Chronicle Hauptplakat

Chronicle (OV-Sneak vom 02.04.2012)

Plakat

Deutscher Titel: Chronicle – Wozu bist du fähig?

Laufzeit: 84 Minuten

FSK: ab 12 Jahren

Hauptdarsteller: Dane Dehaan, Alex Russel, Michael B. Jordan, Michael Kelly, Ashley Hinshaw

Regie: Josh Trank

Seit dem 19. April in den Lichtspielhäusern.

 

Manche Entscheidungen kommen zur rechten Zeit: Kaum verspürt der alltags- und auch ansonsten nur geplagte Andrew (Dane Dehaan) den Drang, sein Leben fortan für die Nachwelt zu dokumentieren, ergibt sich auch ein guter Grund, immer eine Kamera mit sich zu schleppen. Denn zusammen mit zwei anderen Typen – nämlich Andrews einzigen Freund Matt (Alex Russel) sowie Steve (Michael B. Jordan), der nicht nur schwerst reich ist, sondern auch jetzt schon gute Chancen hat, der nächste schwarze Präsident zu werden -  gelangt er in eine mysteriöse Höhle, in der… nun, Mysteriöses geschieht. Man muss ja nicht immer alles erklären. Manchmal reicht auch blaues Licht, das sich in rotes wandelt. Jedenfalls, danach haben unsere drei Hauptfiguren telekinetische Kräfte. Mit denen sie nicht nur Dinge fliegen lassen können, nein, sie können sogar selbst fliegen. Und Kraftfelder um sich herum aufbauen, was ihre Verwundbarkeit deutlich verringert. Doch sie müssen auch lernen, das Spideys alter Onkel Ben immer noch Recht hat bezüglich der Sache mit der Macht und der Verantwortung. Und dass es außerdem reichlich weitere Probleme bringt, wenn man dabei auch noch psychisch labil ist. Nicht wahr, Andrew?

Szenenbild 1

Seit “Blair Witch Project” erfreuen sich Filme in Found-Footage-Optik in unregelmäßigen Abständen einer gewissen Beliebtheit. Sie sind ja auch recht günstig produziert (immerhin braucht man keine Studiokulissen und keine teuren, ausbalancierten Kameras) und können zumindest theoretisch durch ihren pseudodokumentarischen Hintergrund einen netten Beigeschmack von Authentizität haben. Wobei es auch möglich ist, wie bei Filmen wie “Cloverfield” richtig teure Spezialeffekte mit einzumischen. Und spätestens seit “Paranormal Activity” wurde auch klar, dass man diese Form des Filmens tatsächlich auch dazu nutzen kann, um spannende und interessante Geschichten zu erzählen.

“Chronicle” nutzt diese Grundidee nun für einen Superheldenfilm und kümmert sich dabei wie üblich nur relativ wenig um die Motivation seiner Hauptfigur, immer eine Kamera mit sich herumzuschleppen. Es ist halt die übliche fixe Idee eines Heranwachsenden, sein Leben fortan filmisch festhalten zu müssen. Schön gemacht sind dabei all die Szenen, in denen unsere telekinetisch begabten Hauptfiguren sich gegenseitig ihre Kräfte demonstrieren. Die kommen einem tatsächlich so vor, als hätte man sie so auch auf Youtube sehen können, was ein toller, gegenwartsbezogener Umgang mit der Kamera ist. Hier merkt man auch die Vorerfahrung des Regisseurs Josh Trank, der vor seinem vorliegenden Langfilmdebut schon einen süßen, kleinen Kurzfilm namens “Stabbing at Leia’s 22nd Birthday” ablieferte (der passenderweise auf Youtube veröffentlicht wurde), in dem auch alles sehr gewohnt beginnt, um dann komplett den Realitätsbezug zu verlieren. Toll gemacht und stark ähnlich der “Baseball-Szene”, in der wir die Kräfte der Jungs zum ersten mal zu sehen bekommen (wer einen Blick darauf werfen möchte, auch sie findet sich auf Youtube).

Szenenbild 2

Leider, leider verheddert sich der Film gegen Ende in seiner Prämisse, denn während im Mittelteil die Kräfte der Hauptfiguren noch eine plausible Erklärung für die professionell ruhig geführte Kamera liefern (und Gott sei dank ist sie so ruhig, das ständige Gewackel ist auf Dauer ja eher störend und erweckt dann mehr Übelkeit als Interesse), schert man sich gegen Ende einen Dreck um Erklärungen und liefert im Endkampf nur noch die übliche Kamerarbeit unter kompletten Verzicht auf irgendeine Ausrede.

Aber auch jenseits der überfrüht aufgegebenen Prämisse vermag der Film nicht zu überzeugen. Die Darsteller geben zwar ihr Bestes und machen vor allem in der Interaktion auch ordentlich Spaß, doch sind ihre Figuren leider nicht sehr interessant gestaltet – vor allem Andrew ist viel zu sehr auf Außenseiter und Prügelknabe gebürstet, als dass man sich wirklich für ihn interessieren würde. Was dann aus ihm wird, ist dementsprechend auch schon nach kurzer Zeit komplett vorhersagbar. Und dazu kommt dann noch diese öde Liebesgeschichte zwischen Matt und der ultralangweiligen Bloggerin Casey (deren Darsellerin Ashley Hinshaw auch nicht mehr kann als gut auszusehen). Das macht dann schon weitaus weniger Spaß.

Die Effekte hingegen sind wieder ganz unterhaltsam und glaubwürdig gemacht (auch wenn die Flugeinlagen etwas an “Hancock” erinnern), doch haben Effekte noch nie einen Film gerettet.

Szenenbild 3

“Chronicle” beginnt als Superheldenfilm mit erfrischend anderem Ansatz, doch leider wirft er seine neuen Ideen am Ende über den Haufen und endet komplett konventionell. Immerhin, die Found-Footage-Optik sorg im Mittelteil für ein paar hübsche Szenen, die den Film dann wieder etwas aus dem Durchschnitt heben. Daher hat er sich noch 6/10 nicht komlett desinteressierte Punkte verdient.

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Über den Author:

MartinLiebt das Kino als natürlichen Lebensraum großartiger Filme, wobei „großartig“ für ihn all das ist, was das Hirn zermartert oder das Herz zerreißt – jeweils im Guten wie im Schlechten und gern auch beides auf einmal. Schwärmt derzeit am liebsten über „Nur ein Tag“, „Genocidal Organ“ und „A Cure for Wellness“ – außerdem immer wieder gern über „La Grande Bellezza“ und „Die Wolken von Sils Maria“.Zeige alle Artikel von Martin →