das wohl Spannung in den Film bringen wird?

Szenenbild 1

Dies vorab: Nein, werter Leser, jener Whitfield Cook muss dir kein Begriff sein. Und natürlich wirkt die ganze Alma-und-Whit-Geschichte nicht ganz zu Unrecht etwas derbe angeseifenopert. Doch irgendwie wollte man wohl etwas Spannungspotential in einen Film bringen, der ansonsten nach eigenen Angaben quasi eine Verfilmung des Sachbuchs „Hitchcock und die Geschichte von Psycho“ von Stephen Rebello ist. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht auf. Die Nebenhandlung um des Meisters Weib beginnt schon nach kurzer Zeit, tüchtig zu nerven, denn tatsächlich möchte man doch nur das nächste hübsche Anekdötchen vom Dreh eines der bekanntesten Filme der Geschichte Hollywoods erfahren.

Eigentlich ist „Hitchcock“ nämlich leider nur wenig mehr als eine Aneinanderreihung von mal mehr, mal weniger charmanten und interessanten Informationshäppchen aus der Entstehungszeit von „Psycho“. Ein verspätetes, nachgespieltes und etwas lang geratenes Making-of also. Das dabei aber nicht fundiert genug wirkt, um als echte, ernst zu nehmende Dokumentation durchzukommen, sondern sich eher als gutgemeintes Reenactment vorbei zu mogeln versucht.

Szenenbild 2

Jedoch immerhin als erstklassiges Reenactment, denn auch wenn Anthony Hopkins sich ab und an etwas zu sehr auf das Darstellen ikonischer Posen versteift, so sind es letztlich die Akteure und Aktricen des Streifens, die „Hitchcock“ dann doch wieder sehenswert machen. Sei es Toni Collette als eine Perle von Produktionsassistentin, Richard Portnow als legendärer Studioboss oder Scarlett Johansson und James D’Arcy als die damaligen Hauptdarsteller Janet Leigh und Anthony Perkins – so gut wie jede Rolle wirkt punktgenau besetzt und großartig gespielt. Und zusammen mit Helen Mirren gibt dann auch Hopkins wieder eine gute Figur ab, wenn die beiden uns einen Traum von einem alten Ehepaar darbieten. Da vergisst man auch fast wieder diese Monstrosität von einem angeschminkten künstlichen Kinn, das dem armen Hitchcock-Darsteller wohl an die Kauleiste geklebt wurde, um den Zuschauer genug zu verwirren, um den Eindruck zu erwecken, diese Deformierung habe tatsächlich eine entfernte Ähnlichkeit mit der Kinnpartie des Meisters des Spannungskinos.

Von jener Prothetik einmal abgesehen ist der Film technisch grundsolide und ohne Makel, auch wenn einem kaum eines der schönen Bilder des Streifens länger als bis zum nächsten Morgen im Kopf bleiben dürfte. Selbiges gilt für die Filmmusik aus der Feder von Danny Elfman. Den man eigentlich auch so langsam als „Altmeister“ bezeichnen könnte. Wenn er sich mal wieder etwas meisterlicher geben würde. Aber wir schweifen ab.

Szenenbild 3

Fazit:
Man sollte auf jeden Fall Interesse an Alfred Hitchcock und seinem Werk mitbringen. In Kombination mit der Fähigkeit, etwas nervige Nebenhandlungen auszublenden, sollte das einem dann einen unterhaltsamen und ab und an gar informativen Abend bescheren können. 6/10 Punkte.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →